Der Konflikt in der Ukraine treibt noch immer Millionen Menschen zur Flucht innerhalb des Landes und in die Nachbarländer. Aktion gegen den Hunger unterstützt die Flüchtenden und arbeitet an langfristiger Hilfe im Land.
Es herrscht Krieg in Europa. Der Konflikt in der Ukraine hält auch nach Jahren an: Noch immer erschüttern schwere Explosionen Städte. Familien flüchten in ihre Keller oder versuchen, das Land zu verlassen, um sich vor den Raketen zu schützen. Im vierten Kriegswinter bricht eine Kältewelle über das Land herein, die durch Angriffe auf die Heizinfrastruktur zur tödlichen Gefahr wird.
Bewaffnete Konflikte sind die Hauptursache für Hunger. Menschen werden vertrieben, Versorgungsketten unterbrochen, die Nahrungsmittel gehen aus und werden unerschwinglich. Genau das passiert gerade in der Ukraine – mit Einfluss auf viele andere Teile der Welt. Eine politische Lösung ist bislang nicht in Sicht. Die humanitären Bedarfe steigen weiter an.
Aktion gegen den Hunger leistet Nothilfe in der Ukraine und in den Nachbarländern. Wir fordern alle Akteure auf, den Schutz des humanitären Raums zu gewährleisten und humanitäre Maßnahmen vor Ort zu erleichtern.
Ukraine: Die Menschen sind dringend auf Unterstützung angewiesen
Bereits vor der Eskalation des Konflikts waren 2,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders im Osten des Landes, etwa in Luhansk und Donetsk, wo der Konflikt schon seit 2014 massive Auswirkungen auf die Bevölkerung hat, nahm die Anzahl der hungernden Familien seit Jahren zu. Nun ist der humanitäre Bedarf im Land enorm gestiegen. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf zivile Infrastruktur und die Zahl der zivilen Opfer steigt. Die Energieversorgung ist teilweise zerstört, so dass sich viele Menschen kaum vor den kalten Wintertemperaturen schützen können. Es droht ein Zusammenbruch des Stromversorgungsnetzes, der Auswirkungen bis ins benachbarte Moldau haben könnte. Vielerorts fehlt es an frischem Wasser und intakten Sanitäranlagen, insbesondere in den Lagern, in denen Binnenvertriebene unterkommen. Es drohen Krankheiten.
Die Situation ist dramatisch: 10,8 Millionen Menschen im Land sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 haben viele Millionen Menschen die Ukraine verlassen. Ein Teil ist zurückgekeht, doch innerhalb des Landes sind noch immer rund 3,7 Millionen auf der Flucht vor den Angriffen und deren Auswirkungen, viele mussten bereits mehrfach flüchten. Besonders kritische Auswirkungen haben die Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und wichtige Infrastruktur. Der Zugang zu Gesundheitsdiensten wird dadurch insbesondere in den Frontgebieten stark erschwert. Chronisch erkrankte Ukrainer*innen haben kaum Möglichkeiten, sich weiter behandeln zu lassen.
Im Kriegswinter 2025/26 sahen sich die Menschen den tiefsten Temperaturen seit vielen Jahren ausgesetzt. Gleichzeitig gab es wiederholte Angriffe auf Heizkraftwerke und die Stromversorgung, so dass Millionen Menschen kaum Schutz gegen die Kälte hatten.
2025 war außerdem das tödlichste Jahr für Zivilist*innen seit 2022. 2.514 Menschen aus der Zivilbevölkerung wurden getötet, mindestens 12.142 durch Angriffe verletzt.
Menschen an den Grenzen erzählen ihre Geschichten
An den Grenzen und in Hilfslagern im Land suchen Familien Schutz. Warme Mahlzeiten und Getränke helfen bei den kalten Temperaturen.
Bis heute erreichen vor allem Frauen und Kinder die Aufnahmelager. Während die Kinder in mit Spielsachen und Kuscheltieren eingerichteten Spieleecken zumindest ein klein wenig Normalität zurückerhalten, erzählen uns ihre Eltern ihre Geschichten – von ihren Verwandten und Freunden, ihren Jobs, ihrem Leben, das sie zurücklassen mussten. Eine davon ist Alexandria, die im Video von der Flucht mit ihrer kleinen Tochter und der Angst um ihre noch in der Ukraine verbliebenen Eltern berichtet:
Alexandria musste mit ihrer Tochter aus der Ukraine fliehen!
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Im Einsatz: Was wir tun, was wir planen
Aktion gegen den Hunger unterstützt seit den ersten Tagen des Krieges Hilfslieferungen an die polnisch-ukrainische Grenze und hat in der Ukraine Nothilfezentren eingerichtet. In der ersten Zeit waren unsere Teams an den Grenzen in Polen, der Republik Moldau, Rumänien und in der Ukraine selbst im Einsatz. Mittlerweile konzentriert sich unsere Arbeit auf die Ukraine sowie auf Moldau. Gemeinsam mit lokalen Partner*innen leisten wir Nothilfe und geben Nahrungsmittel, Hygiene-Sets und mehr an die Menschen aus. Im Land unterstützen wir jene, die bleiben, sich aber aufgrund zerstörter Infrastruktur nur noch unzureichend selbst versorgen können. Zudem leisten wir dringend benötigte psychosoziale Hilfe, denn ein Leben im Krieg über Jahre hinweg fordert die mentale Gesundheit enorm heraus. Die Angst um das eigene Leben sowie das der Angehörigen bestimmt den Alltag.
Wir haben unter anderem die Initiative „Wir packen’s an” mit Hilfslieferungen unterstützt, um gleich zu Beginn des Konflikts akute Bedarfe an der polnisch-ukrainischen Grenze und in umliegenden Orten auf ukrainischer Seite zu decken. Teams von Aktion gegen den Hunger sind nun im Einsatz, um Decken, Nahrungsmittel sowie Waren des täglichen Bedarfs, aber auch Kinderwägen und Rollstühle zu verteilen, Bedarfe zu ermitteln und größere humanitäre Hilfsmaßnahmen zu planen.
So hilft Aktion gegen den Hunger in der Ukraine
Aktion gegen den Hunger unterstützt lokale Behörden und Organisationen in der Ukraine, um auf den wachsenden humanitären Bedarf zu reagieren:
Unser Hauptsitz in der Ukraine befindet sich mittlerweile in Dnipro, zuvor lag er in der Stadt Winnyzja südwestlich von Kjiyv. Von dort aus koordinieren wir folgende Bereiche:
In der westlichen Ukraine konzentrieren wir uns auf die Unterstützung von Vertriebenen und den Menschen, die sie aufnehmen. Unsere Mitarbeiter*innen verteilen Nahrungsmittel, leisten psychosoziale Hilfe und unterstützen Familien mit Bargeldhilfen, damit sie sich Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs kaufen können.
In der östlichen Ukraine arbeiten unsere Teams unter anderem mit lokalen humanitären Organisationen zusammen, um die Versorgung der Menschen mit warmen Mahlzeiten und überlebenswichtigen Gütern wie Hygieneprodukten und Medikamenten aufrechtzuerhalten. Wir unterstützen außerdem lokale Händler in den Einsatzgebieten, damit die Bevölkerung die Möglichkeit behält, sich selbst zu versorgen.
Weiterhin unterstützen wir dabei, die von Luftangriffen zerstörte Infrastruktur wieder instandzusetzen und verteilen Hygienekits an die Bevölkerung. Zudem verstärken wir das Gesundheitssystem mit mobile Kliniken. Rund ein Drittel der ukrainischen Erwachsenen leidet aufgrund des Krieges bereits an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Unsere Teams leisten psychosoziale Hilfe im Land.
Unsere Mitarbeitenden vor Ort leisten psychologische Unterstützung, damit die Menschen die traumatischen Erlebnisse verarbeiten können.
Unsere Arbeit in den Nachbarländern
In Polen, Moldau und Rumänien haben wir in den ersten Monaten bis Jahren vor allem lokale Behörden unterstützt. In den Transitzentren verteilten wir Wasser, wärmende Mahlzeiten sowie Hygienekits, halfen beim Aufbau von Toiletten und Duschen und unterstützten Familien finanziell, damit sie ihre Grundbedürfnisse eigenständig decken können. Außerdem leisteten unsere Teams in Zusammenarbeit mit Psycholog*innen psychosoziale Hilfe für fliehende Erwachsene und Kinder. Diese Hilfsleistungen führen wir nun in Moldau und in der Ukraine selbst fort.
Auf den Krieg folgt Hunger – über Ländergrenzen hinweg
Der Konflikt trifft die Welt auch über die Grenzen Europas hinaus. Während in der Ukraine über 10 Millionen Menschen auf Nahrungsmittel-Lieferungen angewiesen sind und die Inflation ihnen die eigenständige Versorgung erschwert, wirken sich die Einschränkungen in der Landwirtschaft, im Export von Gütern sowie die steigenden Preise auch auf andere Länder aus.
Rund 40 Prozent der ukrainischen Exporte von Weizen, Mais und pflanzlichen Ölen gingen vor dem Krieg nach Afrika und in den Mittleren Osten. Der Libanon etwa bezog 55 Prozent seines Weizens von dort. Russland wiederum lieferte als größter Weizenexporteur der Welt unter anderem in den Jemen, nach Nigeria oder Indonesien. Nach Schätzungen der FAO stammten 30 Prozent des in Afrika verbrauchten Weizens aus der Ukraine und Russland.
Durch die Kriegshandlungen stiegen die Preise für exportierte Lebensmittel stark an. Der Weizenpreis stieg schon kurz nach Ausbruch des Konflikts auf 400 Euro pro Tonne, während der Durchschnittspreis im Jahr 2021 noch 200 Euro pro Tonne betrug. Zwischenzeitlich waren außerdem Seewege blockiert, so dass keine Exporte das Land verlassen konnten. Bis heute leiden auch Menschen in Ländern, die auf diese Nahrungsmittel angewiesen sind. Sie sind aufgrund von Klimaextremen oder Krisen im eigenen Land von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Nun müssen andere Wege gefunden werden, um Menschen weltweit zu versorgen.
Gemeinsam für eine Welt ohne Leid und Hunger
Eines ist klar: Die Kampfhandlungen in der Ukraine stellen einen Bruch des Völkerrechts dar. Es werden unschuldige Frauen, Männer und Kinder in Gefahr gebracht, die bereits seit Jahren unter der angespannten Lage leiden und die nun direkt oder indirekt durch den Krieg bedroht werden. Der Schutz der Zivilbevölkerung hat oberste Priorität.
Aktion gegen den Hunger zeigt volle Solidarität mit den unmittelbar von den Kriegshandlungen Betroffenen und mit allen Menschen, die unter den Auswirkungen von Kriegen leiden. Wir fordern eine Rückkehr zur Diplomatie, um unschuldige Menschenleben zu retten. Wir stehen zusammen für ein geeintes Europa und eine Welt ohne Hunger!
Lassen Sie uns keine Zeit verlieren und helfen Sie gemeinsam mit uns! Jeder Betrag hilft!