Stehende Frauengruppe bei einer psychologischen Gruppensitzung von Aktion gegen den Hunger in der Klinik von Kurmany, Region Sumy

Der Krieg in der Ukraine trifft auch die Helfenden: Psychische Belastung steigt weiter

Pressemitteilung vom: 23.02.2026

Der Krieg in der Ukraine tritt in sein fünftes Jahr ein und setzt auch die Zivilbevölkerung ständiger Gewalt aus. Fachkräfte und Freiwillige, darunter Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Rettungssanitäter, Lehrkräfte, Sozialarbeitende und ehrenamtliche Helfer*innen, stehen unter einer beispiellosen psychischen Belastung. Aktion gegen den Hunger weitet seine psychosozialen Unterstützungsmaßnahmen in der Nähe der Frontlinien in den Regionen Charkiw und Sumy aus, um diejenigen zu unterstützen, die täglich ihre Gemeinschaften versorgen – oft auf Kosten ihrer eigenen psychischen Gesundheit.

Seit Herbst 2025 haben sich die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur intensiviert und weitreichende Ausfälle von Strom, Wasser und Heizung verursacht. Im Winter, wenn die Temperaturen auf minus 20 °C fallen, bringen diese Unterbrechungen Hunderttausende Menschen in lebensbedrohliche Situationen und beeinträchtigen direkt ein ohnehin stark belastetes Gesundheitssystem.

„Helfende tragen das kollektive Trauma“

„Die Belastung macht auch vor den Fachkräften an der Front nicht halt, die unter extremen Bedingungen arbeiten, manchmal ohne Licht oder Heizung. Ob aus dem medizinischen Bereich, dem Bildungswesen oder der sozialen Arbeit: Diese Helfer tragen das Gewicht des kollektiven Traumas, während sie gleichzeitig wie alle anderen Zivilisten ständigen Angriffen auf ihre Städte ausgesetzt sind“, berichtet Benjamin Martin, Landesdirektor von Aktion gegen den Hunger in der Ukraine.

Mit 3,7 Millionen Binnenvertriebenen, die sich hauptsächlich in frontnahen Regionen konzentrieren, ist der Druck auf lokale Fachkräfte immens. Sie müssen gleichzeitig die Bedürfnisse der ansässigen Bevölkerung und der neu ankommenden Menschen bewältigen. Die Situation wird nicht leichter werden: Laut Prognosen für 2026 werden bis zu 504.000 neu vertriebene oder evakuierte Menschen in frontnahen Oblasten erwartet.

Steigender Bedarf an psychischer Unterstützung

Die anhaltende Gewalt und die großen Bevölkerungsbewegungen lassen den Bedarf an psychischer Hilfe weiter steigen. Bereits 2025 gaben 83 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an, unter anhaltendem Stress und innerer Anspannung zu leiden.

Um die grundlegende Gesundheitsversorgung sicherzustellen und medizinische Teams zu entlasten, unterstützt Aktion gegen den Hunger öffentliche Gesundheitszentren und ländliche Kliniken durch die Bereitstellung von medizinischer Ausstattung, Medikamenten und wichtigen Verbrauchsmaterialien.

Neben psychologischen Unterstützungsangeboten für die Bevölkerung gibt es ein spezielles Hilfsprogramm zum Schutz der psychischen Gesundheit von Fachkräften an der Front. In den Regionen Charkiw und Sumy bieten Psychologinnen und Psychologen von Aktion gegen den Hunger psychosoziale Unterstützung durch fünf Gruppensitzungen an, die darauf abzielen, die Resilienz der Teilnehmenden zu stärken und Burnout sowie emotionale Erschöpfung vorzubeugen. Das Programm beinhaltet Übungen und Reflexionen zur Selbsterkenntnis und zu persönlichen Grenzen, Praxisanalysen sowie Stress- und Emotionsmanagement und ist speziell an die Bedürfnisse von Helferinnen und Helfern in Frontgebieten angepasst.

Humanitäre Hilfe bleibt dramatisch unterfinanziert

Im Jahr 2026 ist die humanitäre Hilfe in der Ukraine nur zu 13,5 Prozent finanziert. Sie bleibt geschwächt durch rückläufige Finanzierungszusagen aus den USA und Europa. Ein gefährlicher Rückschritt zu einem Zeitpunkt, an dem Kämpfe und Gewalt weiter eskalieren, die Angriffe auf Energieinfrastruktur zunehmen und die Bevölkerung immer verwundbarer wird. 

23. FEBRUAR 2026
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