Menschen in der Demokratischen Republik Kongo mit Masken waschen sich die Hände nach Ausbruch des Ebola-Virus.

Ebola verschärft humanitäre Krise im Kongo: Aktion gegen den Hunger verstärkt Nothilfe

Pressemitteilung vom: 21.05.2026

Die Ebola-Epidemie trifft die Demokratische Republik Kongo inmitten einer bereits dramatischen humanitären Lage. Aktion gegen den Hunger passt die Hilfsmaßnahmen kontinuierlich an, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die Hilfsorganisation warnt vor gravierenden Folgen für Millionen Menschen und fordert die internationale Gemeinschaft zu entschlossenem Handeln und deutlich mehr finanzieller Unterstützung auf.

Die Ausgangslage ist alarmierend: In dem Land mit 113 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind rund 15 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Insgesamt leiden 26,5 Millionen Menschen unter akuter Ernährungsunsicherheit. Besonders betroffen sind die östlichen Provinzen Ituri und Nord-Kivu, wo Konflikte, Vertreibung und Ebola zusammenkommen. Allein in diesen Regionen sind etwa 10 Millionen Menschen betroffen, davon 1,5 Millionen in Ituri. In einigen Gebieten herrscht bereits eine akute Notlage (IPC-Stufe 4).

Die Ebola-Epidemie wirkt sich unmittelbar auf die Gesundheitsversorgung aus: „Unsere Teams vor Ort berichten, dass viele Familien aus Angst vor Ansteckung Gesundheitseinrichtungen meiden. Dadurch werden lebenswichtige Leistungen insbesondere für Mütter, Kinder und mangelernährte Menschen stark eingeschränkt. Gleichzeitig erschweren Versammlungsbeschränkungen die humanitäre Hilfe”, sagt Jan Sebastian Friedrich Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.  

Ebola – warum die aktuelle Epidemie anders ist

Seit der Jahrtausendwende ist es beinahe jedes Jahr zu neuen Ebola-Ausbrüchen gekommen, doch die aktuelle Epidemie unterscheidet sich deutlich von den bisherigen. Die Afrikanische Union hat deswegen bereits den Notstand für den gesamten Kontinent ausgerufen. Besonders alarmierend ist die Beschaffenheit des Erregers: Im Kongo wurde die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus nachgewiesen. Laut WHO existieren dagegen weder ein zugelassener Impfstoff noch eine wirksame Behandlung, was die Eindämmung deutlich erschwert.

Folgen politischer Kürzungen werden sichtbar  

„Der aktuelle Ebola-Ausbruch macht die Folgen politischer Kürzungen unmissverständlich sichtbar: Präventionsprogramme wurden zeitweise gestoppt, USAID-Mittel eingefroren und die finanzielle Unterstützung der WHO eingeschränkt. Dadurch wurden Überwachung, Früherkennung und Reaktionsfähigkeit geschwächt – mit direkten Auswirkungen auf die Ausbreitung der Krankheit. Diese fehlenden Schutzmechanismen kosten am Ende Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich Rust.

Hilfe ausbauen und Finanzierung sichern  

Aktion gegen den Hunger reagiert mit konkreten Maßnahmen vor Ort. Die Organisation ist in mehreren Gesundheitszonen aktiv, darunter Mongbwalu, Drodro, Jiba und Lita in Ituri sowie Mweso, Bambo und Birambizo in Nord-Kivu, und arbeitet eng mit einer lokalen Partnerorganisation zusammen. In Ituri wurde medizinisches Personal in zwölf Gesundheitseinrichtungen mit Schutzausrüstung ausgestattet. Gleichzeitig werden Gesundheitszentren durch Maßnahmen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene unterstützt, etwa durch Instandsetzungen sowie die Bereitstellung von Desinfektionsmittel.

Diese Hilfe ist dringend notwendig, denn die strukturellen Defizite sind gravierend: Nur 37 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sicherem Trinkwasser, 84 Prozent keinen Zugang zu angemessener Sanitärversorgung. Gleichzeitig verfügen lediglich 30 Prozent der Gesundheitseinrichtungen über eine Wasserversorgung – grundlegende Maßnahmen wie Händewaschen sind vielerorts nicht möglich.

Um die Epidemie einzudämmen, baut Aktion gegen den Hunger ihre Maßnahmen weiter aus. Dazu gehören Schulungen für Gesundheits- und Gemeindepersonal zur Infektionsprävention, der Aufbau von Triage- und Überweisungssystemen, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie die Sicherstellung der Gesundheits- und Ernährungsversorgung für besonders gefährdete Gruppen, insbesondere Kinder unter fünf Jahren. Auch Ebola-Erkrankte erhalten gezielte Ernährungsunterstützung. Ergänzend werden psychosoziale Angebote für Betroffene, Familien und besonders gefährdetes Gesundheitspersonal verstärkt.

Die Folgen der Epidemie gehen jedoch über den Gesundheitsbereich hinaus. In Ituri und Nord-Kivu sind viele Menschen auf lokale Märkte angewiesen, um ihre Familien zu ernähren. Durch Einschränkungen und Quarantänemaßnahmen verlieren viele ihre Einkommensquellen. Besonders in Regionen, in denen grenzüberschreitende Arbeit ein zentraler Bestandteil des Lebensunterhalts ist, drohen langfristige wirtschaftliche Schäden und eine weitere Verschärfung der Hungerkrise.

Trotz des enormen Bedarfs bleibt die internationale Unterstützung unzureichend: Der humanitäre Reaktionsplan für die DR Kongo war im Jahr 2025 nur zu 25 Prozent finanziert. Aktion gegen den Hunger ruft daher dringend zu einer stärkeren Mobilisierung von Mitteln auf. Nur so kann die Ausbreitung des Virus eingedämmt, die medizinische Versorgung gesichert und verhindert werden, dass betroffene Bevölkerungsgruppen in dieser Krise allein gelassen werden. 

21. MAI 2026
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