Menschen tragen ein Bündel Äste auf ihren Köpfen in Äthiopien.

ÄTHIOPIEN

WIE WIR HELFEN
Ernährung und Gesundheit Ernährung und Gesundheit
Lebensgrundlagen Lebensgrundlagen
Wasser, Sanitär und Hygiene Wasser, Sanitär und Hygiene
Psychosoziale Hilfe Psychosoziale Hilfe
Katastrophenvorsorge Katastrophenvorsorge
KERNFAKTEN

Wir helfen seit:  1985

Mitarbeiter*innen:  567

Bevölkerung:  118 Mio.

Erreichte Menschen 2020:  1.872.014

Unterernährungsrate:   27,6 %

Nach Nigeria ist Äthiopien mit rund 118 Millionen Einwohnenden das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas. Zuletzt boomte die Wirtschaft – die Armut ging sowohl in den städtischen als auch in den ländlichen Regionen zurück. Doch mittlerweile gehört Äthiopien zu den Ländern mit den schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Das hat gleich mehrere Gründe: Nach einer anhaltenden Heuschreckenplage sind die Nachwirkungen der Corona-Pandemie noch deutlich spürbar und die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich durch Überschwemmungen und anhaltende Dürre in weiten Teilen des Landes. Zudem erschüttern seit Ende 2020 gewaltsame Spannungen den Norden Äthiopiens um die Region Tigray. Der Konflikt dort zählt zu den tödlichsten Konflikten weltweit. Auch humanitäre Organisationen kamen zuletzt kaum in die Region, in der die Menschen immer wieder am Rande einer Hungersnot stehen. Armut, Perspektivlosigkeit und Hunger erschweren den Menschen in ganz Äthiopien das Leben. Rund 26 Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, über die Hälfte davon sind Kinder. 8,6 Millionen Frauen, Männer und Kinder leiden unter akutem Hunger. Äthiopien belegte im Jahr 2021 Platz 175 von 191 im Human Development Index. 

Was sind die Gründe für die humanitäre Krise in Äthiopien?

In Äthiopien arbeitet ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Anhaltende Dürre, besonders im Süden und Südosten des Landes, sowie schwere Überschwemmungen führten in den vergangenen Jahren zunehmend zu Missernten und Viehsterben. Die Dürre bedroht rund 10 Millionen Menschen, darunter etwa 4,4 Millionen Kinder. Das Land am Horn von Afrika kämpfte neben COVID-19 auch mit einer Cholera-Epidemie im Nachgang an die historische Dürre des Jahres 2016.  

Vor allem die Situation in Äthiopiens Norden reißt die wirtschaftlichen Erfolge wieder ein. Im November 2020 hatten Truppen der Regierung aus der Hauptstadt Addis Abeba in der nördlichen Region Tigray eine Offensive gegen die dortige Rebellengruppe TPLF begonnen. Seitdem mussten tausende Menschen, auch aus der Zivilbevölkerung, ihr Leben lassen. Der Konflikt beeinflusst auch die angrenzenden Regionen Afar und Amhara. Familien mussten ihr Zuhause verlassen. In den drei Regionen benötigen schätzungsweise 13 Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfe. In den vergangenen zwei Jahren standen die Menschen im Norden wiederholt am Rande der Hungersnot. Währenddessen sind viele Krankenhäuser und Schulen in den betroffenen Regionen durch Angriffe nicht funktionstüchtig. Die Region Tigray war zuletzt nahezu von der Außenwelt abgeschnitten, was auch uns die nötigen Hilfsmaßnahmen erschwert hat. 

Derzeit herrscht ein Waffenstillstand – die Konfliktparteien haben sich darauf geeinigt, die Kriegshandlungen ruhen zu lassen und gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Endlich rollen auch wieder vermehrt LKWs mit Hilfsgütern ins Land – das war lange Zeit nur sehr eingeschränkt und unter hohem Risiko möglich. Doch der Frieden ist fragil. Aktion gegen den Hunger setzt alles daran, jede Minute zu nutzen und so viele Menschen wie möglich zu unterstützen.

Was sind die humanitären Herausforderungen in Äthiopien? 

Trockenperioden, Überschwemmungen, eine wachsende Bevölkerung und schwere Konflikte führen zu einer rapide steigenden Ernährungsunsicherheit. Die Spannungen im Land treiben Menschen aus ihrer Heimat zur Flucht innerhalb des Landes. Hinzu kommen Geflüchtete aus anderen Ländern: Durch die instabile Situation im angrenzenden Südsudan suchen hunderttausende Menschen aus dem Nachbarland Schutz in Äthiopien. Das stellt die humanitäre Hilfe vor große Herausforderungen.  

Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Äthiopien?

Aktion gegen den Hunger ist seit 1985 in Äthiopien aktiv. In den letzten Jahren haben unsere Teams die Hilfe für Flüchtlinge in den Camps und Grenzregionen weiter ausgebaut und verbessert: 

  • Wir verteilen Lebensmittel und behandeln akut mangelernährte Kinder.
  • Schwangere und stillende Frauen erhalten Ernährungshilfen und psychosoziale Betreuung.
  • Wir verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung, um dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen und unterstützen beim Schutz vor COVID-19.
  • Wir stärken die Lebensgrundlagen der Menschen durch Nahrungsmittelsicherungsprogramme. 
  • Mit robustem Saatgut, Dünger und passendem Werkzeug helfen wir den lokalen Bäuerinnen und Bauern, sich widerstandsfähiger gegen Dürren zu wappnen.
  • Speziell in Tigray haben wir Notprogramme gestartet, um den Menschen beizustehen. 

In diesen Bereichen haben wir geholfen:

Wasser, Sanitär und Hygiene
762.813
Menschen haben Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen erhalten
Lebensgrundlagen
141.550
Menschen konnten ihre Lebensgrundlagen auf eine sichere Basis stellen
Ernährung und Gesundheit
668.956
Menschen haben Nahrungsmittel erhalten

Neben Spenden finanziert sich unsere Arbeit auch durch Förderungen und Zuwendungen institutioneller Geber*innen. Der folgende Absatz informiert Sie über Projekte, die direkt durch diese Art der Unterstützung realisiert werden können. Hier informieren wir über die Herkunft all unserer Mittel.

Laufende Projekte

Humanitäre Hilfe zur Verbesserung der Ernährungslage in Subsahara Afrika
  • Direkt Begünstigte: rund 1.348.000  

  • Laufzeit: Juli 2021 – Juni 2024  

  • Mittelherkunft: Auswärtiges Amt, Aktion gegen den Hunger  

  • Fördervolumen: 17.204.300 Mio. € 

Es handelt sich um ein Regionalprojekt, welches in insgesamt 6 Ländern Subsahara-Afrikas umgesetzt wird (Äthiopien, Mali, Sudan, Südsudan, Somalia und Uganda). Das Ziel des Projekts ist es den Ernährungszustand, der von Krisen und Konfliktsituationen betroffenen Menschen zu verbessern. Da sowohl die unmittelbaren Auswirkungen, als auch die Ursachen von Mangelernährung bekämpft werden sollen, nutzt das Projekt einen ganzheitlichen Ansatz. Diese Vorgehensweise verknüpft verschiedene Sektoren miteinander: Es werden Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, (psychische) Gesundheit, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH), Lebensmittelsicherheit sowie Katastrophenvorsorge umgesetzt.  

Zudem beinhaltet das Projekt eine Advocacy-Strategie. Fokus der Advocacy-Bemühungen im vorliegenden Projekt sind der Themenkomplex Klima und Hunger, die Stärkung lokaler Advocacy-Aktivitäten betroffener Gemeinschaften und die Ausweitung von evidenzbasierten lebensrettenden Maßnahmen im Bereich akuter Mangelernährung. Die Strategie soll unser Hauptziel einer Welt ohne Hunger auf der Ebene lokaler, regionaler und globaler Entscheidungstragenden verankern. Vor allem den Menschen, die von klimabedingtem Hunger betroffen sind, wird so durch Aktion gegen den Hunger global Gehör verschafft und eine klimafreundlichere Politik angestoßen.  

Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:  

  • Ausstattung und Schulung von Gesundheitspersonal und Gesundheitshelfer*innen in den Gemeinden zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung 
  • Unterstützung von gesunder Ernährung und Pflegepraktiken von Müttern, Säuglingen und Kleinkindern 
  • Schulung von Gesundheitshelfer*innen in den Gemeinden zur schnellen Behandlung von Krankheiten bei Kindern unter fünf Jahren, bzw. deren Überweisung an stationäre Einrichtungen  
  • Verteilung von lebenswichtigen Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln
  • Sensibilisierung für Gesundheitshygiene und Förderung von guten Hygienepraktiken  
  • Notversorgung mit Wasser und sanitären Anlagen  
  • Bargeldtransfers für von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen, zur Überbrückung von extremen Hungerphasen  
  • Schulung von lokalem Regierungspersonal und krisenbetroffenen Gemeinden im Bereich Katastrophenvorsorge und gemeinsame Entwicklung von Katastrophen-Aktionsplänen 
  • Aufbau einer Evidenzbasis zu den konkreten Folgen von klimabedingtem Hunger  
  • Organisation einer Advocacy-Kampagne und internationalen Runden Tischen, um auf das Thema des klimabedingten Hungers aufmerksam zu machen und die Ausarbeitung von klimaresilienten politischen Strategien zu fördern  
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