Junger Rohingya trägt in ein Tuch gewickeltes Baby durch knöcheltiefes Wasser in einem Flüchtlingscamp in Bangladesch

Fern der Heimat: Rohingya-Flüchtlinge berichten

Viele Rohingya-Flüchtlinge sind schwer traumatisiert. Die Gewalt und die Erlebnisse, die sie in ihrem Heimatland Myanmar und auf der Flucht nach Bangladesch erfahren mussten, haben tiefe Spuren in den Seelen von Frauen, Männern und Kindern hinterlassen. Aktion gegen den Hunger steht ihnen zur Seite und leistet psychosoziale Unterstützung.

Yasmine (15 Jahre): Misshandlungen vergessen

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Yasmine ist 15 Jahre alt. Wenn sie an die schönen Zeiten in ihrem Dorf Deol Toli in Myanmar zurückdenkt und erzählt, wirkt sie deutlich jünger. Doch die jüngsten Erinnerungen an ihre Heimat und die Flucht ins benachbarte Bangladesch wiegen schwer und holen sie immer wieder ein.  

Sie wünschte, sie könnte das alles einfach vergessen. Doch ihre Gedanken kreisen immer wieder um den Angriff auf ihr Dorf, um die Schüsse, darum, dass ihr Vater und ihrem Brüder umgebracht wurden und an die Erinnerung daran, dass sie immer und immer wieder von den Soldaten vergewaltigt wurde.

„Mein Körper war voller Schmerz“, sagt Yasmine. Auf der Flucht nach Bangladesch haben ihre Schwiegermutter und ihr Schwager die ganze Zeit ihre Hand gehalten und versucht, sie zu beruhigen. Als sie endlich im Flüchtlingscamp Kutpalong ankamen, war sie so schwach, dass sie ohnmächtig wurde und sofort ins Krankenhaus gebracht wurde.

Sie ist froh, dass sie im Flüchtlingslager, das sie nun ihr Zuhause nennt, nicht in permanenter Angst leben muss. Die Idee, in ihre Heimat zurückzukehren, ist für sie undenkbar. Die Erlebnisse haben Yasemine zutiefst traumatisiert. „Wenn ich an meinen Vater denke, bin ich sehr traurig“, erzählt sie. Am liebsten würde sie wieder normal und in Sicherheit mit ihrer Familie leben.

Mohammed (30 Jahre): Psychologische Unterstützung im Herzen des Chaos

Vor der Flucht nach Bangladesch war der 30-jährige Mohammed Holzfäller in einem kleinen Dorf namens Nassan. Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern floh er während der Militäroffensive. Sie ließen ihre Heimat Myanmar hinter sich, um sich in Sicherheit zu bringen.

Mohammed hat Schreckliches erlebt. „Ich habe hunderte von Menschen gesehen, die beschossen wurden. Meine Nachbarn wurden vor meinen Augen getötet“, sagt er.

Er macht sich viele Sorgen um die Zukunft. „Nichts hier ist beständig für uns, es gibt nicht genug Wasser und zu wenige Toiletten. Wir sind verwirrt – wie viel Zeit sollten wir hier bleiben? Die Zukunft meiner Kinder ist ungewiss, wenn sie keine Ausbildung erhalten.“

Die Ungewissheit belastet ihn sehr. Um besser mit den Fragen und Ängsten umgehen zu können, die ihn umtreiben, nimmt er an Gruppensitzungen zur Stressbewältigung von Aktion gegen den Hunger teil. Die Sitzungen finden in einem nahegelegenen Camp in Bangladesch statt.
Entspannungstechniken wie Meditation und die gemeinsame Zeit mit der Gruppe helfen Mohammed dabei, sich trotz der unzähligen Herausforderungen, denen sich die Rohingya stellen müssen, besser zu fühlen. „Die Techniken zur Stressbewältigung, die mir Aktion gegen den Hunger gezeigt hat, helfen mir sehr“, berichtet er.

Foyaz (10 Jahre): Zeichnungen als Therapie

Foyaz ist 10 Jahre alt. In seiner Hand hält er einen gelben Stift fest umklammert. Er malt Bilder, die ihn zum Lachen bringen: ein Haus, Blumen, Fische. Wie hunderttausende andere Kinder musste auch er aufgrund der Militäroffensive aus Myanmar fliehen und lebt heute im Flüchtlingscamp Kutapalong.

„Die Leute wollten uns töten, darum sind wir weggegangen“, erzählt er. Foyaz und seine Familie stehen vor dem Nichts. Alles, was sie sich mühevoll aufgebaut hatten, ist verloren. Die Veränderungen machen dem kleinen Jungen zu schaffen.

Das Team von Aktion gegen den Hunger kümmert sich um Kinder wie Foyaz. Sie erhalten psychosoziale Betreuung und werden dabei unterstützt, ihre schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. So werden Stifte, Papier und Kunst zur Therapieform. „Ich habe auch in Myanmar oft gemalt und es macht mich glücklich“, sagt Foyaz lächelnd.

Sokina (35 Jahre): Gegen die Angst kämpfen

Sokina ist mit ihrem Mann und ihren Kindern während der Militäroffensive aus ihrem Dorf Tulatoli in Myanmar geflohen. Als sie plötzlich Schüsse hörte, tat sie alles, um ihre Kinder zu beschützen. „Ich war wie taub, spürte keinen Schmerz. Habe nur funktioniert. Das Wichtigste war, meine Kinder zu retten.“ Doch für ihre ältesten Töchter konnte sie nichts tun. Sie waren im Nachbardorf bei den Großeltern. „Man hat ihnen einfach die Kehle aufgeschnitten,“ erzählt Sokina.

Seit Oktober leben Sokina und ihre Familie nun im Flüchtlingscamp Kutapalong. Sie erzählt, dass die Erinnerungen an die Erlebnisse sie ständig wieder einholen, ihr Angst machen und sie sehr traurig stimmen.

Dank der Gruppensitzungen für Frauen, die Aktion gegen den Hunger in den Camps organisiert, hat sie jetzt eine Art Ventil für diese Momente der Angst. Denn die Sitzungen ermöglichen es ihr, frei über ihre Gefühle zu sprechen: „Viele Dinge werden unterdrückt und wenn ich zu den Sitzungen gehe, kann ich meine Emotionen teilen. Alles, worum ich bitte, ist, dass weiterhin jemand in die Camps kommt und es uns ermöglicht, über diese Dinge zu sprechen.“

Tayaba (20 Jahre): Schwieriges neues Leben im Camp Kutapalong

Tayaba und ihr Mann Anwar sind von Myanmar nach Bangladesch geflohen und leben nun im Flüchtlingslager Kutapalong. Tabaya musste mitansehen, wie ihre Nachbarn während der Militäroffensive überfallen wurden. In Sorge um ihr Leben flohen sie so schnell sie konnten. Um vier Uhr morgens brachen sie auf. „Die Reise dauerte vier Tage und war sehr schwierig. Es gab viele Hindernisse. Wir hatten weder Nahrung noch Wasser“, erzählt sie zurückblickend.

Auch wenn die beiden sehr froh sind, im Moment relativ sicher zu sein, ist das neue Leben im Flüchtlingslager nicht einfach und birgt viele Probleme. „Diese Unterkunft ist alles, was wir haben. Wir wohnen hier zu sechst, da wir uns das Dach über dem Kopf mit einer anderen Familie teilen“, erklärt Anwar. „Wenn es regnet, leckt das Dach.“ Zudem ist das Paar besorgt aufgrund des Mangels an Trinkwasser und Toiletten – eine Sorge, die von zahlreichen Ärzten vor Ort geteilt wird. Einige warnen vor der Gefahr des Ausbruchs einer Choleraepidemie.

Aktion gegen den Hunger stand dem Ehepaar zu Seite, versorgte sie mit Material, um ihr Dach wasserdicht zu machen und betreut sie psychosozial.

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