Wir helfen seit: 1992
Mitarbeiter*innen: 116
Bevölkerung: 19 Mio.
Erreichte Menschen 2024: 3.201.516
Unterernährungsrate: 53,2 %
Das Land am Horn von Afrika befindet sich seit über 20 Jahren im Bürgerkrieg. Somalias Infrastruktur ist nahezu vollständig zerstört. Kriegsverbrechen, Rekrutierung von Kindersoldaten und Vergewaltigungen von Frauen gehören zum grausamen Alltag. Hunger wird als Waffe instrumentalisiert, um Konfliktparteien systematisch zu schwächen. Die anhaltende Dürre in Ostafrika trifft das Land schwer und verschärft die bestehenden Probleme.
Wie ist die Situation in Somalia?
Nach dem Sturz des ehemaligen Diktators Siad Barre 1991 kämpften rivalisierende Gruppen um die Vorherrschaft in der Hauptstadt Mogadishu. Im darauffolgenden Jahr starben über 350.000 Menschen infolge von Krieg, Hunger und Krankheiten. Somalia verfügt bis jetzt über keine Zentralverwaltung, sondern besteht aus zerstückelten Gebieten miteinander verfeindeter Clans- und Milizen. Seit 2012 wird eine Art föderale Staatsstruktur mit politischen Mitteln erkämpft und versucht, aus Clangebieten Bundesstaaten zu machen. Ein mühsamer, bisher wenig erfolgreicher Prozess ohne Auswirkungen auf die Lebensrealität der Bevölkerung.
Denn anhaltende gewaltsame Konflikte, die katastrophale Dürre und regionale Überschwemmungen sind weitere Gründe für Somalias humanitäre Notlage. Unzählige Menschen werden aus ihrer Heimat vertrieben, sind extremer Armut ausgesetzt und leiden an Hunger.
Was sind die zentralen humanitären Herausforderungen in Somalia?
Für 2022 wird erwartet, dass 7,7 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. Etwa 544.000 Menschen wurden allein in 2021vertrieben Insgesamt sind mehr als 2,9 Millionen Menschen in Somalia Binnenvertriebene – eine der höchsten Zahlen weltweit. Die Hälfte von ihnen sind Frauen und Mädchen, die einem erhöhten Risiko von sexueller Gewalt, Belästigung und Missbrauch ausgesetzt sind. Die meisten Binnenvertriebenen leben in prekären Verhältnissen und benötigen Hilfe, um überhaupt zu überleben.
Im Osten Afrikas droht die schlimmste Dürreperiode seit Beginn der Satellitenaufzeichnung im Jahr 1981. Insgesamt sind mehr als 13 Millionen Menschen in Äthiopien, Kenia und Somalia bereits jetzt von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht – ein Anstieg von fünf Millionen Menschen seit November 2021.
In einigen Gesundheitszentren von Aktion gegen den Hunger ist die Zahl der Kinder, die wir mit der schwersten Form von Mangelernährung behandeln, auf das Dreifache angeschwollen. Mehr als 1,4 Millionen Somalier*innen könnten dazu gezwungen werden, ihre Häuser auf der Suche nach Wasser und Lebensmitteln zu verlassen. Dies schürt Konflikte um die wenigen verbliebenen Ressourcen.
Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Somalia?
Aktion gegen den Hunger ist seit 1992 in Somalia aktiv. Unsere Teams arbeiten täglich daran, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern:
- Unsere Teams diagnostizieren Mangelernährung und behandeln akut mangelernährte Kinder.
- Die am schwersten von Dürre betroffenen Bevölkerungsgruppen unterstützen wir durch Barmitteltransferprogramme, die den Zugang zu Lebensmitteln und grundlegenden Gesundheitsleistungen ermöglichen.
- Zudem haben wir 38 Wasserstellen instandgesetzt, fast 300 Latrinen gebaut und mehr als 40.000 Kubikmeter sauberes Wasser zu bedürftigen Gemeinden transportiert.
- Wir verteilen Hygiene-Sets und schulen Gesundheitspersonal in hygienischen Themen.
In diesen Bereichen haben wir geholfen:
Neben Spenden finanziert sich unsere Arbeit auch durch Förderungen und Zuwendungen institutioneller Geber*innen. Der folgende Absatz informiert Sie über Projekte, die direkt durch diese Art der Unterstützung realisiert werden können. Hier informieren wir über die Herkunft all unserer Mittel.
Beendete Projekte
- Direkt erreichte Menschen: 2.950.000
- Laufzeit: Juli 2021 – Oktober 2025
- Mittelherkunft: Auswärtiges Amt
- Fördervolumen: 26,7 Mio. Euro
In sieben Ländern Subsahara-Afrikas – Äthiopien, Somalia, Südsudan, Uganda, Niger, Mali und Sudan – setzt sich dieses Projekt dafür ein, die Ernährungssituation von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten nachhaltig zu verbessern. Dabei steht nicht nur die akute Hilfe im Mittelpunkt, sondern auch die Bekämpfung der strukturellen Ursachen von Mangelernährung. Mit einem sektorübergreifenden Ansatz in den Bereichen Ernährung, (mentale) Gesundheit, WASH (Wasser, Sanitär, Hygiene), Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge sowie gezielter Advocacy-Arbeit wird auf mehreren Ebenen Wirkung erzielt – für weniger Hunger, mehr Würde und ein besseres Leben für die Betroffenen. Die Projektaktivtäten in Niger, Mali und Sudan sind im Juli 2024 im Kontext dieses Projektes ausgelaufen.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Unterstützung von Kindern unter fünf Jahren mit akuter Mangelernährung (MAM/SAM) und ihren Betreuungspersonen
- Förderung der Gesundheit und Ernährung von schwangeren und stillenden Frauen
- Stärkung von weiblich geführten Haushalten, Binnenvertriebenen, Rückkehrer*innen und Geflüchteten
- Unterstützung vulnerabler Haushalte, insbesondere mit älteren Menschen, Menschen mit Behinderung oder ohne männliche Bezugsperson
- Aufbau von Kapazitäten bei Gesundheitspersonal und Freiwilligen vor Ort
- Unterstützung und Einbindung lokaler Schlüsselpersonen und Gastgemeinden in den Projektregionen
- Umsetzung integrierter Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, WASH, Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge
- Förderung lokaler und internationaler Advocacy-Arbeit zu klimabedingtem Hunger und Ernährungssicherheit
- Stärkung der Stimmen betroffener Gemeinschaften in politischen Entscheidungsprozessen – für klimafreundlichere und gerechtere Maßnahmen
- Direkt Begünstigte: 11.000
- Laufzeit: August 2022 – September 2025
- Mittelherkunft: Auswärtiges Amt, Aktion gegen den Hunger
- Fördervolumen: 4.021.244,41 €
- Länder: Somalia, Äthiopien, Südsudan, Kenia
Im Vergleich zu anderen Bereichen der humanitären Hilfe, sind die derzeitigen Frühwarnsysteme zur Bekämpfung von Mangelernährung nicht ausreichend. Es ist somit schwierig vorrausschauend auf das Problem der akuten Unterernährung zu reagieren. Da Mangelernährung speziell bei Kindern unter 5 Jahren immer noch eine der häufigsten Todesursachen ist, ist es umso wichtiger schon im Vorfeld auf eine sich verschlechternde Ernährungssituation reagieren zu können. Dieses Projekt zielt daher darauf ab bessere Frühwarnsysteme für die Projektländer zu entwickeln, um Unterernährung bei Kleinkindern besser vorhersagen zu können und im Notfall gezieltere und schnellere humanitäre Hilfe leisten zu können. In Zusammenarbeit mit anderen humanitären Akteuren, unseren Kolleg*innen vor Ort und zwei Universitäten aus den USA wird daran geforscht modellgestützte Prognosen für akute Unterernährung bei Kindern unter 5 Jahren zu entwickeln. Ziel ist es die bestehenden Frühwarnsysteme durch die Integration dieser Prognosen zu verbessern und so in Zukunft die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren an akuter Unterernährung zu reduzieren.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Erstellung validierter Modelle für die Vorhersage von akuter Unterernährung von Kindern in vier Ländern (Kenia, Somalia, Äthiopien, Südsudan)
- Durchführung operativer Pilotprojekte in allen vier Ländern zur Integration modellgestützter Vorhersagen über akute Unterernährung
- Verbesserung bestehender Frühwarnsysteme zur Unterstützung antizipativer Maßnahmen
- Advocacy-Aktivitäten und Koordination mit Akteuren aus dem Bereich der vorausschauenden humanitären Hilfe