Eine Familie aus Somalia versucht, zumindest einen Teil ihrer Habseligkeiten vor den Überflutungen zu retten. Sie laufen durchs hüfthohe Wasser.

Verheerende Überschwemmungen: Not in Somalia

Das Wetterphänomen El Nino führt in Ostafrika zu einer Klimakatastrophe: Schon vor wenigen Jahren haben historische, tödliche Überschwemmungen hunderttausende Menschen in Somalia in die Flucht getrieben. Jetzt drohen aufgrund des erwarteten sehr starken El Nino wieder extreme Regenfälle. 

Im Winter 2023 haben sintflutartige Regenfälle im Land am Horn von Afrika die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten verursacht. Betroffen waren weit mehr als eine Million Menschen. Über 334.000 Frauen, Männer und Kinder mussten ihre Häuser verlassen, um Schutz vor den Wassermassen zu suchen. Die schweren Regenfälle, die Anfang Oktober 2023 eingesetzt hatten, hatten Ernten zerstört und erhebliche Schäden an Straßen, Häusern, Kliniken und anderer Infrastruktur verursacht. 

Auf die Dürre in Somalia folgt die Flut: zu viel Wasser auf einmal

Zahlreiche Familien in Somalia leiden immer wieder unter einer anhaltenden und zermürbenden schweren Dürre gelitten. Der Zugang zu Nahrungsmitteln und sauberem Wasser ist stark begrenzt, es gibt nur wenige Möglichkeiten, Geld zu verdienen und den Lebensunterhalt zu sichern. Die Überschwemmungen haben dazu geführt, dass Gesundheitsdienste, Schulen und Märkte nur noch schwer zu erreichen sind. Landwirtschaftliche Flächen, die in den Jahren ohne Regen ausgetrocknet sind, wurden von der Flut einfach weggeschwemmt, weil die trockenen Böden dem vielen Wasser nicht standhalten konnten. Tausende Familien haben alles verloren. Nun droht erneut eine solche Katastrophe – und sie könnte sogar noch schlimmer ausfallen.

Trotz wiederholter Warnungen von Regierungsstellen und humanitären Organisationen verursachten die schweren Regenfälle und die ausgedehnten Überschwemmungen damals in mehreren Bezirken schwere Schäden und forderten Menschenleben. Am stärksten betroffen waren die großen Städte im Südwesten: Baidoa, Bardere, Luuq und Galkacyo. 

In der somalischen Region Gedo wurde die Stadt Luuq fast vollständig überflutet, so dass humanitäre Organisationen und Regierungsstellen Boote zur Rettung und Evakuierung von Menschen einsetzen mussten. In Baidoa, starben vier Menschen am ersten Tag der schweren Regenfälle. In der gesamten Stadt waren Geschäfte geschlossen und jegliches Alltagsleben stand still. 

Die Frühwarnsysteme Somalias haben die humanitären Organisationen vor El Nino und seinen möglichen Auswirkungen gewarnt. Das hat unseren Teams dabei geholfen, sich früher vorzubereiten und den Verlust von Menschenleben im Zuge der Katastrophe zu minimieren. Im September 2023 haben Aktion gegen den Hunger und unsere Partner Vorräte in schwer zugänglichen Gemeinden gelagert. Auch jetzt schlagen die Warnsysteme wieder an. Wir handeln sofort.

Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger helfen beim Aufbau eines neuen Geflüchtetenlagers in Somalia nach den schweren Überschwemmungen.
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Ein Team von Aktion gegen den Hunger in Baidoa begutachtet die Lage in einem Flüchtlingslager, das nach den Regenfällen schnell auf noch trockenem Gebiet aufgebaut wurde.

Vertriebene Familien gehören zu den am meisten gefährdeten Personen 

In Baidoa verlor Khadijo Ali Mohamed, eine 28-jährige Mutter von vier Kindern, die im Vertriebenenlager Gofgalol lebt, ihr gesamtes Hab und Gut. Die Familie hatte nichts mehr zu essen, die Küche war zerstört, die Matratzen in ihrer Unterkunft unbrauchbar. Khadijos Mann ist während der Regenfälle sehr krank geworden – das erschwerte die Lage der Familie zusätzlich.  

„Das Fieber ging nicht zurück und wir hatten keine Möglichkeit, ihn zu dieser nächtlichen Stunde ins Krankenhaus zu bringen. Selbst jetzt haben wir nichts zu essen“, sagte Khadijo Ali Mohamed. 

Sie und andere Bewohner des Vertriebenenlagers waren gezwungen, in andere Gebiete der Stadt zu fliehen. Die Regenfälle hielten an, auch nachdem sie Häuser, Fahrzeuge und – tragischerweise – Menschen weggespült hatten. 

Khadijo Ali Mohamed, eine Frau aus Somalia, im von den Fluten zerstörten Camp – all ihr Hab und Gut ist weg.
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Khadijo Ali Mohamed sah, wie das Hab und Gut ihrer Familie von den Fluten weggespült wurde.

Am Morgen des 6. Oktober 2023, als das Team von Aktion gegen den Hunger in den Lagern eintraf, wurden die Schreie der Kinder vom Dauerregen übertönt. Die Teammitglieder treffen nur wenige Menschen an, darunter Khadijo und ihre Familie. Sie kehrten zurück, um Stöcke und zerfledderte Stoffreste aus ihrer beschädigten Notunterkunft zu bergen. Daraus wollen sie eine neue Unterkunft bauen, um sich vor der Kälte zu schützen.

Mukhtar Mohamed, ein Lagerleiter in Gofgalool, sprach am Tag nach dem schwersten Regen mit den Teams von Aktion gegen den Hunger, die sich um die Rettung der Menschen und die Bewertung der Schäden kümmern. Ihm zufolge lebten in dem Lager mehr als 300 Vertriebene, darunter schwangere Frauen, Kinder und ältere Menschen. 

„Niemand in diesem Lager hat heute Nacht ein Auge zugemacht. Diejenigen, die noch ein bisschen Glück hatten, standen in ihren zur Hälfte mit Wasser gefüllten Zelten und harrten dort aus. Andere haben ihre Zelte in der Nacht verloren und konnten sich gar nicht vor dem Regen schützen“, erzählte er uns damals. 

Kinder spielen in dem verschmutzten Flutwasser in einem überschwemmten Hof.
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Kinder spielen in einem Wassertümpel in Baidoa. Während der starken Regenfälle sind Cholera und durch Wasser übertragene Krankheiten weit verbreitet und gefährden das Leben gefährdeter Familien. 

Die Gefahren von schmutzigem Wasser 

Vertriebene Familien sind prekären Umständen ausgesetzt. Überschwemmungen wie diese verschlimmern ihre ohnehin schon schwierige Situation noch. Sauberes Wasser ist knapp und es gibt in solchen Situationen oft keine sanitären Anlagen oder auch nur Waschstationen. Insbesondere Baidoa ist ein Gebiet, in dem durch Wasser übertragene Krankheiten wie Cholera auftreten können, die zu akuter wässriger Diarrhö führen und vor allem für schon geschwächte Menschen und Kinder gefährlich werden können.   

Der Nothilfebeauftragte von Aktion gegen den Hunger, Ibrahim Abdirahman, warnt, dass verunreinigtes Wasser eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt, insbesondere bei Regen. „Abwässer aus der ganzen Stadt werden in die Brunnen gespült, was die Ansteckungsgefahr erhöht“, erklärt Abdirahman.

Auch Moskitos finden nach dem Regen zahlreiche Brutstätten. Die Zahl der Malariafälle nimmt dann schnell zu – auch hier sind besonders schon geschwächte Personen und Kinder unter fünf Jahren besonders gefährdet. 

Im Rahmen unserer Soforthilfe hat das Team von Aktion gegen den Hunger damals direkt Wasserstellen dekontaminiert, Wasseraufbereitungstabletten bereitgestellt, Hygieneartikel verteilt und die Menschen über die Bedeutung guter Hygienepraktiken aufgeklärt, um den Ausbruch von Krankheiten in den von uns betreuten Gemeinden zu verhindern. Auch diese Maßnahmen werden wir wieder durchführen, wenn die Situation es verlangt.

Ein Geflüchtetenlager steht vollständig unter Wasser, das durch die sandigen Böden braun eingefärbt ist.
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Vertriebene Familien, die in instabilen, provisorischen Unterkünften leben, sind durch die Überschwemmungen besonders gefährdet. 

Hohe Wasserstände bedeuten hohe Preise 

Überschwemmungen zerstören außerdem die Märkte. Das Team für Ernährungssicherheit und Existenzsicherung von Aktion gegen den Hunger stellt immer wieder fest, dass in solchen Notsituationen selbst gängige Lebensmittel wie Reis, Öl, Zucker und Mehl, aber auch Gemüse, sehr viel teurer werden und für die Bevölkerung kaum noch erschwinglich sind. 

Die steigenden Preise für Waren verschärfen die Ernährungssicherheit in einem Land wie Somalia schnell, wo durch den Klimawandel bedingte Dürreperioden Millionen Menschen in den Hunger treiben. El Nino trifft Länder wie Somalia dann besonders schlimm, weil starke Regenfälle auf ausgedorrte Böden treffen, die kaum Wasser aufnehmen können. Wir rechnen damit, dass der Regen im Oktober einsetzen wird. 

Die Gesundheitsteams von Aktion gegen den Hunger stehen bereit, um die besonders betroffenen Gemeinden zu besuchen und schnellstmöglich Hilfe zu leisten. Darüber hinaus stellen wir Soforthilfe in Form von Bargeld bereit, um die bedürftigen Familien zu unterstützen und ihnen den Kauf von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern zu ermöglichen. Unsere Teams werden in den kommenden Wochen und Monaten bei Bedarf auch Notlatrinen in den Vertriebenenlagern errichten, um die sanitären Verhältnisse zu verbessern und das Risiko des Ausbruchs von Krankheiten zu verringern. 

Jetzt ist es wichtig, die Frühwarnungen ernst zu nehmen und Menschen in besonders gefährdeten Gebieten bereits jetzt vorzubereiten. 

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1. OKTOBER 2026