Ein mit Kapuze und dicker Kleidung eingepacktes Kleinkind, das MUAC-Band am Arm zeigt Mangelernährung

Krisenwinter: Was passiert gerade in Afghanistan?

Fast neun Millionen Frauen, Männer und Kinder in Afghanistan leiden unter extremem Hunger. Jetzt kommt auch noch der Winter und verschärft die Notlage weiter. Viele Menschen wissen nicht, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen. Die Verzweiflung ist groß. Unser Landesdirektor Mike Bonke beantwortet Fragen rund um die Situation im Land und die humanitäre Krise. 

Winter im krisengeplagten Afghanistan: Warum Hilfe dringend nötig ist

Die Menschen in Afghanistan erleben derzeit eine beispiellose Hungersnot. Immer mehr Kinder leiden an Mangelernährung.

Helfen Sie mit, Leben zu retten!

Jetzt im Winter wird die Hälfte der gesamten Bevölkerung – und damit nunmehr über 24 Millionen Menschen – keinen gesicherten Zugang zu Nahrungsmitteln haben. Wie kann jetzt geholfen werden? 

Winter in Afghanistan: Aktuelle Situation

Wie sieht die Situation rund um Hungerkrise und Mangelernährung in Afghanistan derzeit aus? 

„Es ist schwer in Worte zu fassen, wie groß die Herausforderung ist, vor der wir zurzeit stehen. Jeden Tag kommen neue Aufgaben dazu, während immer mehr Schnee fällt. Vor allem die Bergregionen bereiten uns Sorge. Denn diese Orte werden in den kommenden Monaten größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten sein. Gerade dort aber sind besonders viele Menschen mangelernährt. 

Die Umstände – Winter in einem so gebeutelten Land – sind per se schon katastrophal. Das Coronavirus gestaltet die Lage noch schwieriger. Viele der Familien wären eigentlich in benachbarte Länder gereist, um Geld für den Winter zu verdienen. Das war nicht möglich. Jetzt blicken sie einer humanitären Krise ins Auge, mit kaum verfügbarem Essen, steigenden Nahrungsmittelpreisen und nur wenig Geld, um ihre Kinder zu ernähren.  

Es bricht einem das Herz, dies zu hören. Aber viele Mütter sind dazu gezwungen, ein Kind zu verkaufen, um ein anderes zu ernähren. Keine Mutter, kein Vater sollten jemals vor dieser Entscheidung stehen müssen.” 

Warum ist der Winter so gefährlich?

„Für uns in Großbritannien oder Deutschland hat der Gedanke an weiße Weihnachten etwas von Magie. In Afghanistan hingegen kann einsetzender Schnee zur tödlichen Gefahr für viele Kinder werden. Viele Landesteile werden in den kommenden Wochen und Monaten von der Versorgung abgeschnitten sein. Damit ist auch die gesundheitliche Versorgung nicht sichergestellt.  

Das Land erlebt gerade extreme Nahrungsunsicherheit, die Zahl der mangelernährten Kinder explodiert geradezu. Viele Familien können sich kaum bis gar nicht ernähren. Und all das geschieht nun in der Winterzeit, wenn noch nicht einmal der Anbau von Getreide und Gemüse möglich ist und viele Menschen nicht arbeiten können. Gleichzeitig stehen viele Familien vor der Frage, wie sie sich über die kalten Monate warm halten.  

Zweifelsohne wächst der Bedarf an humanitärer Hilfe, während Familien mit solch harten Bedingungen zu kämpfen haben. Es ist absolut notwendig, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um humanitäre Korridore zu erhalten und unsere Kliniken geöffnet zu lassen.”

Wie fühlen sich die Kinder?

Die Temperaturen in Afghanistan stürzen unter den Gefrierpunkt. In manchen Regionen liegen sie schon jetzt bei -16 °C. Gerade mangelernährten Kindern setzt diese Situation zu, erklärt Mike Bonke: 

„Mangelernährung bedeutet nicht einfach nur, dass nicht genug zu essen da ist oder dass man untergewichtig ist. Ist ein Kind mangelernährt, fährt der kleine Körper geradezu herunter. Das bedeutet, dass das Immunsystem nicht richtig arbeiten und Infektionen kaum bekämpfen kann.  

Kaltes Wetter bedeutet für einen Kinderkörper viel Arbeit. Energie muss aufgebracht werden, um sich selbst zu wärmen. Mit schwachem Immunsystem und kaum Energie passiert es vielen mangelerährten Kindern, in eine Unterkühlung zu fallen."

Wo liegen derzeit die Versorgungslücken – was ist jetzt nötig?

„Hilfsorganisationen versuchen gerade alles Menschenmögliche, um eine Katastrophe zu verhindern, aber die Bedürfnisse vor Ort sind überwältigend groß. 

Schon vor der aktuellen Krise haben die Menschen in Afghanistan schwere Dürren erlebt, die die Nahrungsmittelproduktion nachhaltig negativ beeinflusst haben. Und auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise machen noch immer zu schaffen.” 

Ein freigeschaufelter Weg durch den Schnee, im Hintergrund ein Dorf in Afghanistan.
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Nach Schneefällen sind oft ganze Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Unsere Mitarbeitenden schaffen Wege, um vor Ort zu helfen.

Was ist jetzt zu tun?

Welche Hilfe gibt es für Frauen und junge Mädchen?

„Wir stellen Gesundheitsdienstleistungen zur Verfügung, darunter auch Informationen rund um das Thema Familienplanung. Zudem unterstützen wir Frauen, die lieber zu Hause gebären wollen und verweisen Frauen in Risikoschwangerschaften zu Spezialisten.  

Außerdem behandeln wir Frauen gegen Mangelernährung und unterstützen sie dabei, ihre Kinder mit gesundem, nahrhaftem Essen zu versorgen.”

Akut Leben retten: Wie hilfreich sind Spenden gegen akute Hungersnot?

“Es kostet lediglich 1-2 Euro, um ein mangelernährtes Kind einen Tag lang zu behandeln. Wir reden hier nicht über gigantische Summen. Auch wenn jemand nur 12 Euro geben kann, kann das einen gewaltigen Unterschied machen. Diese 12 Euro können darüber mitbestimmen, ob ein Kind den Kampf gegen den Hunger gewinnt oder nicht.” 

Wintereinbrüche in Afghanistan stellen die Bevölkerung und unsere Mitarbeitenden vor Ort Jahr für Jahr vor schwere Herausforderungen. Mit dem Coronavirus kommt zur bereits gefährlichen Situation im Land noch eine weitere Herausforderung hinzu und verschärft das Leid enorm. Jedes zweite Kind unter fünf Jahren ist in Afghanistan akut mangelernährt.

Unterstützen Sie die Menschen in Afghanistan und anderen, schwer geplagten Teilen der Welt und helfen Sie ihnen dabei, den kalten Winter zu überstehen!

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12. JANUAR 2022
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