Mütter mit Babys stillen vor der Nestlé-Zentrale in Frankfurt am Main, im Hintergrund halten Aktivist*innen von Aktion gegen den Hunger ein Banner: Nestlé: Stopp deine Werbung für Babymilch!

Nestlé: Stopp deine Werbung für Babymilch!

600.000 Babys sterben jedes Jahr, weil sie nicht gestillt werden. Große Schuld daran tragen Großkonzerne wie Nestlé: Mit verantwortungsloser Werbung für Pre-Milch suggerieren sie Eltern weltweit, dass ihre Produkte besonders gesundheits- und immunfördernd sind und verunsichern sie so hinsichtlich der besten Ernährung für ihr Kind. Ein Kodex der Weltgesundheitsorganisation verbietet Werbung für künstliche Babymilch, um die Gesundheit von Kindern zu schützen. Mit unserer Kampagne „Nestle: Stopp deine Werbung für Babymilch! Dein Produkt, deine Verantwortung!“ fordern wir von Marktführer Nestlé, sich an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation zu halten! 

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Gerade in Ländern mit schlechter Frischwasserversorgung kann künstliche Babymilch zum gefährlichen Problem werden. Warum? Das erklären wir hier: 

Keine Werbung für Babymilch: Alle Infos zur Kampagne

Die wichtigsten Fragen zu:

  1. Künstliche Pre-Milch & Hygiene 
  2. Muttermilch & Stillen 
  3. Weltgesundheitsorganisation & Milchkodex 
  4. Unsere Kritik an Nestlé-Werbung 
  5. Wie hilft Aktion gegen den Hunger 

Hier geht's zu unserer Broschüre: Dein Produkt, deine Verantwortung

1. Künstliche Pre-Milch & Hygiene

Warum sterben Babys im Zusammenhang mit künstlicher Babymilch? 

Studien zufolge sterben jedes Jahr rund 600.000 Kinder weltweit, weil sie nicht gemäß den Empfehlungen der WHO gestillt werden [1]. In vielen Regionen im Globalen Süden haben die Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Bekommen die Babys dort künstliche Pre-Milch, kann das tödliche Folgen haben. Denn wenn das Milchpulver mit verunreinigtem Wasser angerührt wird, kann das zu vermeidbaren Durchfallerkrankungen bei Kindern führen. Durchfallerkrankungen sind die zweithäufigste infektiöse Todesursache von Kleinkindern weltweit [2]. Außerdem stärkt Muttermilch das Immunsystem: Nicht ausschließlich gestillte Säuglinge sind anfälliger für lebensgefährliche Krankheiten wie Lungenentzündungen [3]. Hinzu kommt, dass die künstliche Flaschennahrung eine finanzielle Belastung für die oft einkommensschwachen Haushalte darstellt – dadurch verwenden Eltern weniger Milchpulver, um Geld zu sparen oder kaufen weniger Essen für den Rest der Familie. Das führt zu Mangelernährung, auch bei älteren Kindern. 

[1] The cost of not breastfeeding: global results from a new tool, Health Policy Plan, 2019 

[2] Pneumonia and Diarrhea Progress Report 2020

[3] BMC Public Health: Effect of exclusive breastfeeding on selected adverse health and nutritional outcomes: a nationally representative study, 2017 

Was passiert, wenn Babymilch falsch zubereitet wird? 

„Achten Sie auf keimfreie Zubereitung“ – warnt Nestlé auf seinen Verpackungen von Pre-Milch. Da Säuglinge sehr empfindlich auf Bakterien und Keime reagieren, müssen die Sauger und Fläschchen vor jeder Verwendung desinfiziert werden und es darf nur sauberes und vorher abgekochtes Leitungswasser verwendet werden. Das Problem daran: Weltweit haben über zwei Millionen Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser [4]. Für diese Menschen ist es nicht immer möglich, Flaschennahrung für Babys hygienisch und sicher zuzubereiten. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass Säuglinge Krankheiten bekommen und im schlimmsten Fall sogar sterben. Trotz dieses Risikos machen Großkonzerne wie Nestlé auf der ganzen Welt Werbung für künstliche Babymilch. 

[4] UNICEF 

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2. Muttermilch & Stillen

Warum ist Muttermilch die sicherste Nahrung für Babys? 

Muttermilch ist die gesündeste und sicherste Nahrung für Säuglinge. Sie ist immer verfügbar, keim- und bakterienfrei, kostet nichts und hat immer genau die richtige Temperatur. Sie liefert den Kindern wichtige Nährstoffe, Spurenelemente und Vitamine – deren komplexe Zusammensetzung passt sich über die Monate sogar individuell an die Bedarfe des Babys an! Außerdem stärkt Muttermilch das Immunsystem der Kleinen: Die Mütter geben ihren Kindern Antikörper gegen Krankheiten weiter, die sie vor Infektionen schützen. Darüber hinaus ist Stillen auch für die Mütter gesünder, das Risiko für Diabetes, Herzkrankheiten und bestimmte Krebsarten wird durch das Stillen nachweislich gesenkt [5].  Zudem stärkt das Stillen die Mutter-Kind-Bindung, eine wichtige emotionale Basis für das ganze Leben. Daher empfiehlt die WHO das ausschließliche Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten und ergänzendes Stillen bis mindestens zum vollendeten zweiten Lebensjahr. 

[5] Nationale Stillstrategie 2021 

Schreibt Aktion gegen den Hunger Frauen vor, wie sie ihre Kinder ernähren sollen?

Nein. Jede Frau muss das Recht haben, frei zu entscheiden, ob und wie lange sie ihr Kind stillen möchte. Mit unserer Kampagne prangern wir lediglich an, dass das verantwortungslose Marketing für Babymilch jedes Jahr die Entscheidung von Millionen von Eltern beeinflusst. Irreführende Werbung für künstliche Flaschennahrung führt dazu, dass Mütter ohne unabhängige und unvoreingenommene Informationen das besonders gesundheitsfördernde Stillen grundlos einschränken oder ganz aufgeben. 

Sollten am besten alle Frauen stillen? 

Es gibt viele Gründe, warum künstliche Flaschennahrung ihre Berechtigung hat – sei es aus medizinischer Sicht, sei es, weil Frauen schnell in den Beruf zurückkehren wollen oder müssen. Eltern sollten die freie Wahl haben, wie sie ihr Kind ernähren möchten. Uns geht es vielmehr darum, Stillbarrieren abzubauen. Vielen Müttern sind die positiven Effekte des Stillens nicht bekannt, weil ihnen diese Informationen vorenthalten werden. 

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3. Weltgesundheitsorganisation & Milchkodex 

Was sind die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)? 

Weltweit werden fast zwei von drei Säuglingen unter sechs Monaten nicht voll gestillt [6]! Dabei spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klare Empfehlungen aus: Babys sollen in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt werden, also nur Muttermilch und kein anderes Essen und Trinken bekommen. Nach der Beikosteinführung sollen Kleinkinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr ergänzend weiter gestillt werden. Auch zu Beginn der Corona-Pandemie hat die WHO klargestellt, dass diese Empfehlungen auch in der Pandemie weiterhin gelten. Damit reagierte sie auf Ängste und Sorgen vieler Mütter, ihre Kinder beim Stillen mit einer COVID-19-Infektion anzustecken. Auch wenn die Mutter Corona-positiv ist, überwiegen die Vorteile des Stillens [7]. 

[6] La Leche League 

[7] WHO 

Was genau besagt der Milchkodex der Weltgesundheitsorganisation? 

Seit 1981 gilt der Internationale Kodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – kurz Milchkodex, der Werbeaktivitäten für Babymilchpulver und andere sogenannten Muttermilchersatzprodukte weltweit einschränkt und stark reguliert. Künstliche Flaschennahrung sollte natürlich für alle Eltern zugänglich sein, die darauf angewiesen sind. Aber keinesfalls sollten durch aggressives Marketing Mütter davon abgehalten werden zu stillen! Daher verbietet der Milchkodex Werbung für alle Muttermilchersatzprodukte für Kleinkinder bis zu 3 Jahren. Außerdem dürfen Hersteller keine Geschenke an Gesundheitspersonal machen, keine Gratisproben an Eltern verteilen oder falsche Gesundheitsversprechungen (wie „stärkt das Immunsystem Ihrer Kleinen!“) zu ihren Produkten kommunizieren [8]. Obwohl der Milchkodex nun schon über 40 Jahre gilt, halten sich Unternehmen wie Nestlé immer noch nicht vollständig daran und bewerben ihre Säuglingsnahrung auf der ganzen Welt. 

[8] International Code of Marketing of Breast-Milk Substitutes, 1981 

Ist der WHO-Milchkodex rechtsverbindlich? 

Der Milchkodex gibt weltweite Regelungen vor – damit Verstöße von Unternehmen jedoch überwacht und juristisch geahndet werden können, müssen diese in nationale Gesetzgebungen überführt werden. Auch nach über 40 Jahren ist der Milchkodex leider erst in wenigen Ländern in verbindliche Gesetze eingeflossen. Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge haben nur 32 von 194 Ländern den Kodex im Wesentlichen in ihre nationalen Gesetzgebungen überführt [9]. Ungefähr ein Viertel der Länder haben gar keine Gesetze in dem Bereich. Auch Deutschland hat die Regelungen des Milchkodex noch nicht vollständig in deutsches Recht überführt! Insgesamt ist aber positiv zu vermerken: In den letzten fünf Jahren haben 26 Länder ihre Gesetzgebung gegen Werbung für künstliche Flaschennahrung verschärft. 

[9] Marketing of breast milk substitutes: national implementation of the international code, Status report 2022 

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4. Unsere Kritik an Nestlé-Werbung

Was ist so schlimm an Werbung für Babymilch? 

Künstliche Flaschennahrung ist ein medizinisches Produkt, das nur nach einer professionellen Beratung zum Einsatz kommen sollte. Wenn eine Mutter nicht stillen will oder kann, ist Babymilchpulver eine sinnvolle und überlebenswichtige Alternative. Keinesfalls jedoch darf Pre-Milch als bessere oder gesündere Alternative zum Stillen vermarktet werden! Dadurch werden Millionen Frauen weltweit verunsichert und vom Stillen abgehalten – und bis zu 600.000 Babys sterben jährlich. Daher fordern wir, dass Nestlé sich endlich an den Milchkodex der Weltgesundheitsorganisation hält und seine Werbung für künstliche Babymilch auf der ganzen Welt stoppt! 

Macht Nestlé Gewinne auf Kosten von kleinen Babys?  

Die weltweite Branche für künstliche Flaschennahrung ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Allein zwischen 2005 und 2019 haben sich die weltweiten Verkäufe von künstlicher Flaschennahrung mehr als verdoppelt: Sie sind von 1 auf 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr gestiegen! [10] Die neun größten Unternehmen für Babynahrung (Nestlé, Danone, Kraft Heinz, Reckitt, Abbott, Friesland Campina, Feihe, Mengniu und Yili) haben 2019 insgesamt Umsätze von schätzungsweise 38 Milliarden US-Dollar mit Pre-Milch und anderen Muttermilchersatzprodukten generiert [11]. Insgesamt ist die Babymilch-Branche 55 Milliarden US-Dollar wert [12]. Der Lebensmittelkonzern Nestlé als einer der globalen Marktführer profitiert davon, dass immer mehr Babymilchpulver konsumiert wird. Durch seine weltweiten Werbekampagnen für Babymilch kann Nestlé stetig mehr Kund*innen gewinnen und seine Gewinne laufend steigern. 

[10] Euromonitor International. Passport global market information database London. 2021 

[11] Access To Nutrition Initiative: BMS/CF Marketing Index 2021 

[12] UNICEF/WHO: How the Marketing of Formula Milk influences our Decisions on Infant Feeding, 2022 

Was bringt meine Unterschrift? 

Mit deiner Unterschrift erhöhst du den Druck auf Nestlé, den Milchkodex nach über 40 Jahren endlich umzusetzen und seine Werbung für künstliche Babymilch endlich weltweit zu stoppen. Der multinationale Lebensmittelkonzern hat immer wieder versprochen, das Marketing für Flaschennahrung einzustellen – doch bisher wurden nur kleine Schritte in die richtige Richtung gemacht. Jetzt muss der Konzern sich endlich bewegen! Erzähl deswegen auch deinen Freund*innen von der Petition und bitte sie zu unterzeichnen – denn je mehr Menschen die Petition unterzeichnen, desto mehr Gewicht hat unsere Forderung! 

Ich möchte darüber hinaus helfen. Was kann ich tun? 

Während Food-Giganten wie Nestlé sich nach über 40 Jahren immer noch nicht an den Milchkodex halten, leiden hunderttausende Babys weltweit an den Folgen verunreinigter Flaschennahrung. Mit unseren Hilfsprogrammen in über 50 Ländern behandeln wir Kinder, die an Mangelernährung leiden und unterstützen Familien mit Ernährungs- und Stillberatung. Um auch weiterhin vor Ort Hilfe leisten zu können, sind wir dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Hilf uns dabei, Kindern, Frauen und Männern weltweit in Notsituationen zur Seite zu stehen und uns gegen den Hunger einzusetzen – mit deiner Online-Spende!

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5. Wie hilft Aktion gegen den Hunger 

Wie helfen wir vor Ort? 

Mit Hilfsprogrammen, die sich explizit an schwangere und stillende Mütter sowie kleine Kinder richten, setzt sich Aktion gegen den Hunger weltweit dafür ein, das Stillen von Säuglingen zu fördern, Stillbarrieren abzubauen und Mangelernährung bei kleinen Kindern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. 

So helfen wir vor Ort: 

  • Aufklärungsarbeit über die gesundheitlichen Vorteile des Stillens und Stillberatung 

  • Medizinische und psychosoziale Begleitung von schwangeren und stillenden Frauen 

  • Beratung über die richtige Ernährung von Babys und Kleinkindern sowie Hygienepraktiken 

  • Diagnose und Behandlung von Mangelernährung bei Kindern bis zu fünf Jahren 

  • Schulung von Gemeindemitgliedern beim Erkennen und Behandeln von Mangelernährung 

  • Unterstützung von Still- und Müttergruppen 

  • Einrichtung von Stillräumen und kinderfreundlichen Räumen in Krankenhäusern und Geflüchetenlagern 

Wie nehmen wir Einfluss auf Gesetzgebungen und die Umsetzung des Milchkodex? 

Wir engagieren uns mit Kampagnen, um die Politik, die Unternehmen und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und auf eine vollständige Umsetzung des Milchkodex hinzuwirken. 

  • In unseren Projektländern machen wir politische Lobbyarbeit: Zuletzt wurden beispielsweise in Liberia, Kamerun, Burkina Faso und dem Tschad die Gesetze zum Marketing für künstliche Babymilch verschärft. 

  • Wir beteiligen uns an großangelegten Still- und Aufklärungskampagnen der Weltgesundheitsorganisation, UNICEF und anderen Organisationen, um auf die gesundheitlichen Vorteile des Stillens für Mutter und Kind aufmerksam zu machen. 

  • Wir unterstützen die Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“, die weltweit Still- und Mütter-freundliche Praktiken in Geburtsstationen fördert. 

  • Mit unserer Kampagne „Nestlé: Stopp deine Werbung für Babymilch“ setzen wir einen der globalen Marktführer für künstliche Flaschennahrung öffentlich unter Druck und fordern eine sofortige Umsetzung des WHO-Milchkodex. Unterschreibe auch du! 

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Titelbild Kampagnenbroschüre "Nestlé: Stopp deine Werbung für künstliche Babymilch!

Broschüre: Dein Produkt, deine Verantwortung

agdh_broschuere_bms.pdf
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12. OKTOBER 2022
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