Männer aus Bangladesch auf einem Getreidefeld

11 Forderungen für eine Welt ohne Hunger: Positionspapier Welternährung 2030

Gemeinsam mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis haben wir das „Positionspapier Welternährung 2030“ unterzeichnet. Darin fordern wir eine grundlegende Wende in der globalen Agrar- und Ernährungspolitik. COVID-19 hat einmal mehr gezeigt, wie krisenanfällig und ungleich das globale Ernährungssystem ist. Wenn wir den globalen Hunger wirksam bekämpfen wollen, muss die Politik jetzt handeln.

11 Forderungen für eine Zukunft ohne Hunger:

  1. Das Menschenrecht auf Nahrung priorisieren

  2. Agrarökologie statt Agrobusiness durchsetzen

  3. Land fair umverteilen

  4. Saatgutvielfalt statt Gentechnik und Patente fördern

  5. Klimaschutz durch Agrarökologie vorantreiben

  6. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchsetzen

  7. Nachhaltige, lokale und regionale Ernährungssysteme entwickeln

  8. Gerechten internationalen Agrarhandel statt neoliberale Handelspolitik umsetzen

  9. Nahrungsmittelspekulation und Schuldenabhängigkeit beenden

  10. Rechte von Frauen stärken

  11. Soziale Sicherung ausbauen

SDG 2: Den Hunger bis 2030 beenden

„Zero Hunger“ – das ist das zweite der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs), auf die sich die Regierungschef*innen im Jahr 2015 mit der Agenda 2030 geeinigt haben. Dass wir es als Weltgemeinschaft schaffen, in den nächsten zehn Jahren den globalen Hunger zu besiegen, erscheint immer unrealistischer. Seit 2014 steigt die Zahl der hungernden Menschen jedes Jahr weiter an. 2019 litten 690 Millionen Menschen weltweit an Hunger, 144 Millionen Kinder waren chronisch mangelernährt. Durch die COVID-19-Pandemie könnten über 130 Millionen weitere Menschen an Hunger leiden.

Dabei gäbe es genug Lebensmittel, um alle Menschen zu ernähren. Momentan wird zum größten Teil sehr einseitig produziert: Zwei Drittel der globalen Ernte werden mit nur neun Pflanzensorten erzeugt! Mangelernährung bedeutet nicht nur, dass Menschen zu wenig zu essen haben, sondern oft auch, dass sie durch einseitige Ernährung zu wenig Nährstoffe zu sich nehmen und dadurch krank werden. Insgesamt 3 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu ausgewogener Nahrung. Das Menschenrecht auf gesunde Ernährung bleibt somit über einem Drittel der Weltbevölkerung verwehrt! Um alle Menschen ausgewogen ernähren zu können, müsste weniger Weizen und Soja im großen Stil angebaut werden, sondern mehr abwechslungsreiche und nährstoffreiche Nutzpflanzen auf lokaler Ebene.

Transnationale Agrarindustrie befördert Ungleichheit, Umweltzerstörung und Armut

Ein weiterer Grund für Hunger ist die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. Viele Menschen hungern, weil sie in Armut leben, keinen Zugang zu eigenem Land haben und ausgebeutet werden. Kleinbäuer*innen auf der ganzen Welt erzeugen einen Großteil der Nahrungsmittel und sind zugleich überproportional von Hunger betroffen.

Die zunehmende Machtkonzentration transnationaler Agrarkonzerne bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Die industrielle Landwirtschaft mit großem Pestizideinsatz befördert Umweltzerstörung, Bodenerosion und, nicht zuletzt, den Klimawandel. Lange hat die Entwicklungszusammenarbeit auf Effizienzsteigerung und den technischen Fortschritt gesetzt. Um eine wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, sollten die Erträge durch Düngemittel, Züchtung und den Ausbau der industriellen Landwirtschaft gesteigert werden. Die steigenden Hungerzahlen, die Anfälligkeiten des globalen Ernährungssystems und die Unzufriedenheit vieler Landwirt*innen weltweit zeigen, dass dieser Ansatz gescheitert ist.

Agrarökologie – sozial gerecht und ökologisch nachhaltig

Wir fordern eine radikale Wende in der globalen Nahrungsmittelproduktion. Das Konzept der Ernährungssouveränität muss dabei im Zentrum stehen. Das bedeutet, dass die Landwirt*innen selbst entscheiden, welche Pflanzen sie in den regionalen Gegebenheiten am besten anbauen und welche Methoden dafür geeignet sind. Die Produkte werden hauptsächlich in der eigenen Region konsumiert und weiterverarbeitet. Dabei sollen agrarökologische Methoden gefördert werden und auf eine ökologisch nachhaltige und klimaschonende Anbauweise geachtet werden.

16. OKTOBER 2020
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