Eine Frau sitzt auf einer Bank mit einem Kind im Arm, während sie einer Erklärung eines unserer Mitarbeiterin in Haiti zuhört.

Haiti: Gewaltspirale führt zu Hunger

Pressemitteilung vom: 25.03.2024

Laut einem aktuellen UN-Bericht leidet etwa die Hälfte der Bevölkerung in Haiti unter einer Ernährungskrise. Bewaffnete Banden kontrollieren die Hauptstadt Port-au-Prince, die eskalierende Gewalt hat verheerende Auswirkungen auf das ganze Land. Die Regierung hat Anfang März den Notstand ausgerufen. Die Bandengewalt hat den Flughafen und den Schiffsverkehr in Port-au-Prince lahmgelegt. Die Märkte bleiben leer, da Lebensmittel, Treibstoff und andere lebenswichtige Güter nicht mehr in ausreichender Menge in der Hauptstadt ankommen.  

„Der aktuelle Bericht der Vereinten Nationen verdeutlicht, dass die Menschen in Haiti aufgrund bewaffneter Gewalt, steigender Lebensmittelpreise und sinkender landwirtschaftlicher Produktion kurz vor einer humanitären Katastrophe stehen. Um die Gewalt einzudämmen und die Ordnung wiederherzustellen, ist eine nachhaltige politische Lösung dringend erforderlich. Gleichzeitig muss die Lieferung von humanitären Hilfsgütern in sichere Gebiete wie  Cap-Haïtien beschleunigt werden. Es ist noch nicht zu spät, um eine Katastrophe in Haiti abzuwenden”, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.

Dem Bericht des Expert*innengremiums der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) zufolge leiden rund 5 Millionen Menschen unter einer Hungerkrise (IPC-Phase 3 oder höher). Das betrifft etwas die Hälfte der Bevölkerung. Davon droht 1,6 Millionen Menschen eine Hungerkatastrophe (IPC-Phase 4). Über 360.000 Menschen befinden sich im Land auf der Flucht.

Explodierende Preise und steigende Armut

Die Inflation erreichte in den letzten zwei Jahren bereits 48 Prozent und steigt weiter an. Die Schwäche der haitianischen Währung, der Gourde, und die zusätzlichen Kosten aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage führen dazu, dass die Verbraucherpreise für wichtige Lebensmittel deutlich höher sind als in den Nachbarländern. Dabei leben 90 Prozent der Menschen in Haiti in Armut.

„Haiti importiert zwischen 50 und 85 Prozent seiner Lebensmittel – je nach Ernte, Jahreszeit und lokaler Situation. Die Menschen in diesem verarmten Land sind besonders anfällig für Inflation und Preisschwankungen auf den internationalen Märkten“, so Friedrich-Rust.

Akute Hilfe und langfristige Lösungen notwendig

Obwohl per Hubschrauber eine begrenzte Anzahl von Hilfsgütern ins Land gebracht wird, ist dies keine langfristige Lösung, da sie zu komplex und teuer ist. Aktion gegen den Hunger fordert die internationale Gemeinschaft auf, humanitäre Hilfslieferungen und Lebensmitteltransporte über kleinere Häfen und Flughäfen, insbesondere Cap-Haïtien, zu beschleunigen. Obwohl der Weg über diese kleineren, noch zugänglichen Häfen keine langfristige Lösung darstellt, ist er zur schnellen Bewältigung der aktuellen Krise unerlässlich.

Neben der Reaktion auf die akute Krise fordert Aktion gegen den Hunger auch die Finanzierung von langfristigen Programmen, um die Ernährungssicherheit im Land zu fördern und die Abhängigkeit von Importen zu verringern.

Zu wenig humanitäre Finanzierung für Haiti

Die humanitäre und entwicklungspolitische Organisation ist seit 1985 in Haiti tätig. Neben der Nothilfe unterstützt sie den von der Krise betroffenen Menschen dabei, nachhaltige Lebensgrundlagen aufzubauen. Sie stellt Saatgut und andere Materialien zur Verfügung, um den Menschen zu helfen, relativ schnell wachsende und nahrhafte Lebensmittel wie Tomaten und Gurken anzubauen. Auch der Anbau von Produkten wie Maniok und Erdnüssen, die eine sichere Einkommensquelle für die Menschen schaffen können, wird gefördert.

Trotz des wachsenden Bedarfs ist die humanitäre Hilfe für Haiti drastisch zurückgegangen. Im Jahr 2023 wurden nur 34 Prozent der Spendenaufrufe für Haiti erfüllt, was einem Finanzierungsdefizit von 66 Prozent entspricht. In diesem Jahr sind bisher nur 6,5 Prozent der benötigten Mittel eingegangen. Es müssen jetzt sofort verbindliche finanzielle Zusagen der internationalen Gemeinschaft erfolgen, um Leben zu retten und eine konzertierte Reaktion der Hilfsorganisationen im Land zu ermöglichen.

Hinweis an die Redaktionen

Martine Villeneuve, Landesdirektorin von Aktion gegen den Hunger in Haiti, steht für Interviews zur Verfügung.

3. APRIL 2024
NEWSLETTER ABONNIEREN

Abonnieren Sie jetzt unseren E-Mail-Newsletter und erhalten Sie regelmäßig und kostenlos Informationen aus erster Hand!