
20 Jahre nach dem Massaker in Muttur fordert Aktion gegen den Hunger Gerechtigkeit
Am 4. August 2006 wurden 17 Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger in ihrem Büro in Muttur, Sri Lanka, ermordet. Zwanzig Jahre später setzt sich die Organisation weiterhin für die Aufklärung dieses Verbrechens und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen ein. Anlässlich des Jahrestages veröffentlicht Aktion gegen den Hunger einen Bericht mit Aussagen von Angehörigen der Opfer.
„Der Schmerz, den ich empfinde, ist unermesslich. Dieser Verlust wird mich mein ganzes Leben begleiten. Wäre er im Krieg gefallen, würde ich vielleicht anders empfinden. Aber er starb, während er Menschen in Not half, sie mit Unterstützung, Nahrung und den notwendigsten Gütern versorgte. Er starb, weil er anderen helfen wollte“, so ein Angehöriger im Bericht.
Das Massaker von Muttur gilt als einer der schwersten Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer weltweit. Bis heute wurde keine unabhängige und wirksame Untersuchung durchgeführt. Die 17 sri-lankischen Mitarbeitenden leisteten lebenswichtige Hilfe für Menschen in Not. Ihre Ermordung traf nicht nur ihre Familien, sondern auch die Gemeinden, die sie unterstützten.
Das Massaker von Muttur ist ein Kriegsverbrechen
Für Aktion gegen den Hunger handelt es sich um ein Kriegsverbrechen - nach dem humanitären Völkerrecht stehen Helferinnen und Helfer unter besonderem Schutz und dürfen nicht Ziel von Angriffen werden. Als Vertragsstaat der Genfer Konventionen ist Sri Lanka verpflichtet, humanitäre Helferinnen und Helfer in bewaffneten Konflikten zu schützen. Dennoch ist es bis heute nicht gelungen, die Umstände der Tat vollständig aufzuklären und die Verantwortlichen zu identifizieren.
„Der Angriff von Muttur war ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht – nicht nur aufgrund des Massakers selbst, sondern auch wegen der Art und Weise, wie die anschließenden Ermittlungen geführt wurden“, erklärte Perrine Benoist, Co-Geschäftsführerin von Aktion gegen den Hunger Frankreich. „Wir sind in der Pflicht und werden unseren Einsatz fortsetzen, bis Gerechtigkeit erreicht ist – das sind wir den Familien schuldig.“
Eine aktuelle Tragödie
Die Tragödie von Muttur bleibt aktuell: Allein im Jahr 2025 wurden mindestens 326 humanitäre Helferinnen und Helfer in 21 Ländern getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten Mitarbeitenden von Hilfsorganisationen in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 1.000.
Am 15. Mai 2026 forderte Aktion gegen den Hunger die sri-lankische Regierung erneut auf, eine unabhängige Untersuchung einzuleiten und die seit 20 Jahren anhaltende Straflosigkeit zu beenden. Eine Reaktion der Regierung steht bislang aus. Die Organisation ruft zudem die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese Forderung zu unterstützen und sich dafür einzusetzen, dass die Wahrheit über dieses Verbrechen endlich aufgeklärt wird.
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