Kleiner Junge im Flüchtlingslager

FAQ: Aufruf Globaler Waffenstillstand jetzt!

Die rasante Ausbreitung von COVID-19 stellt Länder und ihre Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt vor immense Herausforderungen. Was in Deutschland und Europa zu Kontaktverboten sowie Ausgangssperren führt und die Gesundheitssysteme an den Rand des Zusammenbruchs bringt, könnte in Kriegsgebieten zu einer humanitären Katastrophe mit Millionen Toten führen. Daher rufen wir zu einem sofortigen Schweigen der Waffen in allen Teilen der Welt auf!

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Globaler Waffenstillstand in der Corona-Krise

Die Corona-Bedrohung in Kriegsgebieten

Warum sind Kriegs- und Krisengebiete durch die Corona-Pandemie besonders gefährdet?

Krieg bedeutet Zerstörung. In Konfliktregionen ist oft ein Großteil der öffentlichen Infrastruktur zertrümmert: Schulen, Bahnhöfe, Krankenhäuser, Lebensmittelmärkte. Es gibt keine ausreichende Gesundheitsversorgung, die Menschen haben zu wenig zu essen, meist auch kein sauberes Wasser. Mangelernährung führt zu Krankheiten und Immunschwäche, Kinder können sich nicht richtig entwickeln. Durch die schlechten Hygienebedingungen verbreiten sich Infektionskrankheiten schnell und erbarmungslos. Da Häuser zerbombt und Lebensgrundlagen zerstört werden, müssen Menschen fliehen und leben oft in behelfsmäßigen Übergangslagern.

In den überfüllten Geflüchtetenlagern kann sich das Virus rasend schnell ausbreiten. Für die bereits geschwächten Menschen wäre das oft ein Todesurteil. Die schon überlasteten Gesundheitssysteme könnten der Pandemie nichts entgegensetzen und würden völlig zusammenbrechen.

Was hat die Corona-Pandemie mit Mangelernährung zu tun?

Menschen, die Hunger leiden, haben meistens ein schwächeres Immunsystem und sind anfälliger für Krankheiten. Es gibt noch keine wissenschaftlichen Studien, die den Einfluss von Mangelernährung auf den Krankheitsverlauf von COVID-19 untersuchen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass mangelernährte Menschen anfälliger für das Corona-Virus sind und schwerere Krankheitsverläufe zeigen. Hinzu kommt, dass die betroffenen Menschen meist in einem Umfeld leben, in dem es keine ausreichende Gesundheitsversorgung gibt.

Hungernde Menschen sind oft von großer Armut betroffen. Menschen in Slums oder Geflüchtetenlagern leben dicht an dicht und ohne gute Wasserversorgung. Hygiene- und Quarantänemaßnahmen – um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen – können kaum umgesetzt werden.

Außerdem tragen die Transportbeschränkungen und Kontaktverbote, die eingeführt wurden, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, dazu bei, dass in bestimmten Regionen bald noch weniger Lebensmittel vorhanden sein werden als zuvor. Der Lockdown kompletter Wirtschaftszweige führt zu steigender Arbeitslosigkeit, wodurch viele Menschen in informellen Beschäftigungsverhältnissen gar kein Einkommen mehr haben. Laut einer Schätzung der United Nations University könnte COVID-19 rund 500 Millionen Menschen in die Armut stürzen.

Was hat der weltweite Corona-Lockdown für Konsequenzen in Krisengebieten?

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden in vielen Teilen der Welt Ausgangssperren verhängt, Fabriken, Restaurants und Läden geschlossen. Auch nationale Grenzen wurden dicht gemacht. Dadurch werden internationale Lieferketten unterbrochen und es kommt zu Engpässen bei Nahrungsmitteln, Hygieneprodukten und Medikamenten.

Menschen in Konfliktgebieten sind auf Lieferungen von Nahrung und Material aus anderen Ländern angewiesen, die jetzt durch die weltweiten Corona-Lockdowns ausbleiben. Das führt zu mehr Hunger und Krankheiten. Gleichzeitig schränken die Maßnahmen auch die humanitären Hilfsprojekte ein. Durch die Reise- und Transportbeschränkungen wird es immer schwieriger, Gesundheitspersonal und lebenswichtige Hilfsgüter in die betroffenen Regionen zu schicken.

Die Ausgangsbeschränkungen betreffen die Menschen vor Ort auch direkt. Wenn sie nicht mehr hinausgehen dürfen, brechen die fragilen Wirtschaftssysteme zusammen. Es fehlen Arbeiter*innen in der Landwirtschaft, lokale Märkte müssen schließen. Zudem sind in Kriegsgebieten viele Menschen auf Gelegenheitsjobs im informellen Sektor angewiesen. Bei einem Corona-Lockdown verlieren sie ihr komplettes Einkommen. Hunger und Armut sind die Folge.

Warum wird die Corona-Pandemie den Globalen Süden schlimmer treffen?

In vielen Ländern des Globalen Südens gibt es schon jetzt lebensbedrohliche Krisen. In Ostafrika wütet eine riesige Heuschreckenplage, die gesamte Sahelzone hat durch den Klimawandel mit anhaltenden Dürren zu kämpfen, in vielen Kriegsgebieten wie im Jemen breiten sich die Cholera und andere Krankheiten aus. Einige afrikanische Länder haben die schlimme Ebola-Epidemie gerade überwunden.

In Konfliktgebieten liegt die Wirtschaft brach, staatliche Institutionen und Wohlfahrtssysteme funktionieren oft nicht mehr. Der weitverbreitete Hunger ist eine große Katastrophe für sich: Momentan leiden 822 Millionen Menschen weltweit an Mangelernährung.

Die Corona-Pandemie kommt als eine weitere Katastrophe in bereits stark geschwächte Gesellschaften. Die Staaten haben viel weniger Ressourcen und sind auf diese weitere Krise nicht vorbereitet. Der Globale Süden braucht unsere Unterstützung bei der Eindämmung des Corona-Virus, um erkrankte Menschen effektiv zu behandeln, aber auch um Gesellschaft und Wirtschaft vor den langfristigen Folgen schützen zu können.

Was tut Aktion gegen den Hunger vor Ort?

Welche Regionen sind aktuell von bewaffneten Konflikten betroffen? In welchen Konfliktgebieten sind wir vor Ort tätig?

Im Jahr 2019 wurden laut Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung insgesamt 27 Kriege und bewaffnete Konflikte geführt. Die betroffenen Länder sind die folgenden: Burundi, Kamerun, Demokratische Republik Kongo, Mali, Burkina Faso, Mosambik, Nigeria, Somalia, Republik Sudan, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Afghanistan, Ägypten, Irak, Jemen, Libyen, Syrien, Türkei, Indien, Myanmar, Pakistan, Philippinen, Thailand, Kolumbien, Ukraine. In 20 dieser Länder ist Aktion gegen den Hunger im Einsatz.

Weltweit sind 822 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Davon leben rund 490 Millionen in Ländern, in denen bewaffnete Konflikte herrschen. Konflikte führen zu Hunger und Leid – und Hungerkrisen befeuern wiederum Konflikte. In unseren Programmen vor Ort verteilen wir Lebensmittel, behandeln Mangelernährung und versorgen die Menschen mit sauberem Wasser.

Was tun wir vor Ort gegen Corona?

Für unsere Teams weltweit hat die Corona-Krise oberste Priorität. Wir treffen alle notwendigen Vorkehrungen, um die Verbreitung der Corona-Pandemie einzudämmen und gleichzeitig unsere lebensrettenden Programme aufrechtzuerhalten.

Als erste Maßnahme verstärken wir in den Projekten die Hygienemaßnahmen, verteilen Seifen und bauen die sanitären Infrastrukturen aus. Dabei halten sich unsere Teams eng an die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO und versuchen, den Arbeitsbetrieb wie gewohnt aufrecht zu erhalten.

In einigen Einsatzländern wird Aktion gegen den Hunger die Gesundheitsministerien durch spezifische Aktivitäten unterstützen. Wir können zwar keine Fälle von Coronaviren behandeln, aber helfen bei der Identifizierung und dem Transfer von Infizierten an Gesundheitszentren und verstärken die Umsetzung von Präventions- und Hygienemaßnahmen.

Besonders in Kriegsgebieten ist unser Einsatz wichtiger denn je. In Kolumbien verteilen wir verstärkt Hygiene-Kits an Migrant*innen und in den syrischen Geflüchtetenlagern im Libanon verbessern wir die Wasser-Infrastruktur.

Wie würde ein globaler Waffenstillstand den Menschen vor Ort konkret helfen?

Wenn sich Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand einigen, ändert sich das Leben der betroffenen Menschen nicht von einem Tag auf den anderen. Doch das Ende von Waffengewalt bedeutet: Es sterben keine Zivilist*innen durch Schießereien und Luftangriffe mehr, die Menschen können ohne Angst eine Bleibe suchen und sich um überlebenswichtige Dinge wie Arbeit, Essen und Gesundheit kümmern.

Die Menschen können beginnen, ihr Land wieder aufzubauen: eine funktionierende Wasserversorgung, das Gesundheitssystem, Straßen und öffentliche Verkehrsmittel, Schulen und staatliche Institutionen. All diese Strukturen sind dringend notwendig, um einer Pandemie wie COVID-19 begegnen zu können.

Wenn Konflikte beendet werden, können auch humanitäre Hilfsprojekte besser realisiert und mehr Menschen erreicht werden. Die geleistete Hilfe kann langfristiger wirken. Angesichts der Bedrohung durch die Corona-Pandemie können Hilfsorganisationen in Konfliktgebieten Präventions- und Hygienemaßnahmen durchführen und beim Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems mitwirken.

Unser Aufruf für einen globalen Waffenstillstand

Was hat der Aufruf des UN-Generalsekretärs bereits weltweit bewirkt?

Der eindringliche Appell von António Guterres stieß sofort auf Solidarität auf der ganzen Welt. Über 70 Staaten haben dem UN-Friedensaufruf gleich in den ersten Tagen öffentlich Unterstützung zugesagt. Auch mehrere Konfliktparteien signalisierten die Bereitschaft, mit der Gegenseite ins Gespräch zu kommen – darunter waren Akteure aus Syrien, Jemen, Libyen, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kolumbien, Ukraine, Myanmar, Philippinen, Südsudan und Sudan.

Auch der deutsche Außenminister Heiko Maas sicherte dem UN-Aufruf seine Unterstützung zu. Am 26. März erklärte er: „Das Anliegen einer weltweiten humanitären Waffenruhe, die den nötigen Raum schafft für die Bewältigung der COVID-Pandemie auch in Krisengebieten, sollte sich auch der UN-Sicherheitsrat zu eigen machen. Dafür werden wir uns einsetzen.“

Wir nehmen Außenminister Maas und die Bundesregierung beim Wort. Mit unserem Aufruf für einen globalen Waffenstillstand möchten wir alle Politiker*innen und Helfer*innen, die sich weltweit für Frieden einsetzen, bestärken!

Auf welchen Wegen kann sich die Bundesregierung konkret dafür einsetzen, dass ein globaler Waffenstillstand durchgesetzt wird?

Deutschland kann sich im direkten diplomatischen Kontakt mit Staaten um die friedliche Lösung bewaffneter Konflikte bemühen und sich als Vermittler zwischen Kriegsparteien anbieten.

Auch durch ihre Rüstungsexportpolitik kann die Bundesregierung direkt Einfluss darauf nehmen, in welche Regionen sie Waffen liefert. Deutschland ist der viertgrößte Waffenexporteur der Welt. Im Jahr 2019 wurden deutsche Rüstungsgüter für rund 8 Milliarden Euro verkauft – darunter auch Waffen, die direkt in Kriegsgebieten eingesetzt werden.

Darüber hinaus ist Deutschland momentan in einigen internationalen Gremien vertreten, in denen sich die Bundesregierung für den globalen Waffenstillstand einsetzen kann:

  1. UN-Sicherheitsrat: Deutschland hat bis Ende 2020 einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Dieses Organ der Vereinten Nationen hat zur Aufgabe, den Weltfrieden zu wahren. Dort kann Deutschland sich zum Beispiel dafür einsetzen, dass der Sicherheitsrat eine Resolution zu COVID-19 und laufenden bewaffneten Konflikten verabschiedet und Konfliktparteien dazu verpflichtet, Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit der Gegenseite aufzunehmen.
  2. UN-Menschenrechtsrat: Auch im UN-Menschenrechtsrat hat Deutschland bis 2021 einen Sitz. Dort kann sich Deutschland ebenfalls dafür starkmachen, dass die Wahrung der Menschenrechte in der globalen Bekämpfung der Corona-Pandemie allererste Priorität hat.
  3. Europäischer Rat: Außerdem wird Deutschland ab Juli 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Diese wichtige Leitungsfunktion rotiert alle sechs Monate. Das zuständige Land koordiniert die Arbeit des Europäischen Rates und kann politische Schwerpunkte setzen. Zudem vertritt Deutschland während dieser Zeit die EU auf internationaler Ebene (zusammen mit dem EU-Außenbeauftragten).
Warum sollte ich mitmachen? Was passiert mit meiner Unterschrift?

Je mehr Menschen unseren Aufruf unterschreiben, desto stärker ist unsere Forderung nach einem globalen Waffenstillstand! Mit möglichst vielen Stimmen für unser Anliegen zeigen wir, dass uns die weltweite Solidarität in der Corona-Krise wichtig ist. Wir machen der Bundesregierung deutlich, dass viele Menschen sie darin unterstützen, sich für einen globalen Waffenstillstand starkzumachen. Erzähl auch deiner Familie und deinen Freund*innen von dem Aufruf. Zusammen können wir mehr erreichen!

Ich möchte auch darüber hinaus helfen. Was kann ich tun?

Aktion gegen den Hunger ist weltweit in 50 Ländern im Einsatz. Gerade in Kriegs- und Krisengebieten sind Not und Leid besonders groß. Frauen, Männer und Kinder leiden an Hunger und haben oft keinen Zugang zu sauberem Wasser. Es fehlt an Medikamenten und medizinischer Versorgung. Unsere Teams sind vor Ort und unterstützen die Menschen mit lebensrettenden Maßnahmen. Mit deiner Spende können wir dort helfen, wo die Hilfe am dringendsten benötigt wird. Jetzt online spenden und Leben retten!

15. JUNI 2020
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