Kinder im Jemen

Jemen: US-Regierung setzt Huthi-Rebellen auf die Terrorliste

Katastrophale Folgen für die humanitäre Situation befürchtet

Aktion gegen den Hunger ist besorgt über die humanitären Folgen der Einstufung der Huthi-Rebellen im Jemen als ausländische Terrororganisation durch die abgewählte US-Regierung. Diese Entscheidung verschärft die bereits prekäre humanitäre Situation und wird dramatische Folgen für die Menschen vor Ort haben. Bereits jetzt herrscht im Jemen die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt. Das Land steht kurz vor einer Hungersnot. 

Appell an US-Regierung: Sofortige Rücknahme der Entscheidung

„Wir appellieren an den designierten Präsidenten Joe Biden und die neue US-Regierung, diese Einstufung unverzüglich nach Amtsantritt wieder rückgängig zu machen. Zudem fordern wir den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und die Europäische Union dazu auf, sofort mit den USA über die Rücknahme dieser Entscheidung zu verhandeln“, erklärt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. „Die Terror-Einstufung käme einer kollektiven Bestrafung der jemenitischen Bevölkerung gleich, die durch den Konflikt an Hunger leidet. Sie ist ein Verstoß gegen die Resolution 2417 des UN-Sicherheitsrates, die das Aushungern der Zivilbevölkerung als Kriegswaffe verurteilt“, so Friedrich-Rust. 

Für den Fall, dass die Terror-Einstufung der Huthi-Rebellen nicht revidiert wird, müssen die USA humanitären Hilfsorganisationen und ihren Partnern Ausnahmen gewähren, die sie vor möglichen Sanktionen und Strafverfolgung schützen. Die Ausnahmeregelungen müssen auch die Einfuhr von lebenswichtigen Gütern wie Lebensmitteln, Medikamenten oder Treibstoff sichern. Doch selbst diese Maßnahmen würden die humanitären Auswirkungen der Einstufung nur geringfügig abmildern.

Hungersnot droht: Schon jetzt brauchen 24 Millionen Menschen humanitäre Hilfe

Die Huthi-Rebellen kontrollieren den Norden des Landes, wo 70 Prozent der Jemeniten und Jemenitinnen leben. Die Terror-Einstufung wird dramatische Folgen für die Menschen vor Ort haben: Humanitäre Organisationen wie Aktion gegen den Hunger werden dadurch massiv in ihrer Arbeit, lebensrettende Hilfe zu leisten, eingeschränkt. 24 Millionen Menschen sind schon jetzt auf humanitäre Hilfe angewiesen. Eine Hungersnot rückt immer näher. 
 
„Zu viele Kinder sind bereits aufgrund dieses Konflikts und seiner direkten und indirekten Folgen wie dem fehlenden Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung gestorben. Viele weitere könnten jetzt ums Leben kommen“, sagt Jon Cunliffe, Regionaldirektor von Aktion gegen den Hunger im Nahen Osten. „Im Jemen klafft bereits jetzt eine große Lücke in der Finanzierung der humanitären Hilfe. Wir befürchten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 die für humanitäre Einsätze zugesagten Mittel weiter reduzieren werden. Eine Einstufung als ausländische Terrororganisation würde noch mehr humanitäre Akteure dazu zwingen, ihre Büros im Norden zu schließen“, so Cunliffe. 

Massive Einschränkungen für humanitäre Organisationen zu erwarten

Die Einstufung wird zu schwerwiegenden finanziellen, rechtlichen und bürokratischen Einschränkungen führen. Viele wichtige Unternehmen, Institutionen und humanitäre Akteure werden sich aus dem Jemen zurückziehen müssen. Die ohnehin schon katastrophale jemenitische Wirtschaft wird noch tiefer in die Krise stürzen und Hunderttausende weitere Menschen in Armut und Hunger treiben.  
 
Aktion gegen den Hunger führt seit 2012 Hilfsmaßnahmen in den am stärksten betroffenen Gebieten wie Hodeidah, Abyan, Lahj und Taiz durch. Mehr als jedes fünfte Kind leidet dort an akuter Mangelernährung. Hier haben unsere Teams in den letzten sechs Monaten 41 Prozent mehr akut mangelernährte Kinder mit lebensrettenden Medikamenten versorgt – ein deutliches Zeichen für die wachsende Not.

Hinweis an die Redaktionen: Jon Cunliffe, Regionaldirektor von Aktion gegen den Hunger im Nahen Osten, steht für Interviews zur Verfügung. 

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Vassilios Saroglou
12. JANUAR 2021
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