
Physiotherapie in Syrien: Große Schritte Richtung Hoffnung
Das Gesundheitszentrum Al Sanabel in Syrien bietet Physiotherapie, Ernährungsberatung und psychosoziale Betreuung an. Aktion gegen den Hunger unterstützt diese wichtigen Dienste finanziell, stellt Lebensmittel und Geräte für Physiotherapie sowie Hilfsmittel für die Untersuchung auf Mangelernährung zur Verfügung und sorgt dafür, dass Fachkräfte dort Kinder und Erwachsene unterstützen können. Zwei der Kinder, die dort trotz widrigster Umstände das Laufen lernen konnten, stellen wir heute vor:
Physiotherapie: Houssam aus Syrien lernt laufen
Houssam ist ein zehnjähriger Junge, der mit seinen Drillingsgeschwistern und seiner Mutter in der Provinz Al-Hassakeh lebt. Als Neugeborener litt er unter Hypoxie – einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Darunter litt seine körperliche Entwicklung, sodass er als Kleinkind nie das Laufen lernen konnte. Vor einigen Jahren musste die Familie aufgrund des Krieges ihr Heimatdorf verlassen, um in der nächstgelegenen Stadt Zuflucht zu suchen. Dort wurde er an den Sehnen operiert, was ihm in Kombination mit Physiotherapie die Chance bot, endlich laufen zu lernen. Aber seine Mutter Zahra hatte als einzige Ernährerin der Familie seit dem Tod ihres Mannes Schwierigkeiten, die medizinischen Kosten zu decken. Hilfe fanden sie in den kostenlosen Gesundheitsdienstleistungen des Gesundheitszentrums Al Sanabel, das von Aktion gegen den Hunger und einer Partnerorganisation unterstützt wird.
Houssam besucht nun täglich das Gesundheitszentrum – eine wichtige Stütze auf seinem Weg zur Genesung. Mittlerweile kann er mit einer Gehhilfe, an Wänden gestützt oder mit Hilfe seiner Familie gehen: eine bemerkenswerte Verbesserung seines Zustands. Vor einem Jahr konnte er sogar endlich die Schule besuchen. Bis dahin ist er zu Hause unterrichtet worden. Jetzt meistert er mit der Unterstützung seiner Geschwister sowohl den Weg zur Schule als auch das Schulleben in der dritten Klasse.

Houssam lernt während seiner Therapiestunden mittlerweile auch, Treppen zu laufen. Sein Therapeut gibt ihm dabei Ermutigungen und Sicherheit, aber der zehnjährige Junge traut sich mittlerweile schon sehr vieles allein zu.
Zahra bewundert das Engagement der medizinischen Fachkräfte im Zentrum. Sie würdigt die unermüdlichen Bemühungen der Ärzt*innen, insbesondere desjenigen, der Houssam betreut und dessen konsequente Nachsorge maßgeblich zu seinen Fortschritten beigetragen hat.
„Houssam fühlt sich durch seine verbesserte Mobilität mittlerweile viel wohler, denn jedes Mal, wenn er sich frei bewegen kann, verspürt er große Freude und Hoffnung. Jetzt nimmt er an für uns eigentlich alltäglichen Aktivitäten teil, wie zum Beispiel mit seinen Geschwistern zum Supermarkt zu gehen, was ihm große Freude bereitet“, sagt Zahra.
„Ich bin allen Mitarbeitern des Gesundheitszentrums, die uns auf diesem schwierigen Weg begleitet haben, zutiefst dankbar. Im Al Sanabel Gesundheitszentrum haben wir nicht nur Heilung gefunden, sondern auch eine Familie“, schließt sie.
Yasmins Geschichte: Jeden Tag ein Schritt mehr
Yasmin, ein viereinhalbjähriges Mädchen, wurde fast zwei Monate zu früh geboren. Dadurch hat sie eine angeborene Lähmung. „Die Ärzte sagten mir, dass es keine Hoffnung für Yasmin gebe, jemals laufen zu können; in ihrem Fall sei das unmöglich. Sie würde weder laufen noch krabbeln oder sogar sitzen können“, erklärt Saadyeh, Yasmins Mutter.
„Wir können uns Yasmins Behandlung nicht leisten, aber ich habe nie die Hoffnung verloren“, sagte Saadyeh. „Ich brachte Yasmin zum Al Sanabel Gesundheitszentrum, nachdem ich von deren Erfolgen bei der Behandlung von Fällen wie ihrem gehört hatte. Wir besuchten die Klinik vier Jahre lang regelmäßig, nur an den Wochenenden nicht. Dass wir in einem Dorf lebten, hielt uns nicht davon ab, zur Behandlung zu kommen, zumal ich sah, dass es Yasmin besser ging.“
Yasmin lebte früher mit ihrer Familie in einem Dorf, aber vor acht Monaten zogen sie auf der Suche nach besseren Arbeitsmöglichkeiten in die Stadt. Yasmins Vater fand Arbeit als Tagelöhner, aber sein geringes Einkommen reicht kaum aus, um ihre Bedürfnisse zu decken. Dass sie Yasmins Therapie im Al Sanabel durchführen lassen können, ist daher ein Geschenk, sagt die Familie.
Yasmin wird seit ihrem achten Lebensmonat in der Klinik behandelt, und dank Physiotherapie hat sich ihr Zustand mittlerweile deutlich verbessert. „Gott sei Dank kann sie jetzt laufen! Seit vier Monaten läuft sie schon. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich empfand, als ich sie zum ersten Mal ihre ersten Schritte machen sah. Ich konnte die Freude in ihren Augen sehen“, sagt Saadyeh.

Yasmin ist jedes Mal sehr stolz, wenn sie ihre Schritte zwischen den Erwachsenen im Gesundheitszentrum machen kann. Jeden Tag schafft sie mehr.
„Es erfüllt mich mit Freude, sie mit ihren Geschwistern spielen zu sehen. Zu sehen, wie die vier zusammen laufen und spielen, ist ein wahr gewordener Traum. Ich bin unglaublich dankbar und schätze all die Bemühungen, die zur Genesung meiner kleinen Tochter geführt haben“, schließt Saadyeh.



