
Weltwassertag: Im Libanon treiben Konflikt und Dürre über 1 Million vertriebene Menschen in eine beispiellose Wasserkrise
Der Weltwassertag am 22. März fällt im Libanon in eine Phase akuter Not. Eine historische Dürre, zerstörte Wassersysteme und die Vertreibung von mehr als 1 Million Menschen haben die Wasserversorgung im Land massiv geschwächt. Die militärische Eskalation seit Anfang März beschädigt zentrale Infrastruktur und überlastet ein System, das bereits vor der Krise kaum funktionierte.
„Viele Familien haben keinen sicheren Zugang zu Wasser und leben in überfüllten Unterkünften. Dürre, zerstörte Infrastruktur und Vertreibung führen dazu, dass sie nicht wissen, woher sie ihr Trinkwasser bekommen sollen. Unsere Teams versorgen sie täglich mit Wasser, Hygieneartikeln, medizinischer Hilfe und Nahrung“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.
Ohne Wasser bricht das gesamte System zusammen
Die schwerste Dürre seit Jahrzehnten hat viele Reservoirs fast vollständig austrocknen lassen. Gleichzeitig fallen Pumpstationen immer wieder aus, weil Treibstoff fehlt oder Anlagen beschädigt wurden. Sobald eine Pumpe stoppt, steht die Versorgung ganzer Gemeinden still. Das Risiko wasserbedingter Krankheiten wie Cholera und Durchfallerkrankungen steigt insbesondere in überfüllten Unterkünften, wo sanitäre Einrichtungen fehlen oder überlastet sind.
Die Lebensmittelproduktion ist ebenfalls stark eingeschränkt: Bewässerungssysteme wurden zerstört, Landwirt*innen haben keinen sicheren Zugang zu ihren Feldern und müssen häufig Wasser schlechter Qualität nutzen. Schon vor der Eskalation im März war die Lage kritisch: Zwischen November 2025 und März 2026 lebten schätzungsweise 874.000 Menschen im Libanon in akuter Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 3 oder höher), darunter 22.000 in Notfallbedingungen (IPC-Phase 4).
Über 1 Million Vertriebene und unzureichende Wasserversorgung
Bis zum 19. März überschritt die Zahl der registrierten Vertriebenen 1.049.328 Menschen, untergebracht in 633 Gemeinschaftsunterkünften, von denen viele bereits überfüllt sind. Hunderttausende weitere leben unter improvisierten Bedingungen: in Autos, verlassenen Gebäuden und unter freiem Himmel.
Unter diesen Umständen ist der Zugang zu sicherem Wasser der dringendste Notfall. Viele neu vertriebene Menschen lassen sich in Gebieten nieder, in denen bereits libanesische Familien wohnen, die seit 2024 vertrieben wurden, sowie syrische Geflüchtete. Dies erhöht den Druck auf Wassernetzwerke, die ursprünglich für eine wesentlich kleinere Bevölkerung ausgelegt waren. Familien in konfliktbetroffenen Gebieten sind zunehmend auf den privaten Wassertankermarkt angewiesen – oft unreguliert und für Menschen, die alles verloren haben, kaum bezahlbar.
Die Hilfe von Aktion gegen den Hunger
Aktion gegen den Hunger ist seit 2006 im Libanon tätig und hat unmittelbar nach der Eskalation am 2. März die Hilfe ausgeweitet. Bis zum 19. März 2026 haben die Hilfsteams 35.137 Menschen mit humanitärer Hilfe erreicht, darunter in schwer zugänglichen Gebieten wie Hasbaya und Zefta.
- Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH): Aktion gegen den Hunger hat 39.924 Liter Trinkwasser und 224 m³ Wasser per Tankwagen bereitgestellt, über 3.400 Hygiene‑Sets für Familien, Frauen, Babys und Menschen mit Inkontinenz verteilt sowie 139 Gemeinschaftsunterkünfte mit WASH‑Diensten unterstützt und mehr als 4.600 Matratzen, Matten und Decken ausgegeben.
- Bereich Gesundheit und Ernährung: Die Teams führten 843 primärmedizinische Behandlungen und 67 Leistungen im Bereich sexueller und reproduktiver Gesundheit durch, unterstützten sechs Krankenhäuser inklusive Betreuung von Risikoschwangerschaften und erweiterten Notdienste in Saida, Hermel und Westbekaa. Zudem erhielten 423 Kinder Nahrungsergänzungen; 196 Kinder sowie schwangere und stillende Frauen wurden auf Mangelernährung untersucht. Darüber hinaus wurden 375 Betreuungspersonen zur Kinderernährung geschult und 21 Kleinkinder mit ergänzender Nahrung versorgt.
- Bereich Ernährungssicherheit: Verteilung von 1.208 RTE-Lebensmittelpaketen. Dennoch bleibt ein erheblicher Teil des Bedarfs ungedeckt – schätzungsweise bis zu 40 % des Bedarfs an Nahrung.
Appell an die internationale Gemeinschaft
Aktion gegen den Hunger fordert die internationale Gemeinschaft auf, umgehend auf einen Waffenstillstand hinzuwirken, sicheren humanitären Zugang zu gewährleisten und finanzielle Mittel bereitzustellen. Ohne zusätzliche Ressourcen droht Tausenden Familien der Verlust selbst minimaler lebensnotwendiger Versorgung.
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