Frauen und Männer auf einem Markt in Guatemala

COVID-19 in Guatemala: Anzahl der Hungernden verdoppelt

1,2 Millionen Menschen in Guatemala sind dringend auf Lebensmittelunterstützung angewiesen, das sind 570.000 mehr als zu Beginn des Jahres. Die COVID-19-Krise hat das zentralamerikanische Land schwer getroffen. Viele haben durch die Präventionsmaßnahmen und Ausgangsbeschränkungen ihre Existenzgrundlage verloren.

Gesundheitssystem droht Kollaps

„Das Gesundheitssystem hat sich in den letzten zwei Monaten vollständig auf die COVID-19-Prävention konzentriert. Daher wurden viele grundlegende Gesundheitsangebote für Mütter und Kinder eingeschränkt. Das ist hochgefährlich für deren Wohlergehen“, sagt Jessica Coronado Aguilar, Koordinatorin für Ernährung und Gesundheit von Aktion gegen den Hunger in Zentralamerika. Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Bereits Ende Mai wurden für das laufende Jahr mehr als 15.000 Fälle von schwerer Mangelernährung bei Kindern erfasst, das sind mehr als die gesamten Fälle im Jahr 2019.  

Bisher wurden 10.706 offizielle COVID-19-Fälle in Guatemala gemeldet. Auch wenn die Fallzahlen in Brasilien und Peru weitaus höher sind: Die Folgen der Pandemie in Ländern wie Guatemala, die kaum über eine intakte Gesundheitsinfrastruktur verfügen, könnten katastrophaler ausfallen. Zudem sind Gesundheitseinrichtungen geographisch sehr ungleich verteilt: Spezialisierte medizinische Leistungen gibt es nur in größeren Städten. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation OPS fordert dringend mehr Test- und Behandlungskapazitäten sowie eine bessere Ausstattung der Gesundheitseinrichtungen. Die Ombudsstelle für Menschenrechte in Guatemala warnt vor einem bevorstehenden Zusammenbruch der wichtigsten öffentlichen Gesundheitszentren sowie einem baldigen Engpass bei Schutzmaterial und anderen medizinischen Lieferungen.  

Mangelernährung nimmt drastisch zu

Große Teile der Bevölkerung haben in der COVID-19-Krise ihre Arbeit verloren. „Mehr als die Hälfte der guatemaltekischen Haushalte kann momentan nicht genügend Einkommen erwirtschaften. Vier von zehn Familien gehen an ihr Erspartes oder verkaufen ihre wenigen Vermögenswerte, um über die Runden zu kommen“, berichtet Angela Naletilic, stellvertretende Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger in Zentralamerika. „Besonders besorgt uns die Situation im corredor seco, einer Trockenzone, die regelmäßig von Dürren und Überschwemmungen betroffen ist. Hier steigen die Fälle von schwerer Mangelernährung bei Kindern unter 5 Jahren gerade stark an. Seit Beginn der Pandemie wurden die Hausbesuche und Beratungsangebote zu Mangelernährung stark eingeschränkt.“ 

Trotz Reisebeschränkungen und Grenzschließungen zur Eindämmung des Virus wurden in den letzten drei Monaten weiterhin guatemaltekische Migrant*innen, darunter auch Jugendliche und Kinder, an der mexikanischen und US-amerikanischen Grenze aufgegriffen und zurück deportiert. Das betrifft 7.876 Menschen, darunter auch COVID-19-Infizierte. Die Situation der abgeschobenen Migrant*innen ist zu einer humanitären Notlage geworden. Es gibt nicht genügend Unterkünfte und Versorgung, dazu kommt die Diskriminierung und Stigmatisierung durch die restliche Bevölkerung.  

Hunderttausende Arbeitsplätze sind gefährdet

Die guatemaltekische Wirtschaft steht unter großem Druck: Eine wichtige Einkommensquelle sind die regelmäßigen Rücküberweisungen von Migrant*innen aus dem Ausland. Durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA könnte die Summe der Rückzahlungen drastisch sinken. Auch der heimische Arbeitsmarkt ist stark getroffen: Einem Szenario des Forschungsinstituts Icefi zufolge könnten durch die Corona-Krise 500.000 Arbeitsplätze in Guatemala verloren gehen. 

Aktion gegen den Hunger verteilt Lebensmittel, Hygiene-Kits und Desinfektionsmittel. Unsere Teams diagnostizieren und behandeln Mangelernährung bei Kindern unter 5 Jahren. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitseinrichtungen statten wir unsere Einsatzteams mit Schutzmaterial aus und schulen sie für gezielte Aufklärungsarbeit, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

 

17. JUNI 2020
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