Wir helfen seit: 1979
Mitarbeiter*innen: 905
Bevölkerung: 42,6 Mio.
Erreichte Menschen 2024: 553.698
Unterernährungsrate: 28,1 %
Fast 22 Millionen Menschen in Afghanistan sind auf Unterstützung angewiesen, um zu überleben – das ist fast die Hälfte der Bevölkerung.
Die Ernährungssituation in Afghanistan ist weiterhin erschreckend. Besonders Kinder sind von Mangelernährung betroffen. Wiederkehrende Krisen, Armut und die Folgen des Klimawandels verschärfen die Situation für Familien, die ohnehin kaum über ausreichende Lebensgrundlagen verfügen.
Wie ist die Situation in Afghanistan?
Afghanistan steckt seit Jahren in einer schweren humanitären Krise. Nach der Machtübernahme der Taliban 2021 haben sich die Lebensbedingungen für viele Menschen weiter verschlechtert. Insbesondere die Rechte von Frauen und Mädchen sind massiv eingeschränkt. Gleichzeitig leiden Millionen Menschen unter Armut, Hunger und den Folgen wiederkehrender Krisen.
Die drastischen Kürzungen in der humanitären Hilfe hinterlassen zunehmend deutliche Spuren. Für viele Familien wird es immer schwieriger, ausreichend Nahrung und medizinische Versorgung zu erhalten. Besonders Kinder sind von Mangelernährung betroffen – häufig wiederholt.
In einem von Aktion gegen den Hunger unterstützten Gesundheitszentrum in der Provinz Ghor wurde beispielsweise ein erst fünf Monate altes Kind bereits zum dritten Mal wegen Mangelernährung behandelt. Die Familie lebt von der Landwirtschaft. Doch ein harter Winter, anhaltende Dürre, Wassermangel und Ernteausfälle gefährden ihre Lebensgrundlage.
Auch in anderen Regionen steigt der Bedarf an Unterstützung. Immer mehr Menschen kommen in unsere mobilen Gesundheitszentren, insbesondere in abgelegenen Gebieten. Gleichzeitig verzeichnen Ernährungseinheiten in Kliniken und Gesundheitszentren immer mehr Neuaufnahmen.
Was sind die zentralen humanitären Herausforderungen in Afghanistan?
Fast 22 Millionen Menschen sind auf Unterstützung angewiesen, um zu überleben. Damit ist fast die Hälfte der afghanischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Armut, wiederkehrende Mangelernährung, Konflikte und die Folgen des Klimawandels verstärken sich gegenseitig. Viele Familien sind von der Landwirtschaft abhängig, doch Dürren, Wassermangel und Ernteausfälle nehmen ihnen zunehmend die Lebensgrundlage. Gleichzeitig machen steigende Lebensmittelpreise den Zugang zu ausreichender Ernährung für viele Menschen noch schwieriger.
Besonders gefährdet sind Kinder. Mangelernährung kann ihre körperliche und geistige Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen. Wiederkehrende Fälle zeigen, wie schwer es für viele Familien ist, den Kreislauf aus Armut und Mangelernährung zu durchbrechen.
Auch die Gesundheitsversorgung steht unter großem Druck. In Lashkar Gah in der Provinz Helmand musste die Zahl der Betten in unseren Ernährungseinheiten innerhalb weniger Wochen fast verdreifacht werden, um die steigende Zahl mangelernährter Kinder behandeln zu können.
Die humanitäre Hilfe wird zudem durch die schwierige Sicherheitslage erschwert. Afghanistan gehört weiterhin zu den gefährlichsten Einsatzländern für humanitäre Helfende. Gleichzeitig bestehen erhebliche Einschränkungen für Frauen und Mädchen sowie für die Arbeit von Hilfsorganisationen.
Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Afghanistan?
Seit 1979 unterstützt Aktion gegen den Hunger Menschen in Afghanistan. Wir behandeln akute Mangelernährung und bekämpfen gleichzeitig die Ursachen von Hunger und Armut. Unser integrierter Ansatz verbindet Ernährung, Gesundheit, Wasser, Sanitärversorgung und die Sicherung von Lebensgrundlagen.
- Wir diagnostizieren und behandeln akute Mangelernährung bei Kindern und Erwachsenen und betreuen schwangere und stillende Frauen.
- Wir unterstützen Gesundheitszentren und betreiben gemeinsam mit Partnern Ernährungseinheiten für mangelernährte Kinder.
- Mit mobilen Gesundheitszentren bringen wir medizinische und ernährungsbezogene Versorgung auch in abgelegene Regionen.
- Wir verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung, um Krankheiten vorzubeugen.
- Wir stärken die Lebensgrundlagen von Familien und unterstützen sie dabei, ihre Ernährung langfristig zu sichern.
- Wir leisten Bargeldhilfen, damit Familien ihre Grundbedürfnisse decken und gleichzeitig lokale Märkte gestärkt werden.
- Wir bieten psychosoziale Unterstützung für Menschen, die durch Krisen und Gewalt traumatisiert wurden, etwa mithilfe einer telefonischen Beratung.
- In unseren Programmen schaffen wir sichere und frauenfreundliche Räume, in denen Mädchen und Frauen medizinische und psychosoziale Unterstützung erhalten.
Unser Ziel ist es, nicht nur die Folgen des Hungers zu behandeln, sondern Familien langfristig dabei zu unterstützen, ein sicheres und würdevolles Leben zu führen. Denn nur wenn Menschen ihre Lebensgrundlagen sichern können, lässt sich der Kreislauf aus Armut und Mangelernährung nachhaltig durchbrechen.
Aktion gegen den Hunger bleibt in Afghanistan, solange die Menschen unsere Unterstützung benötigen und die Sicherheitslage dies zulässt.
Laufende Projekte
Direkt Begünstigte: 25.209
Laufzeit: September 2023 bis Dezember 2024
Mittelherkunft: Auswärtiges Amt, Aktion gegen den Hunger
Fördervolumen: 3.500.00,00
In diesem Projekt werden lebensrettende Maßnahmen für Kinder unter fünf Jahren und schwangere/stillende Frauen (PLW) in gefährdeten Gemeinden in den Provinzen Kabul, Badakhshan und Ghor umgesetzt. Dies beinhaltet die Einrichtung von Familiengesundheitshäusern und Therapeutischen Ernährungseinrichtungen zur Behandlung und Prävention von Unterernährung. Das Projekt deckt die Bereiche Gesundheit, Ernährung, psychosoziale Unterstützung und Hygiene ab. Aktion gegen den Hunger wird Kinder behandeln, die an akuter Mangelernährung leiden, Gesundheitsdienste für Mütter und Kinder bereitstellen und die Gemeinden mit psychosozialer Unterstützung stärken. Lebensmittelgutscheine werden an Haushalte mit Fällen von akuter Mangelernährung und an Familiengesundheitshäuser verteilt, um die Ernährungssicherheit zu verbessern und eine erneute Erkrankung zu verhindern. Darüber hinaus werden Wasser- und Sanitäreinrichtungen in den Gesundheitszentren in den Provinzen Ghor und Badakhshan errichtet.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Behandlung von akuter Mangelernährung durch medizinischem Notfalldienst für Kinder unter fünf Jahren
- Integrierte Krisenbewertung zur Ermittlung des Ausmaßes der Nahrungsmittelkrise, der Ernährungssituation und der psychischen Gesundheit in den Gemeinden
- Bereitstellung von Gesundheitsdiensten für Mütter, einschließlich der Behandlung von Mangelernährung und Geburtshilfe
- Entwicklung von Sensibilisierungskampagnen auf Gemeindeebene zur Förderung des Bewusstseins für häufige psychische Krankheiten und psychosoziale Unterstützung sowie für geeignete Bewältigungs- und Genesungsstrategien
- Neubau/Sanierung der Wasserversorgung, sanitären Einrichtungen und Toiletten
- Bewertung der Ernährungssicherheit und der Existenzgrundlagen und Verteilung von Lebensmittelkörben an die ausgewählten Begünstigten
- Bewertung und Analyse zu den Lücken in der sozialen Grundversorgung insbesondere für Frauen und Kinder, um die Versorgungslage langfristig zu verbessern
- Direkt Begünstigte: 181.804
- Laufzeit: Dezember 2023 bis Oktober 2026
- Mittelherkunft: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
- Fördervolumen: 5.750.000 €
Das Projekt hat zum Ziel die Morbidität und Mortalität der von der Krise betroffenen Bevölkerung zu verringern und deren Lebensbedingungen zu verbessern. Durch Sensibilisierungen, Gemeinschaftsaktivitäten und den Aufbau von Kapazitäten in Katastrophenrisikomanagement, psychosozialer Gesundheit, sowie der Bereitstellung von WASH-Infrastruktur und nachhaltiger Förderung der Lebensgrundlagen soll die Widerstandsfähigkeit der Menschen gestärkt werden. Aktion gegen den Hunger plant lebensrettende Maßnahmen, insbesondere für Kinder unter fünf Jahren und schwangere/stillende Frauen, durch die Einrichtung von Familiengesundheitshäusern und die Unterstützung von therapeutischen Ernährungszentren. Im Projekt werden „Cash-for-Work“ Aktivitäten eingesetzt, um die finanzielle Unterstützung gezielt an die Begünstigten auszuzahlen und so die finanzielle Lage von Haushalten und Einzelpersonen nachhaltig zu verbessern.
Folgende Maßnahmen werden (u.a.) umgesetzt:
- Verteilung von Paketen zur Unterstützung der Landwirtschaft an begünstigte Landwirt*innen
- Durchführung technischer Schulungen zu verbesserten Anbaumethoden und effizienterer Produktion
- Durchführung einer Resilienzanalyse
- Unterstützung durch Bargeld-/Nahrungsmitteltransfers für Arbeit
- Bereitstellung von psychologischer und psychosozialer Beratung für die betroffene Bevölkerung über ein Hotline-System
- Bau von Wasserversorgungsanlagen & Bau/Sanierung von Toilettenanlagen
- Mobilisierung von Gemeindemitgliedern zur Beteiligung an Aktivitäten des Katastrophenschutzausschusses