
Fragen und Antworten zur Bündnispetition „Solidarität nicht kaputtsparen“
Während globale Krisen eskalieren, kürzen Regierungen auf der ganzen Welt ihre Mittel für internationale Hilfe – ein fataler Trend. Denn durch Kriege, die Folgen der Klimakrise und wirtschaftliche Ungleichheit leiden immer mehr Menschen weltweit unter Armut und Hunger. Im Jahr 2026 werden laut Schätzungen rund 230 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen sein [1]. Das sind etwa so viele Menschen wie in den Gründungsstaaten der Europäischen Union (Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg) zusammengenommen leben!
Im Vergleich zum Vorjahr sind die globalen Gelder für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2025 um über 23 Prozent eingebrochen [2]. Auch die deutsche Regierung hat ihre Gelder für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit drastisch beschnitten. Dabei müssten Merz, Klingbeil und Co. gerade jetzt Rückgrat beweisen und Deutschlands globales Engagement ausweiten – um Menschenleben zu retten und zukünftige Krisen zu verhindern. Unterschreibe hier unsere Petition gegen Kürzungen und für mehr internationale Hilfe!
Zusammen mit über 15 anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Oxfam, Brot für die Welt und der Welthungerhilfe haben wir die Petition „Solidarität nicht kaputtsparen – internationale Hilfe stärken” gestartet. Mit diesem breiten Bündnis wollen wir zeigen: Wir sind viele, wir sind laut und wir sprechen mit einer Stimme. Wir lassen nicht zu, dass die Finanzierung für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit weiter ausgehöhlt wird. Denn das Schicksal von Millionen Menschen ist uns nicht egal. Wir glauben daran, dass wir mit genügend Weitsicht und Entschlossenheit den weltweiten Hunger besiegen können. Gemeinsam.
Die Folgen der weltweiten Kürzungen
Die internationalen Hilfsgelder gehen schon seit einigen Jahren zurück. Doch seit der Abwicklung der US-amerikanischen Hilfsagentur USAID im Jahr 2025 hat es einen regelrechten Erdrutsch gegeben. Die USA als größter Geber sind fast vollständig ausgefallen – die Trump-Administration stoppte insgesamt 83 Prozent der unterstützten Programme. Weitere Regierungen haben ihre Mittelzusagen ebenfalls reduziert, darunter auch die deutsche Bundesregierung.
„Und da muss man auch ganz ehrlich sein: Jeder Cent, den wir dort kürzen, der kostet an anderer Stelle Menschenleben.”

Die Folgen sind katastrophal: Humanitäre Helfer*innen werden abgezogen, Hilfspakete nicht geliefert, Gesundheitszentren leergeräumt. Für betroffene Menschen bedeutet das: Hunger und Mangelernährung breiten sich aus, Krankheiten können nicht behandelt werden, Familien in Not erhalten keine Hilfe mehr. Studien zeigen, dass die globalen Kürzungen bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 22,6 Millionen zusätzliche Menschenleben kosten könnten, darunter fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren [3].
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Petition
In Deutschland gehen die öffentlichen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereits seit einigen Jahren zurück. Im Haushalt 2025 wurde der Etat des Entwicklungsministeriums um eine Milliarde gekürzt und die Mittel für humanitäre Hilfe um mehr als die Hälfte beschnitten [4]. 2026 entspricht das Budget für humanitäre Hilfe mit rund einer Milliarde nur noch 0,2 Prozent des Gesamthaushalts. Der Etat für Entwicklungszusammenarbeit sank mit zehn Milliarden Euro auf den niedrigsten Anteil seit 15 Jahren [5]. Für den Haushalt 2027 hat die Bundesregierung nun weitere Kürzungen geplant: 600 Millionen Euro sollen bei der Entwicklungszusammenarbeit gespart werden. Das müssen wir verhindern!
Durch Konflikte, die Folgen des Klimawandels und wirtschaftliche Ungleichheit sind immer mehr Menschen weltweit auf Nothilfe angewiesen – über 230 Millionen Menschen wird dies voraussichtlich 2026 betreffen [1]. Besonders schlimm ist die Situation in Konfliktregionen. Im Sudan hat der anhaltende Konflikt eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit ausgelöst, unter der die Zivilbevölkerung extrem leidet. Über die Hälfte der Kinder ist so schwer unterernährt, dass selbst einfache Behandlungen oft zu spät kommen. Im Gazastreifen hungern Familien zwischen zerbombten Häusern – ohne Strom, ohne sauberes Wasser und ohne die Gewissheit, am nächsten Tag essen zu können.
Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit retten Menschenleben – und zeigen Zukunftsperspektiven auf. Denn Armut, Hunger und Ungleichheit sind die Gründe dafür, dass Millionen Menschen – ganz besonders Kinder, Frauen und marginalisierte Menschen – kein sicheres, gesundes und selbstbestimmtes Leben führen können.
Die positive Wirkung von Hungerbekämpfung ist wissenschaftlich erwiesen. Laut Angaben der Weltbank bringt jeder Euro, der in die Bekämpfung von Hunger investiert wird, 23 Euro zurück [6]. Denn Investitionen in Ernährung sind Investitionen in eine gesunde Gesellschaft. Kinder können sich besser und gesünder entwickeln und der Staat spart beispielsweise Kosten im Gesundheitssystem.
Zwischen 1990 und 2015 hat die internationale Weltgemeinschaft große Erfolge im Einsatz gegen den Hunger erzielt und konnte viele Menschen weltweit aus der Falle von Armut und Hunger befreien. Seitdem steigt der Hunger auf der Welt jedoch wieder – Grund dafür sind globale Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und die fortschreitende Klimakrise. Rund 673 Millionen Menschen leiden aktuell an Hunger.
Dabei ist das Wissen längst vorhanden, wie wir unsere Ernährungssysteme umgestalten müssten, damit wir alle Menschen auf der Erde gesund ernähren können. Die sogenannte „Eat Lancet Kommission” arbeitete schon 2020 heraus, dass unser Planet zehn Milliarden Menschen ernähren könnte, wenn wir unsere Speisepläne, unsere Landwirtschaft sowie die Verarbeitung und den Transport von Nahrungsmitteln radikal ändern und nachhaltig gestalten würden [7].
Eine oft genannte Messgröße in diesem Kontext ist die 0,7-Prozent-Marke. Die Weltgemeinschaft hat sich schon vor über 50 Jahren darauf verständigt, dass Industrieländer mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens in humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit investieren sollen. In den letzten fünf Jahren haben allerdings nur sechs Länder dieses Ziel tatsächlich erreicht. Auch Deutschland ist weiter entfernt davon als je zuvor. Berechnungen von VENRO ergeben, dass die aktuelle ODA-Quote Deutschlands nur bei 0,56 Prozent liegt [2]. Dieses Minimum an Solidarität müssen wir uns in Krisenzeiten leisten!
Konkret fordern wir für den Haushalt 2027:
- 2,8 Milliarden Euro für die humanitäre Hilfe
- 11,2 Milliarden Euro für das Entwicklungsministerium
Die Petition „Solidarität nicht kaputtsparen“ fordert Bundeskanzler Friedrich Merz, Finanzminister Lars Klingbeil und die Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn (CDU/CSU) und Matthias Miersch (SPD) dazu auf, die für den Bundeshaushalt 2027 geplanten Kürzungen in der humanitären Hilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit zu stoppen. Wir fordern die deutsche Bundesregierung dazu auf, globale Verantwortung zu übernehmen und die internationale Hilfe wieder zu stärken.
ADRA Deutschland
Aktion gegen den Hunger
Brot für die Welt
CARE Deutschland
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Global Citizen
Help – Hilfe zur Selbsthilfe
Hirschfeld-Eddy-Stiftung
International Rescue Committee (IRC) Deutschland
Misereor
NRC Flüchtlingshilfe Deutschland
ONE Deutschland
Oxfam Deutschland
Terre des Hommes Deutschland
VENRO – Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen
Deutsche Welthungerhilfe
Women for Women International
Je mehr Unterschriften wir sammeln, desto lauter und sichtbarer werden unsere Forderungen – und desto größer wird der Druck auf Merz, Klingbeil und Co., unser Anliegen ernst zu nehmen und die Finanzierung für internationale Hilfe wieder auszubauen. Erzähl auch deinen Freund*innen von der Petition und bitte sie zu unterzeichnen!
Ganz konkret lassen sich die Auswirkungen der Mittelkürzungen in unseren Projektländern beobachten. Wir haben mit Kolleg*innen in Kamerun, Afghanistan und Mali gesprochen. Sie haben uns berichtet, wie Projekte über Nacht gestoppt werden und Mitarbeitende entlassen werden mussten – und wie drastisch sich die sinkenden Budgets auf das Leben der Menschen auswirken.
Um unsere lebensrettenden humanitären Programme weltweit weiterführen zu können, brauchen wir eine ausreichende öffentliche Finanzierung von humanitärer Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Setz du dich mit uns dafür ein, dass die deutsche Bundesregierung ihre Gelder für internationale Hilfe nicht weiter kürzt – sondern langfristig in eine gerechtere Welt investiert. Unterschreibe jetzt unsere Petition an Bundeskanzler Merz und Finanzminister Klingbeil "Solidarität nicht kaputtsparen – internationale Hilfe stärken!"
Quellen
[1] OCHA, Global Humanitarian Overview 2026, https://www.unocha.org/publications/report/world/global-humanitarian-ov…
[2] VENRO, Kommentierung der ODA-Zahlen 2025, https://venro.org/presse/detail/kommentierung-der-oda-zahlen-2025-deuts…
[3] The Lancet, 2026, Impact of two decades of humanitarian and development assistance and the projected mortality consequences of current defunding to 2030: retrospective evaluation and forecasting analysis, https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(26)0000…
[4] VENRO, ODA unter Druck? Wie verlässlich ist Deutschlands Engagement?, https://venro.org/publikationen/detail/oda-unter-druck
[5] VENRO, Bundeshaushalt 2026, https://venro.org/publikationen/detail/bundeshaushalt-2026
[6] Weltbank, Investment Framework for Nutrition 2024, https://www.worldbank.org/en/topic/nutrition/publication/investment-fra…
[7] Nature Sustainability, 2020, Feeding ten billion people is possible within four terrestrial planetary boundaries, https://www.nature.com/articles/s41893-019-0465-1