Ausgemärgeltes Kalb sucht nach Milch von abgemagerter Kuh

Klimawandel verschärft die Situation in der Sahelzone

Senegal und Mauretanien steuern auf humanitäre Katastrophe zu

Die Aussichten für Teile Westafrikas sind alarmierend: Die Regenzeit von Juni bis September war im nördlichen Senegal und im südlichen Mauretanien besonders niederschlagsarm. In einigen Gebieten lag die Produktion von Biomasse bei nicht einmal 50 Prozent der üblichen Menge. Dies haben Analysen mithilfe des Geo-Informationssystems SIG SAHEL ergeben. Für die Viehalter bedeutet dies: Sie können den Futterbedarf ihrer Tiere nicht mehr decken.

Keine Vorräte für kommende Trockenzeit

Besonders besorgniserregend ist die Situation in den Städten Matam, Podor, Linguere sowie der Region Ranerou im nördlichen Teil des Senegals. „Die Bevölkerung musste bereits handeln: Manche haben die Tiere auf weit entfernte Weiden getrieben, um sie dort grasen zu lassen, andere verkaufen ihr Vieh vorsorglich, damit sie wenigstens Geld für Nahrungsmittel haben“, sagte Fabrice Carbonne, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger im Senegal. Doch dies habe mittel- und langfristig negative Folgen. „Die Menschen haben kaum Futter für ihr Vieh und können keine Vorräte für sich und ihre Tiere anlegen, um die Trockenzeit im nächsten Jahr zu überbrücken.“

Folgen grenzübergeifend

Der Mangel an fruchtbaren Weiden wirkt sich zudem unmittelbar auf die Milchproduktion aus. Die Tiere geben weniger Milch und ihre Fortpflanzungsfähigkeit sinkt. In der Folge geht die Milchproduktion auch in den kommenden Jahren zurück. Die Nachbarländer des Senegals sind ebenfalls betroffen: Die Herden aus Mauretanien, die im Allgemeinen in den Senegal oder nach Mali ziehen, werden diesmal keine fruchtbaren Weiden vorfinden. Und auch der Westen Malis wird - wenn auch in geringerem Maße - eine sehr schlechte Wintersaison erleben. Somit dürfte sich die Krise über Grenzen hinaus verbreiten.

Armut und Mangelernährung weit verbreitet

Der Norden Senegals leidet generell unter Nahrungsmittelunsicherheit. Es kommt immer wieder zu Ernährungskrisen. „Die Zahl der armen und sehr armen Menschen ist innerhalb von sechs Jahren von einem Drittel auf die Hälfte gestiegen“, so Landesdirektor Carbonne. Besonders gravierend ist die Lage im Grenzgebiet des Senegals zu Mauretanien. In den Bezirken Podor und Matam sowie in der Region um Guidimakha ist fast ein Fünftel der Bevölkerung akut mangelernährt. "Im Mai dieses Jahres haben wir doppelt so viele Kinder behandelt wie 2015, das ebenfalls als ein Krisenjahr gilt", sagte Elena Vicario, Länderdirektorin in Mauretanien.

Aktion gegen den Hunger arbeitet an Notfallplänen für 2018

Auf die Auswirkungen des Klimawandels ist die Bevölkerung kaum vorbereitet. Aktion gegen den Hunger arbeitet deshalb schon jetzt an Notfallplänen für 2018. Damit soll die Landwirtschaft gestärkt und dem Verlust des Milchviehs entgegengewirkt werden. Außerdem intensiviert Aktion gegen den Hunger die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. Helferinnen und Helfer bereiten die örtlichen Gesundheitszentren auf eine steigende Zahl mangelernährter Frauen, Männer und Kinder vor.

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