Verheerende Überschwemmungen in Nepal im Jahr 2024 (Archivbild)

Nepal: Tödliche Überschwemmungen verwüsten Trishuli-Tal

Pressemitteilung vom: 27.08.2026

Schwere Überschwemmungen haben das Tal des Flusses Trishuli in den nepalesischen Distrikten Nuwakot und Rasuwa getroffen. Die Region, in der Aktion gegen den Hunger seit dem Erdbeben von 2015 Wiederaufbau- sowie Wasserversorgungsprogramme umgesetzt hat, steht vor einer Katastrophe mit verheerenden humanitären und materiellen Folgen.  

„Die Flutkatastrophe trifft die Menschen mitten in der Erntezeit. Viele Familien haben Angehörige verloren und zusätzlich auch ihre Felder und Ernten. Das Risiko einer schweren Ernährungskrise wächst von Tag zu Tag“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.  

Mehr als 270 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 gelten bislang als vermisst. Die Zahl der Opfer steigt weiterhin an. Ganze Dorfgemeinschaften trauern um Angehörige, während zahlreiche Familien noch immer auf Gewissheit über das Schicksal ihrer Vermissten warten.  

Seit dem Erdbeben von 2015 unterstützt Aktion gegen den Hunger die Gemeinden im Trishuli-Tal beim Wiederaufbau ihrer Wasser- und Sanitärinfrastruktur. Die auf beiden Seiten des Trishuli errichteten Versorgungsnetze ermöglichten Tausenden Menschen nach dem verheerenden Erdbeben von 2015 wieder einen nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Gletscherseeausbruch: Sturzfluten treffen Gemeinden ohne Vorwarnung  

Die aktuellen Überschwemmungen stehen im Zusammenhang mit einem plötzlichen Ausbruch eines Gletschersees (GLOF - Glacial Lake Outburst Flood). Ursache ist der Bruch einer Moräne infolge eines zunehmenden Wasserstaus im Bereich eines Gletschers im Oberlauf des Flusses in Tibet. Die durch den Klimawandel beschleunigte Gletscherschmelze sowie intensive Niederschläge in großen Höhen fördern die Ansammlung von Schmelz- und Regenwasser. Wird der Druck auf die Moräne zu groß, bricht diese plötzlich auf und setzt gewaltige Wassermassen frei.

„Diese Sturzflut ist besonders zerstörerisch, weil enorme Wassermengen durch ein enges und steiles Himalaya-Tal schießen. Dabei werden große Mengen an Schlamm, Felsblöcken, Sedimenten und Eis mitgerissen. Es handelt sich um eine regelrechte flüssige Lawine aus Wasser, Schlamm, Felsblöcken und Eis, die sich mit hoher Geschwindigkeit durch das Trishuli-Tal bewegt. Der Fluss entspringt in Tibet und fließt anschließend durch Nepal“, erklärt Julien Eyrard, Leiter des Bereichs Wasser, Hygiene und Sanitärversorgung bei Aktion gegen den Hunger. Zwischen 2015 und 2025 koordinierte er den Wiederaufbau der Wasserversorgungsnetze in Nepal.

Solche plötzlich auftretenden Fluten lassen den betroffenen Gemeinden nur wenig Zeit zur Reaktion und sind in den abgelegenen Regionen des Himalaya nur schwer vorherzusagen. Das Dorf Bidhur, einst logistischer Mittelpunkt der Einsätze von Aktion gegen den Hunger im Trishuli-Tal, wurde vollständig zerstört.

Schwere Schäden an Infrastruktur und Lebensgrundlagen  

Auch die kritische Infrastruktur wurde schwer beschädigt. Wasserversorgungssysteme und landwirtschaftliche Nutzflächen wurden massiv in Mitleidenschaft gezogen. Damit sind sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Einkommens- und Ernährungsgrundlagen zahlreicher Familien gefährdet.

„Obwohl solche Ereignisse vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung grundsätzlich absehbar sind, bleibt ihre genaue Vorhersage äußerst schwierig. Auch in Europa werden einige Gletscherseen, insbesondere im Mont-Blanc-Massiv, intensiv überwacht. In vielen Teilen Asiens fehlen jedoch vergleichbare Warn- und Überwachungssysteme“, betont Julien Eyrard.

Dringender Bedarf an Wasser-, Sanitär- und Ernährungshilfe  

Nach vorläufigen Angaben der lokalen Behörden sind nahezu 8.700 Haushalte mit mehr als 39.000 Menschen direkt von der Katastrophe betroffen. Erste Einschätzungen zeigen einen hohen Bedarf an Unterstützung in den Bereichen Trinkwasser, Sanitärversorgung und Ernährungssicherung.  

Aktion gegen den Hunger arbeitet seit 2011 in Nepal und koordiniert derzeit gemeinsam mit lokalen Partnern die Bewertung des Hilfsbedarfs in den betroffenen Gebieten.  

27. AUGUST 2026