Grafik: 73 Prozent der Deutschen finden, die internationale Gemeinschaft sollte mehr Mittel bereitstellen, um Hunger und Armut weltweit zu bekämpfen.

Forsa-Umfrage: Mehrheit lehnt Kürzungen bei humanitärer Hilfe ab

Pressemitteilung vom: 01.07.2026

Eine große Mehrheit (86 Prozent) der Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage der Ansicht, dass sich humanitäre Hilfe allein nach der Schwere der Not und nicht an geopolitischen Interessen orientieren sollte. Zugleich sprechen sich 73 Prozent dafür aus, dass die internationale Gemeinschaft mehr Mittel zur Bekämpfung von Hunger und Armut weltweit bereitstellt. Die massiven Kürzungen der Bundesregierung in der humanitären Hilfe stoßen in der Bevölkerung auf deutliche Kritik: 48 Prozent aller Befragten halten die Kürzungen für zu stark.

„Die aktuelle Forsa-Umfrage ist ein Weckruf für die Bundesregierung“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. „Die Menschen in Deutschland erwarten, dass humanitäre Hilfe auch in Zeiten knapper Kassen wichtig bleibt. Die Koalition muss diese Botschaft ernst nehmen und sicherstellen, dass sich dieser Rückhalt im Haushaltsentwurf 2027 widerspiegelt.“

Obwohl humanitäre Hilfe im Vergleich zu anderen außenpolitischen Bereichen eine geringere Priorität genießt, stößt der drastische Sparkurs der Bundesregierung und die Kürzung der Mittel für die weltweite Nothilfe um mehr als die Hälfte auf Ablehnung: Rund die Hälfte (48 Prozent) aller Befragten findet die Kürzungen zu stark.

Nur 0,2 Prozent des Bundeshaushalts für humanitäre Hilfe

Gleichzeitig empfinden 37 Prozent der Deutschen die Ausgaben für humanitäre Hilfe generell als zu niedrig, ein Drittel (33 Prozent) hält diese für angemessen. Lediglich 18 Prozent halten sie für zu hoch. Der Anteil der Ausgaben für humanitäre Hilfe am Gesamthaushalt der Bundesregierung liegt im Jahr 2026 bei rund 0,2 Prozent. Am 6. Juli will die Bundesregierung den Kabinettbeschluss für den Haushalt 2027 vorlegen.  

„Die Bundesregierung steht vor einer Richtungsentscheidung: Investiert sie weiter in humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit oder zieht sie sich aus ihrer internationalen Verantwortung zurück? Kürzungen im Haushalt gefährden nicht nur Menschenleben, sondern schwächen auch Deutschlands Rolle als verlässlicher Partner in Krisenzeiten“, so Jan Sebastian Friedrich-Rust. Bis 2030 könnten die weltweiten Kürzungen der Hilfsgelder bis zu 22,6 Millionen Menschen das Leben kosten, darunter fünf Millionen Kinder.  

Einschätzung außenpolitischer Aufgaben

Im direkten Vergleich verschiedener außenpolitischer Aufgaben messen die Bundesbürger der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung die höchste Bedeutung bei: 70 Prozent halten dieses Engagement für besonders wichtig. Es folgen Diplomatie und Konfliktlösung (63 Prozent), militärische Sicherheit und Verteidigung (55 Prozent) sowie Klimaschutz und die internationale Umweltpolitik (44 Prozent).  Für 40 Prozent ist die humanitäre Hilfe wie Katastrophen- oder Nothilfe besonders wichtig.  

Die überwältigende Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, humanitäre Hilfe sollte sich ausschließlich an der Not orientieren und nicht an geopolitischen Interessen (86 Prozent). Zudem sollte sich die Bundesregierung verstärkt für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einsetzen (83 Prozent). Fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) sind der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.  

Mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht Deutschland in einer grundsätzlichen Verantwortung, Menschen in Not weltweit und unabhängig von eigenen nationalen Interessen zu helfen. Diese Haltung spiegelt sich auch im persönlichen Engagement wider: 58 Prozent der Befragten können sich vorstellen, selbst für humanitäre Hilfe im Ausland zu spenden.

„In Zeiten geopolitischer Umbrüche und gesellschaftlicher Polarisierung sind die Umfrageergebnisse ein starkes Zeichen für Solidarität und Verantwortung. Für die deutsche Bevölkerung ist humanitäre Hilfe kein Werkzeug geopolitischer Interessen, sondern eine moralische Verpflichtung, die sich an der Not der Betroffenen orientiert“, so Friedrich-Rust. „Nach den massiven Kürzungen der Hilfsgelder fordern die Menschen mehr Engagement bei der Bekämpfung von Hunger und Armut.“

Hinweise:

  • Die repräsentative Umfrage zum Thema „Bedeutung der internationalen humanitären Hilfe“ wurde von forsa - Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH durchgeführt. Befragt wurden 1.008 Personen ab 18 Jahren, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden. Die Befragung wurde vom 9. bis 11. Juni 2026 telefonisch durchgeführt.
  • Die Ergebnisse und die grafische Auswertung der Befragung sind hier verfügbar.
1. JULI 2026
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