Mitarbeiter*innen von Aktion gegen den Hunger mit Protestschildern "Solidarität nicht kaputtsparen!" und "Kürzungen stoppen"

Haushalt 2027: Keine Kürzungen bei internationaler Hilfe!

Pressemitteilung vom: 29.04.2026

Heute stellt der Bundesfinanzminister den Regierungsentwurf zu den Haushaltseckwerten 2027 sowie den Finanzplan für die Jahre 2028 bis 2030 vor. Erneut drohen dabei massive Kürzungen im Etat für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem weltweit so viele Menschen wie nie zuvor auf Unterstützung angewiesen sind.

Dazu kommentiert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger:

  • „Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit sind auch haushaltspolitisch kurzsichtig. Hunger, Krisen und Instabilität verursachen langfristig ein Vielfaches mehr an Kosten als Prävention. Wer heute spart, verschiebt die Rechnung nur – und macht sie am Ende deutlich teurer.“
  • „Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben.“ 
  • „Jetzt ist der Moment, Verantwortung zu übernehmen. Wenn die Bundesregierung im Haushalt 2027 bei Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe kürzt, dann nimmt sie in Kauf, dass Menschen sterben.“

Die internationalen Hilfsgelder gehen schon seit einigen Jahren zurück. Welche schwerwiegenden Konsequenzen solche Kürzungen haben, zeigt sich exemplarisch an den Folgen des Stopps der USAID‑Finanzierung. Studien zeigen, dass die globalen Kürzungen bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 22 Millionen zusätzliche Menschenleben kosten könnten, darunter fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren.

Fallbeispiel 1 Mali:

Mali erlebt aktuell eine schwere humanitäre Krise. Dort treffen die Mittelkürzungen vor allem die Bevölkerungsgruppen, die bereits am stärksten unter Hunger und Armut leiden. 2025 erhielten nicht einmal die Hälfte der betroffenen Menschen Unterstützung bei der Ernährungssicherung. Im Jahr 2026 werden Schätzungen zufolge über eine Million Kinder von akuter Mangelernährung betroffen sein, darunter 230.000 schwere Fälle. Auch Projekte von Aktion gegen den Hunger sind direkt betroffen.

Mamadou Diop, Länderdirektor Mali von Aktion gegen den Hunger:

„Die Auswirkungen dieser Kürzungen gehen weit über das Beenden konkreter Hilfsprogramme hinaus. Sie tragen dazu bei, dass in von Armut und Hunger betroffenen Gemeinden essenzielle gesundheitliche Unterstützungsangebote wegbrechen und der soziale Zusammenhalt bröckelt – mit verheerenden Folgen.“

Fallbeispiel 2 Afghanistan:

Auch Afghanistan ist massiv von den Kürzungen betroffen: Bis 2025 wurde die humanitäre Hilfe im Land zu einem großen Teil aus US-amerikanischen Mitteln finanziert. Nach der Auflösung von USAID wurden rund 560 Millionen US-Dollar an humanitärer Hilfe aus Afghanistan abgezogen und ein relevanter Teil der humanitären Infrastruktur brach zusammen. Über 400 Gesundheitszentren und 200 Ernährungszentren mussten schließen – eine katastrophale Nachricht in einem Land, in dem etwa 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

Lily Sparks, Aktion gegen den Hunger Afghanistan:

„In Afghanistan passiert eine der schwersten humanitären Krisen der Welt. 3,7 Millionen Kinder in Afghanistan leiden unter Mangelernährung. Wir sehen die Auswirkungen der massiven Mittelkürzungen bis heute – vor allem Frauen und Kinder haben weniger Zugang zu Gesundheitsversorgung und Ernährungsleistungen.“

Hintergrund:

In Deutschland gehen die öffentlichen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereits seit einigen Jahren zurück. Im Haushalt 2025 wurde der Etat des Entwicklungsministeriums um eine Milliarde Euro gekürzt und die Mittel für humanitäre Hilfe um mehr als die Hälfte beschnitten. 2026 entspricht das Budget für humanitäre Hilfe mit rund einer Milliarde nur noch 0,2 Prozent des Gesamthaushalts. Der Etat für Entwicklungszusammenarbeit sank auf zehn Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Anteil seit 15 Jahren. Insgesamt machen die Budgets für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit nur einen Bruchteil des Gesamtetats der deutschen Regierung aus.

Durch Kriege, die Klimakrise und wachsende wirtschaftliche Ungleichheit leiden immer mehr Menschen weltweit unter Hunger und Armut. Für das Jahr 2026 wird geschätzt, dass rund 230 Millionen Menschen auf humanitäre Nothilfe angewiesen sind – etwa so viele Menschen, wie in den sechs Gründungsstaaten der Europäischen Union zusammenleben. 

29. APRIL 2026
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