Familie in Äthiopien läuft vor einer Einrichtung von Aktion gegen den Hunger.

Flucht und Vertreibung: Zahlen & Fakten

Zahl der Flüchtenden zum ersten Mal seit 10 Jahren gesunken

Im Jahr 2025 ist die Zahl der gewaltsam Vertriebenen weltweit um 5,4 Millionen Menschen bzw. 4 Prozent auf 117,8 Millionen zurückgegangen. Es ist das erste Mal seit zehn Jahren, dass die globale Zahl sinkt. Diese Entwicklung spiegelt die Rückkehr vieler Geflüchteter und Binnenvertriebener aus einigen der größten Vertreibungssituationen wider, darunter Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, der Sudan und Syrien. Viele dieser Rückkehrer kehrten jedoch unter widrigen Umständen in fragile Kontexte zurück, in denen die Bedingungen für die Wiedereingliederung nach wie vor äußerst schwierig sind. Insbesondere Gewalt und anhaltende Konflikte sind Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen, aber auch die immer häufigeren Folgen der Klimakrise. Ende 2025 ist weltweit jeder 70. Mensch von gewaltsamer Vertreibung betroffen.

Menschen weltweit auf der Flucht:

flucht-grafik-4_0 (1)

68,7 Millionen Binnenvertriebene

Globus

41,6 Millionen Geflüchtete

flucht-grafik-1_0

9 Millionen Asylgesuche

Wer ist ein Flüchtling?

Im umgangssprachlichen, alltäglichen Sprachgebrauch werden alle Menschen, die aus Not geflüchtet sind, als Flüchtling, heute häufig korrekter auch als Geflüchtete*r oder Flüchtende*r bezeichnet. Das betrifft Kriegsflüchtende ebenso wie Klima-, Umwelt- und Wirtschaftsflüchtlinge sowie Menschen, die in ihrem eigenen Land auf der Flucht sind.

Rechtlich ist der Begriff enger gefasst. So ist laut Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention ein Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will […]” (Genfer Flüchtlingskonvention 1951).

Um die Lücken der Genfer Konvention zu schließen, entschlossen sich die europäischen Gesetzgeber, den Schutz auf Menschen auszuweiten, die vor Folter, Todesstrafe oder Lebensgefahr in Kriegs- und Krisengebieten fliehen, da ihnen dort eine ernsthafte Gefahr droht. Es handelt sich dabei um subsidiär Schutzberechtigte.

Was ist der Unterschied zwischen Flüchtenden und Migrant*innen?

Migrant*innen verlassen ihre Heimat mehr oder weniger freiwillig, um ihre derzeitigen Lebensbedingungen zu verbessern. Sollte die Person zurückkehren, genießt er oder sie weiterhin den Schutz der Regierung. Flüchtlinge oder Flüchtende hingegen sind zur Flucht gezwungen und können unter den bestehenden Umständen nicht in ihr Heimatland zurückkehren.

Was sind Binnenvertriebene?

Binnenvertriebene (IDPs: Internally Displaced Persons) sind im eigenen Land auf der Flucht vor Krieg, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen. Sie werden rechtlich nicht als Flüchtlinge eingestuft, da sie keine international anerkannte Grenze überquert haben. Für den Schutz von Binnenvertriebenen sind die jeweiligen Staaten selbst verantwortlich. Oftmals kommen sie dieser Aufgabe jedoch nicht nach. Internationale Unterstützung erhalten Binnenvertriebene nur, wenn die jeweilige Regierung zustimmt und Hilfe zulässt.

Flucht heißt, auf Hilfe angewiesen zu sein. Unterstützen Sie mit uns Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht — jetzt mit Ihrer Spende!

JA, ich möchte helfen!

Geschwister aus Syrien halten sich an der Hand

Fluchtursachen: Warum fliehen Menschen?

Niemand flieht leichtfertig oder grundlos. Meist ist es die pure Verzweiflung, die Menschen dazu zwingt, ihre Freunde, ihr Zuhause, all ihr Hab und Gut und manchmal sogar ihre Familie zurückzulassen. Die Gründe für die Flucht sind vielfältig. Häufig sind es Krieg, Gewalt, Verfolgung, Naturkatastrophen, menschenunwürdige Lebensbedingungen oder Hunger, die Menschen dazu bringen, ihre Heimat in der Hoffnung auf ein Leben ohne Angst und Not zu verlassen und ins Ungewisse aufzubrechen.

Krieg und Konflikte

Krieg ist eine zentrale Fluchtursache. Aus Angst um das eigene Leben und das Leben von Kindern und Familie fliehen die Menschen vor Gewalt, Unruhen, Terror, Zwangsrekrutierungen, Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen, um zu überleben. Maßgeblich zum Anstieg der Zahlen von Geflüchteten haben fünf Konflikte – der verheerende Bürgerkrieg im Sudan, die heftigen Kämpfe in der Demokratischen Republik Kongo und in Myanmar, die anhaltend schwere Konfliktsituation in Syrien sowie die Angriffe im Gazastreifen, wo viele palästinensische Geflüchtete in den vergangenen Monaten mehrfach fliehen mussten.

Diskriminierung und Verfolgung

Es muss nicht Krieg herrschen, damit Menschen in ihrem Land um ihr Leben bangen. Auch Diskriminierung und Verfolgung, mangelnde Bürger- und Menschenrechte, Repressionen und Zensur sind Ursachen für Flucht. So werden Menschen aufgrund ihrer Religion, ihres Aussehens, der ethnischen Zugehörigkeit, der politischen Gesinnung oder ihrer sexuellen Neigung verfolgt und sind lebensbedrohlicher Gewalt ausgesetzt. Ihre Heimat zu verlassen und in einem anderen Land nach Freiheit, Schutz und Gerechtigkeit zu suchen, ist ihre Chance auf ein Leben in Sicherheit.

Zerstörung von Infrastruktur und Lebensgrundlagen

Gewaltsame Konflikte und Kriege vernichten Infrastruktur. Durch Bomben, Minen, Explosionen und Schusswechsel werden Gebäude, Straßen, Brücken und Schulen zerstört, die Strom- und Wasserversorgung bricht zusammen, ebenso die medizinische Versorgung, wenn Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen zum Ziel werden. Hinzu kommt, dass Felder nicht mehr bestellt werden, die Ernten ausbleiben, Lebensmittel knapp werden und in Folge die Nahrungsmittelpreise in schwindelerregende Höhen steigen. Auch Umwelt- und Naturkatastrophen wie Erdbeben, Dürre oder Überschwemmungen zerstörten Infrastruktur und Lebensgrundlagen der Menschen und zwingen Menschen zur Flucht.

Klimawandel und Naturkatastrophen

Der Klimawandel erhöht die Stärke und Häufigkeit von Katastrophen wie Dürren, Taifunen und Überschwemmungen. Die damit einhergehende Zerstörung der Infrastruktur und von Lebensgrundlagen zwingt viele Menschen zur Flucht. Auch schleichende Veränderungen wie die Versalzung von Böden, Versteppung oder der Anstieg des Meeresspiegels können die Lebensgrundlage von Menschen langfristig gefährden und negative Folgen für die wirtschaftliche Situation, Gesundheit und Bildung der Menschen haben.

Hunger

Das Recht auf angemessene Ernährung ist ein fundamentales Menschenrecht und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Doch Recht und Wirklichkeit klaffen weit auseinander:  Weltweit hungern rund 673 Millionen Menschen, obwohl die derzeit produzierten Lebensmittel 12 bis 14 Milliarden Menschen satt machen könnten.

Studien belegen, dass Hunger ein Hauptgrund für die weltweiten Fluchtbewegungen ist. Trotzdem gilt er (laut Genfer Flüchtlingskonvention) nicht als anerkannter Fluchtgrund. 

In vielen Regionen ist Hunger die Folge des fortschreitenden Klimawandels oder gewaltsamer Konflikten. Den Zusammenhang zwischen Hunger und Konflikten hat der UN-Sicherheitsrat im Mai 2018 erstmals in einer Resolution verdeutlicht, in der Hunger als Methode der Kriegsführung verurteilt wurde.

Jetzt spenden

Fluchtbewegung nach Ländern

Ende 2025 waren die Geflüchtetensituationen weltweit weiterhin von regionalen Krisen geprägt:

  • Die Zahl der Menschen aus Venezuela, die internationalen Schutz benötigen, stieg auf rund 6,4 Millionen. Die große Mehrheit lebt in Lateinamerika und der Karibik, vor allem in Kolumbien, Peru, Brasilien, Chile und Ecuador.
  • Die Zahl der ukrainischen Geflüchteten nahm leicht zu und lag bei rund 5,2 Millionen. Etwa 95 Prozent von ihnen befinden sich in Europa, mit den größten Aufnahmeländern Deutschland, Polen, Tschechien, dem Vereinigten Königreich und Spanien.
  • Die Zahl der syrischen Geflüchteten sank um 18 Prozent auf rund 4,9 Millionen. Dieser Rückgang ist auf Rückkehrbewegungen zurückzuführen, während die größten Aufnahmeländer weiterhin die Türkei, Deutschland, Libanon, Jordanien und Irak sind.
  • Die Zahl der afghanischen Geflüchteten sank deutlich um 36 Prozent auf etwa 3,7 Millionen. Die meisten leben in den Nachbarländern Iran und Pakistan, die den Großteil der Aufnahme stemmen.
  • Die Zahl der sudanesischen Geflüchteten stieg auf 2,8 Millionen, ein Plus von 35 Prozent. Sie befinden sich überwiegend in angrenzenden Staaten wie Tschad, Südsudan, Libyen und Äthiopien sowie in Uganda.
  • Auch die Zahl der südsudanesischen Geflüchteten wuchs leicht auf rund 2,4 Millionen. Die meisten leben in Uganda, Sudan, Äthiopien und Kenia.
Entwicklung Flucht 2025, UNHCR

Unsere Hilfe für Menschen auf der Flucht

Flucht bedeutet, auf Unterstützung angewiesen zu sein. Darum stehen die Teams von Aktion gegen den Hunger Menschen auf der Flucht zur Seite und leisten lebensrettende Hilfe:

  • Wir verteilen Lebensmittel und Trinkwasser.
  • Wir kümmern uns um die Behandlung von akut mangelernährten Kindern.
  • Wir verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung, um dem Ausbruch von Krankheiten in Flüchtlingslagern vorzubeugen.
  • Wir helfen traumatisierten Menschen mit psychosozialer Betreuung, ihre schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.

Aktion gegen den Hunger arbeitet stetig daran, Hilfsprogramme auszuweiten. Doch für unsere weltweite Hilfe sind wir auf Unterstützung angewiesen.

Unterstützen Sie unsere weltweite Hilfe!
Mitarbeiterin von Aktion gegen den Hunger hilft Mutter und Kind in Bangladesch
17. JUNI 2026
NEWSLETTER ABONNIEREN

Abonnieren Sie jetzt unseren E-Mail-Newsletter und erhalten Sie regelmäßig und kostenlos Informationen aus erster Hand!