Frauen arbeiten auf einem Feld

Madagaskar: Klimakrise ist Alltag

Klimaereignisse bedrohen Versorgung 

Afrika ist der Kontinent, der den niedrigsten CO2-Ausstoß pro Einwohner hat. Doch im gleichen Zuge auch der Kontinent, welcher zuerst unter den Auswirkungen des Klimawandels leidet. Ökosysteme werden zerstört und die Ernte beeinträchtigt. Mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft und alle, deren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft abhängig ist. Weltweit sind die Länder am stärksten von Hunger betroffen, die am meisten unter extremen Klimaphänomenen leiden.

In Madagaskar sind die Auswirkungen bereits besorgniserregend. Die wiederholten extremen Klimaereignisse der letzten Jahre bedrohen mehr und mehr die Versorgung des Landes mit Wasser und Lebensmitteln. Durch die steigenden Anzahl der Menschen die Hunger leiden, steigt auch die Belastung für das Gesundheitsystem. Madagaskar gehört aktuell zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern. Immer längere und häufigere Dürreperioden und eine stetig zunehmende Anzahl an Stürmen, Hitzewellen und Überschwemmungen sind alarmierenden Auswirkungen des sich drastisch veränderten Klimas.

In Grand Sud, einer Region im Süden der Insel, haben diese Schwankungen besonders gravierende Auswirkungen. Aktuell sind über eine Million Menschen akut von Hunger bedroht. Weitere 1,3 Millionen könnten im Laufe des Jahres dazu kommen.

Jetzt spenden

Den Betroffenen eine Stimme geben

Aktion gegen den Hunger ist seit 2011 in Madagaskar tätig und behandelt Mangelernährung bei Kindern und schult Menschen in dem Klimawandel angepassten Methoden. Wir erleben die Veränderungen vor Ort mit und schlagen deshalb Alarm!

Tamasoa ist Gemeindebeauftragter von Aktion gegen den Hunger in Ambondro. Seine Aufgabe ist es, mit den Menschen zu sprechen und ihre Bedürfnisse und Lebenssituation in die Projekte einfließen zu lassen.

Im Moment leiden die Frauen, Männer und Kinder unter Hunger, verursacht durch Dürre und Trinkwassermangel. Das ist schon lange der Fall, doch durch die Sandstürme wird es immer schlimmer. Die Gemeinde hier lebt von der Landwirtschaft. Aber wenn man sich die Felder anschaut, wird es keine Ernte geben. Das lässt wenig auf die Zukunft hoffen. Wenn die Ernte dieses und nächstes Jahr gut ausfallen würde, gäbe es Hoffnung. Aber das ist im Moment schwer vorstellbar.

Tamasoa
Tamasoa

Rengimana, stellverstretender Dorfvorsteher des Dorfes Fokotany und Sprecher der Gemeinde bestätigt das:

„Mangelernährung in Fokotany ist auf den Mangel an Regen und Nahrung zurückzuführen. Die Situation ist schwierig, denn wir haben seit 2020 nur drei Tage Regen gehabt. Nur drei Tage! Viele Meschen hier leben von der Landwirtschaft, aber sie können im Moment nichts anbauen. Wir wissen nicht, was die Ursache für die Veränderung ist."

Jetzt helfen

Den Menschen zuhören

Vorisoa ist Bauer und Vater von sechs Kindern. Die veränderten klimatischen Bedingungen haben auch Einfluss auf seinen Alltag. Die Lebensgrundlage seiner Familie ist bedroht:

„Wir kennen das Wetter in Androy, aber in den letzten Jahren ist es unerträglich geworden. Sandstürme gab es auch schon immer, aber seit 2016 sind sie viel schlimmer. Unser fruchtbarer Boden kann wegen des Sandes keine Früchte mehr tragen. Wir konnten diesmal nichts für die nächste Saison ernten. Wir haben keine Hoffnung für das nächste Jahr, denn die Ernte von heute sollte eigentlich für die nächste Saison verwendet werden.“

Wenn die Bäuer*innen nicht mehr produzieren können, haben sie kein Obst und Gemüse für den Verkauf übrig. Ihre Einkommensquelle versiegt und sie können keine anderen dringend benötigten Lebensmittel erwerben. Ein Teufelskreis für Familien, die sowieso schon von Armut gefährdet waren.

Vorisoa mit seinem Sohn.
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Vorisoa mit einem seiner Kinder.

Die alleinerziehende Mutter Tsiharatie sagt das gleiche wie Vorisoa.

„Wir haben wegen der Dürre nichts zu essen. Wir leben in Armut. Heute habe ich getrocknete Tamarinde verarbeitet. Man reibt die Wurzel so lange, bis es eine klebrige Paste ist. Dann fügt man Asche hinzu und kocht es. Meine Kinder und ich werden das heute Abend essen. Es ist überhaupt nicht gesund, aber wenigstens haben wir etwas Warmes im Bauch. Wenn wir nach zwei, drei Tagen keine Bauchschmerzen haben, machen wir es wieder. Das kann uns krank machen, aber wir haben keine Wahl. Ich kann kein Geld leihen oder einen Kredit aufnehmen, denn ich habe nichts, um es zurückzuzahlen.“

In den letzten Jahren haben die ausgebliebenen Regenfälle und die zunehmende Zahl an Klimaextremen die Lebensbedingungen der Menschen im Süden Madagaskars stark beeinträchtigt. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Madagaskar: Wie wir helfen

Wir haben unsere Hilfen in 2020 noch einmal stark ausgeweitet. 25 mobile Teams sind in neun Distrikten Grand Suds im Einsatz, um auch abgelegene Dörfer zu erreichen. In den mobilen Kliniken behandeln sie vor Ort die schwersten Formen von akuter Unterernährung. Sie betreuen vor allem Gemeinden, die weit entfernt von Gesundheitszentren sind. Die Mitarbeitenden testen alle Kinder zwischen 6 und 59 Monaten. Bei Komplikationen werden die Patient*innen in Krankenhäuser überwiesen, die auch von Aktion gegen den Hunger unterstützt werden. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und unseren Partner*innen in der Region.

Darüber hinaus liegt unser Fokus darauf, den Menschen innovative Methoden der Landwirtschaft näher zu bringen. Die Lebensmittelpreise sind im Vergleich zum Vorjahr um ca. 30 Prozent gestiegen. Viele Familien können sich grundlegende Nahrungsmittel nicht mehr leisten! Wir helfen ihnen dabei, den veränderten klimatischen Bedingungen Widerstand zu leisten: So können sie sich selbst mit Lebensmitteln versorgen und ein Einkommen durch den Verkauf generieren.

Wir kämpfen jeden Tag dafür, unsere Vision einer Welt ohne Hunger Wirklichkeit werden zu lassen!

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7. OKTOBER 2021
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