Die unsichtbaren Spuren des Krieges

Wenn man über humanitäre Hilfe spricht, stehen meist Lebensmittelverteilungen, sauberes Trinkwasser, Notunterkünfte oder medizinische Versorgung im Vordergrund. Alles Faktoren, die hauptsächlich das physische Überleben der betroffenen Bevölkerung betreffen. Doch auch die psychologische Betreuung von Menschen, die unter Krisen und Konflikten leiden müssen, ist ein wichtiger – wenn auch oft vernachlässigter – Bestandteil der humanitären Hilfe.

Erlebnisse wie Krieg und Verfolgung können die seelische Gesundheit tiefgreifend beeinträchtigen. Kinder sind davon besonders stark betroffen. Aktuell sind unsere Mitarbeiter in den Nachbarländern Syriens daher auch im Einsatz, um Flüchtlingen bei der Verarbeitung ihrer schwierigen Erlebnisse zur Seite zu stehen.

Auswirkungen von Konflikten

Kinder machen die Hälfte der vom Syrienkonflikt betroffenen Bevölkerung aus. Viele von ihnen entwickeln regressive Verhaltensweisen wie Bettnässen, eine erhöhte Reizbarkeit und sind anfällig für Wutausbrüche. Zudem sind Schlafstörungen, depressive Symptome und Angstzustände häufige Erkrankungen bei Kindern.

Die Behandlung von Ängsten

„Die Arbeit mit Menschen, die ein Trauma erlebt haben, ist nicht einfach. Wir bieten daher unterschiedliche psychosoziale Sitzungen für Kinder, Erwachsene und Familien an, um die individuellen Bedürfnisse berücksichtigen zu können. Zudem setzen wir uns gegen die Stigmatisierung von psychologischen Störungen wie Depressionen ein. So wird jedes Familienmitglied nicht nur in die Lage versetzt, zu verstehen, was die betroffene Person durchmacht, sondern auch, wie ihr am besten geholfen werden kann“, erklärt Nuria Diez Carrillo, Teamleiterin für psychologische Gesundheit von Aktion gegen den Hunger im Irak.

Die psychosozialen Bedürfnisse der Menschen, die in Flüchtlingslagern leben, sind oft ganz andere als die von Menschen in den Aufnahmegemeinden. „Die Familien in den Flüchtlingslagern leiden in der Regel unter weniger Stress, da sie eine bessere Aussicht haben, humanitäre Hilfe zu erhalten. Doch sie kämpfen oftmals mit dem Gefühl, ihre Freiheit, Würde und Autonomie verloren zu haben. Die Menschen in Aufnahmegemeinden haben dieses Gefühl eher selten. Doch ihr Leben ist schwieriger, da sie täglich Angst haben, ihre Familien nicht ausreichend ernähren zu können“, berichtet Nuria.

Im Libanon, Jordanien und Irak leistet Aktion gegen den Hunger psychologische Betreuung für Kinder und Eltern. Insgesamt erreichen wir mit unseren Programmen in den Bereichen Ernährung, Wasser & Hygiene sowie psychosozialer Betreuung mehr als drei Millionen Menschen in der Region rund um Syrien.

Foto: Florian Seriex

20. JULI 2017
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