Gemeindehelferin von Aktion gegen den Hunger in Bangladesch

Eine humanitäre Helferin erzählt: „Ich werde nicht aufhören zu kämpfen!“

Mein Name ist Abeda Sultana Liza*, ich bin 30 Jahre alt und arbeite als humanitäre Helferin für Aktion gegen den Hunger. Hier erzähle ich, wie ich in der Corona-Krise jeden Tag an vorderster Front im Einsatz bin.

Als der erste COVID-19-Fall im weltweit größten Geflüchtetencamp in Cox’s Bazar in Bangladesch bestätigt wurde, erließ die Regierung mehrere Beschränkungen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Von da an stand die Welt still. Straßen und Gebäude leerten sich schlagartig, Märkte und Restaurants wurden geschlossen, und die Büros – einst Bienenstöcke der Industrie – verstummten, als sämtliches Personal begann von zu Hause aus zu arbeiten. Doch nicht alle haben die Möglichkeit, drinnen zu bleiben, um sich und ihre Familien zu schützen – vor einer Krankheit, über die wir noch viel lernen müssen. Ich gehöre dazu.

Die weltweit grassierende Corona-Pandemie hat zu tiefgreifenden Veränderungen im Alltag von Millionen von Menschen in Bangladesch geführt. Sie hat alles zerstört, was wir bisher hatten.
Abeda Sultana Liza, humanitäre Helferin in Cox's Bazar
Abeda Sultana Liza, humanitäre Helferin in Cox's Bazar

Ich bin eine Kämpferin in einer Armee von engagierten humanitären Helfer*innen

Als humanitäre Gemeindehelfer*innen wagen wir uns raus und stehen der Gemeinschaft bei. Im täglichen Kampf gegen das Virus wache ich früh morgens auf, um alles für den Tag vorzubereiten, mein Motorrad zu desinfizieren und einen morgendlichen Tee mit meiner Familie zu trinken. Ich verbringe meinen Tag mit den anderen fünf Gemeindehelfer*innen. Zusammen koordinieren wir Geldprogramme für Familien ohne Einkommen wie „Cash for Work oder „Unconditional Cash Grants“ und organisieren Treffen mit öffentlichen Vertreter*innen und Entscheidungsträger*innen der Gegend.  Wir haben täglich mit Hunderten von verschiedenen Menschen an unterschiedlichen Orten zu tun. Wir wissen nicht, wer krank ist und wer nicht, aber achten stets auf sicheren Abstand, saubere Hände, desinfizierte Ausrüstung und ein aufmunterndes Lächeln. Das ist uns sehr wichtig.

Gemeindehelferin Abeda Sultana Liza auf ihrem Motorrad
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Humanitäre Helferin Abeda Sultana Liza auf ihrem Motorrad, mit dem sie von Ort zu Ort fährt, um Betroffenen zu helfen. 

Ich benutze mein Motorrad, um zu den einzelnen Orten zu gelangen. Ich spreche mit Menschen, die Teil der „Cash for Work“-Aktivitäten sind oder Geldzuschüsse erhalten und erkläre ihnen, wie alles funktioniert. Das Einkommen hilft den Gemeindemitgliedern, ihre Familien zu ernähren oder anderweitig zu unterstützen. Einige kaufen von dem Geld dringend benötigte Lebensmittel, andere lebenswichtige Medikamente, während wiederum andere es für die Ausbildung ihrer Kinder verwenden. Ich glaube, dass dieses Geld den Familien, die in schwierigen Situationen leben und deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, Glück bringt.

Alle haben das Recht, gleich behandelt zu werden und die gleiche Unterstützung zu erhalten, unabhängig von Alter, Wohnort oder sozialer Situation.
Abeda Sultana Liza

Ich hätte niemals gedacht, dass uns so etwas wie die Corona-Pandemie je passieren würde. Es ist schwer und alle sind angespannt, aber zum Glück sind wir ein Team, das aufeinander aufpasst, sodass wir unsere Gemeinschaft bestmöglich unterstützen können. Was wir jedoch vermissen, sind einfache Dinge wie beispielsweise persönliche Gespräche mit Kolleg*innen, während wir unseren morgendlichen Kaffee trinken, das Lächeln der Menschen, wenn wir ihnen geholfen haben, den Nachmittagstee mit Freund*innen auf dem Markt oder das Abendessen mit der Familie nach einem anstrengenden Tag.

Durch die COVID-19-Pandemie sind unsere Arbeitstage viel länger. Dennoch geben wir jeden Tag unser Bestes, damit wir uns um die Menschen kümmern können, die dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Alle wachsen über sich hinaus, was sehr herzerwärmend ist. Die Müdigkeit nimmt ab, wenn man sieht, wie alle gemeinsam die Last schultern und versuchen, die Pandemie zu bekämpfen.

Wie ich in der Corona-Zeit meinen Feierabend verbringen muss

Da ich die Einzige bin, die für die Arbeit nach draußen gehen muss, ziehe ich meine gesamte Arbeitsausrüstung und meine Schuhe noch vor dem Betreten des Hauses aus. Dann dusche ich, bevor ich meiner Familie näher komme. Meine gesamte Arbeitskleidung wird in eine Tasche gesteckt und separat gewaschen. Manchmal komme ich sehr spät nach Hause, aber in jedem Fall, versuche ich so wenig, wie es nur geht, mit meiner Familie zu interagieren.

In Zeiten von COVID-19 hat mein Berufsleben mein privates Leben überlagert. Durch die Ausgangssperren hat sich alles völlig verändert und die Angst hat die Oberhand gewonnen. Aber ich habe auch Hoffnung, weil um mich herum viel Gutes passiert. Die Hoffnung gibt mir Kraft für meine tägliche Arbeit. Sie ist es, die mich mit einem Lächeln in den Tag starten lässt – mit dem Wissen, dass ich den Menschen in dieser schwierigen Zeit helfe, ein besseres Leben zu führen.

Das Erste, was ich tun werde, wenn alles ein Ende hat, ist, meine Familie, mein Team und alle Menschen, die mir wichtig sind, in den Arm zu nehmen. Mein Kampf gegen COVID-19 ist nicht mein einziger: Ich kämpfe auch gegen Hunger, Armut, Ungleichheit, Diskriminierung und die globale Erderwärmung, und ich möchte, dass alle ein besseres Leben führen können. Ich werde nicht aufhören dafür zu kämpfen!

*Abeda Sultana Liza leitet das Food-for-Peace-Programm von Aktion gegen den Hunger in Cox’s Bazar in Bangladesch. Das Programm wird von USAID finanziert und von Aktion gegen den Hunger zusammen mit den Organisationen Helen Keller International und Shusilan durchgeführt.

Unterstützen sie den Kampf von humanitären Helfer*innen wie Abeda Sultana Liza!
17. AUGUST 2020
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