Menschen versammeln sich um Ernte.

Global Nutrition Report 2020

Ungleichheit größtes Hindernis bei der Bekämpfung von Mangelernährung 

Der heute erscheinende Welternährungsbericht „Global Nutrition Report 2020“ warnt davor, dass die Fortschritte im Kampf gegen Mangelernährung viel zu langsam vorangehen. Kein einziges Land ist auf dem Weg, alle Ziele der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Reduzierung aller Formen von Mangel- und Unterernährung zu erreichen. Zudem gibt es weiterhin erhebliche Ungleichheiten bei der Bekämpfung von Mangelernährung zwischen und innerhalb von Ländern, wobei der Globale Süden und die schutzbedürftigsten Bevölkerungsgruppen besonders stark betroffen sind. Insbesondere in diesem Jahr, in dem sich die Zahl der akut Hungernden weltweit durch die Folgen von COVID-19 von 135 auf 265 Millionen nahezu verdoppeln könnte, ist die internationale Gemeinschaft gefordert, rechtzeitig zu handeln. 

„Es besteht die Gefahr, dass in den kommenden Monaten mehr Menschen an Hunger und an unbehandelten tödlichen Krankheiten als an den direkten Folgen von COVID-19 sterben. Um dies zu verhindern, darf bei allen wichtigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie nicht die lebensrettende Behandlung und Prävention von Mangel- und Unterernährung aus dem Blick verloren werden“, so Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. „Es ist wichtiger denn je, dass die internationale Gemeinschaft im Zusammenhang mit den COVID-19-Maßnahmen stärkere Gesundheitssysteme und gerechtere Ernährungssysteme in den Mittelpunkt stellt.“ 

Ergebnisse des Global Nutrition Reports alarmierend

1 von 9 Menschen auf der Welt ist mangelernährt oder leidet an Hunger. Fast ein Viertel aller Kinder unter 5 Jahren sind chronisch unterernährt. Besonders besorgniserregend ist, dass die Fortschritte bei der Bekämpfung von Mangelernährung weltweit von Ungleichheit und Ungerechtigkeit geprägt sind. Der Zugang zu erschwinglichen und qualitativen Gesundheitsdienstleistungen ist bei Weitem nicht für alle möglich: Nur 1 von 3 Kindern unter 5 Jahren mit schwerer akuter Unterernährung wurde 2018 behandelt. Da die ohnehin schon fragilen Gesundheitssysteme aufgrund von COVID-19 überlastet werden könnten, besteht ein erhöhtes Risiko, dass überlebenswichtige humanitäre Ernährungshilfen unterbrochen werden müssen. Dies ist in manchen Ländern, in denen Aktion gegen den Hunger arbeitet, wie zum Beispiel in Myanmar und Indien, bereits Realität. 

Zugang zu Nahrung für alle Menschen sichern

„Um wirksam zu reagieren und weitere Krisen zu verhindern, muss die internationale Gemeinschaft die bestehenden Gesundheitssysteme und die Lebensmittelversorgung stärken und schützen. Dazu gehört auch, den Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung für alle Menschen zu ermöglichen – unabhängig von finanziellen Ressourcen. Betroffene Familien dürfen nicht noch weiter in die Armut gedrängt werden, um eine Behandlung zu erhalten. Insbesondere jetzt, da ihre Lebensgrundlagen durch COVID-19 massiv bedroht sind“, so Friedrich-Rust. 

Der Bericht adressiert zudem die Ungerechtigkeiten im globalen Ernährungssystem, die es vielen Ländern erschwert, eine kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung mit erschwinglichen, nahrhaften und gesunden Lebensmitteln zu gewährleisten. Aktion gegen den Hunger appelliert an die internationale Gemeinschaft, die COVID-19-Krise als Gelegenheit zu nutzen, ungerechte industrielle Ernährungssysteme umzugestalten und Agrarökologie in den Mittelpunkt zu stellen. Nährstoffreiche und abwechslungsreiche Lebensmittel müssen für alle verfügbar sein. Eine sozial-gerechte und ökologisch-nachhaltige Landwirtschaft, die auf biologische Vielfalt und die Autonomie der Erzeuger*innen setzt, würde die Ernährungssituation in vielen Ländern nachhaltig verbessern und gleichzeitig die Resilienz gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken. 

Internationale Gemeinschaft muss handeln

Die Finanzierung von COVID-19-Maßnahmen darf nicht auf Kosten der Finanzierung von Ernährungsprogrammen gehen, zumal die derzeitigen finanziellen Zusagen der internationalen Gemeinschaft für Ernährungsausgaben im Jahr 2020 auslaufen. Deshalb sind die finanziellen und politischen Zusagen der Geber elementar. Die im Dezember geplante „Nutrition for Growth“-Konferenz in Tokio, bei dem es um die Sicherstellung dieser Mittel geht, wurde aufgrund von COVID-19 verschoben. Die Welt darf das Ziel der Verringerung der globalen Mangelernährung in keinem Fall aus dem Blick verlieren, denn das Leben von Millionen Menschen hängt davon ab. 

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Vassilios Saroglou
12. MAI 2020
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