Ein Mitarbeiter von Aktion gegen den Hunger untersucht ein Kleinkind in den Armen der Mutter auf Mangelernährung.

Dürre in Somalia lässt Millionen Menschen hungern

Am Horn von Afrika ist die Lage desolat: In den Ländern Ostafrikas sind 89 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – das sind rund 90 Prozent mehr als im Jahr zuvor.  

Die Menschen dort sind verzweifelt auf der Suche nach Wasser: Felder trocknen aus und Tiere verdursten. Vielen Menschen bricht jegliche Lebensgrundlage weg. Konflikte, Inflation und unterbrochene Lieferketten durch den Krieg in der Ukraine lassen zudem die Lebensmittelpreise explodieren.  

Jetzt Nothilfe unterstützen

In Somalia gibt es seit vier Jahren keine richtige Regenzeit mehr. Die Lage ist lebensbedrohlich: In den Gesundheitszentren von Aktion gegen den Hunger hat sich die Zahl der wegen Mangelernährung aufgenommenen Kinder im Vergleich zum letzten Jahr rapide erhöht. In sechs der 18 Regionen des Landes droht 2022 eine Hungersnot, nahezu die Hälfte der somalischen Bevölkerung leidet bereits jetzt an akuter Ernährungsunsicherheit. Rund 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren und mehr als 250.000 schwangere und stillende Mütter sind dringend auf humanitäre Ernährungshilfe angewiesen.  

Somalia steht am Rande der Hungersnot

Somalia gehört zu den am schlimmsten betroffenen Ländern. Dem aktuellsten IPC-Report (IPC bedeutet Integrated Food Security Phase Classification) zufolge könnten schon im September 2022 mindestens 213.000 Menschen in den am meisten von der Dürre betroffenen Gebieten einer Hungersnot gegenüberstehen. Schon jetzt sind über 800.000 Menschen im Land auf der Flucht und auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Doch die verfügbaren Lebensmittel sind für die meisten Somalis kaum noch bezahlbar. 

Fünf Dromedare scharren sich um einen Brunnen in der kargen, ausgetrockneten Landschaft.
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Die Landschaft ist ausgetrocknet. Ein mit der Unterstützung von Aktion gegen den Hunger instandgesetzter Brunnen dient den Tieren als Wasserquelle, die mit der Trockenheit mitunter am besten zurechtkommen: Dromedare.

Kinder verhungern – doch die G7 schauen weg 

Die UN sagt es klar und deutlich: Nur eine sofortige und massive Erhöhung an Geldern und humanitärer Hilfe kann Somalia jetzt noch vor der Hungersnot retten. Aktuell sind rund 30 Prozent des humanitären Finanzierungsbedarfs für 2022 für Somalia gedeckt. Das ist viel zu wenig und kostet bereits jetzt vermeidbare Hungertode. 

Menschenleben retten – das hätte die Aufgabe der mächtigen G7 sein sollen, die sich Ende Juni 2022 zum G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau getroffen haben. Vergangenes Jahr noch hatten sie knapp 7 Milliarden Euro versprochen, die in die weltweite Bekämpfung von Hunger fließen sollten. Schon damals zu wenig, um Hungersnöte in Ländern wie Somalia abzuwenden. Doch obwohl die Anzahl hungernder Menschen seit 2021 sogar noch zugenommen hat, hat das Bündnis der mächtigsten Industriestaaten dieses Jahr weniger Geld für die Hungerbekämpfung zugesagt. 

„Gerade einmal 4,3 Milliarden Euro wurden für Ernährungssicherung versprochen”, kommentiert Jan Sebastian Friedrich-Rust, der Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger den Beschluss. 4,3 Milliarden für die Ernährungssicherung weltweit. Das bedeutet: Nur ein Bruchteil dieses Geldes kommt in Ländern wie Somalia an, in denen schon heute hunderttausende Menschen vom akuten Verhungern bedroht sind.

Ein Mitarbeiter hält die Hand eines kleinen Jungen im Hof eines Krankenhauses in Somalia, daneben zwei Frauen
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Nur ein Teil der Kinder in Somalia hat die Chance, in einem Krankenhaus behandelt zu werden.

So hilft Aktion gegen den Hunger in Somalia und weltweit

Neben der desolaten Versorgung mit Nahrungsmitteln haben 6,4 Millionen Menschen in Somalia keinen durchgängigen Zugang zu sauberem Wasser. Ähnlich viele haben keinen Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung. Das führt dazu, dass sich Infektionskrankheiten wie Cholera und Masern ausbreiten können.  

Aktion gegen den Hunger arbeitet mit Hochdruck daran, so vielen Menschen wie möglich zu helfen. Seit 1992 sind wir in Somalia tätig: 

  • Wir setzen Brunnen instand und erweitern die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen. 

  • Mithilfe mobiler Teams und in Krankenhäusern diagnostizieren und behandeln wir Mangelernährung bei Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen. 

  • Wir führen landwirtschaftliche Schulungen durch und entwickeln zusammen mit den Menschen vor Ort nachhaltige Lösungen wie Solarbewässerung, die an die Bedingungen des Klimawandels angepasst sind. 

  • Mit Bargeldhilfen unterstützen wir Familien dabei, sich flexibel und selbstständig zu versorgen und sich eine Zukunft aufzubauen. 

„Unsere Teams haben die Programme zur Vorbeugung von Hungersnöten und zur Notfallbehandlung rasch ausgeweitet, aber wir brauchen mehr finanzielle Mittel und einen sicheren Zugang für humanitäre Helfer, um die am meisten gefährdeten Menschen zu erreichen“, sagt Ahmed Khalif, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger in Somalia. Die instabile Sicherheitslage in Somalia erschwert humanitären Helfer*innen den Zugang zu vielen Gebieten im Land.  

„Es kommen mehr schwer mangelernährte Kinder als je zuvor in unsere Stabilisierungszentren.“ Die meisten Fälle seien normalerweise behandelbar, doch es fehle an Medikamenten und Betten, um alle aufzunehmen, schließt er. 

Deswegen setzen wir uns auch auf politischer Ebene dafür ein, dass die Gelder für humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit ausgebaut werden. Um mit unserer Arbeit einen langfristigen Wandel zu erzeugen, brauchen wir vor allem eines: Planbarkeit. Ihre Dauerspende hilft dabei ungemein. So können wir Nothilfe dort leisten, wo sie akut nötig ist – wie jetzt am Horn von Afrika. Sie haben noch ein paar Euro übrig? Helfen Sie mit uns zusammen Menschen wie den Frauen, Männern und Kindern in Somalia, die derzeit am meisten leiden. Gemeinsam können wir Leben retten! 

Helfen und Leben retten
8. JULI 2022
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