
Fragen und Antworten zur Bündnispetition „Solidarität nicht kaputtsparen“
Während globale Krisen eskalieren, kürzen Regierungen auf der ganzen Welt ihre Mittel für internationale Hilfe – ein fataler Trend. Denn durch Kriege, die Folgen der Klimakrise und wirtschaftliche Ungleichheit leiden immer mehr Menschen weltweit unter Armut und Hunger. Im Jahr 2026 werden laut Schätzungen rund 230 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen sein [1]. Das sind etwa so viele Menschen wie in den Gründungsstaaten der Europäischen Union (Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg) zusammengenommen leben!
Im Vergleich zum Vorjahr sind die globalen Gelder für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2026 um über zwölf Prozent eingebrochen [2]. Auch die deutsche Regierung hat ihre Gelder für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit drastisch beschnitten. Dabei müssten Merz, Klingbeil und Co. gerade jetzt Rückgrat beweisen und Deutschlands globales Engagement ausweiten – um Menschenleben zu retten und zukünftige Krisen zu verhindern. Unterschreibe hier unsere Petition gegen Kürzungen und für mehr internationale Hilfe!
Zusammen mit 14 anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Oxfam, Brot für die Welt und der Welthungerhilfe haben wir die Petition „Solidarität nicht kaputtsparen – internationale Hilfe stärken” gestartet. Mit diesem breiten Bündnis wollen wir zeigen: Wir sind viele, wir sind laut und wir sprechen mit einer Stimme. Wir lassen nicht zu, dass die Finanzierung für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit weiter ausgehöhlt wird. Denn das Schicksal von Millionen Menschen ist uns nicht egal. Wir glauben daran, dass wir mit genügend Weitsicht und Entschlossenheit den weltweiten Hunger besiegen können. Gemeinsam.
Die Folgen der weltweiten Kürzungen
Die internationalen Hilfsgelder gehen schon seit einigen Jahren zurück. Doch seit der Abwicklung der US-amerikanischen Hilfsagentur USAID im Jahr 2025 hat es einen regelrechten Erdrutsch gegeben. Die USA als größter Geber sind fast vollständig ausgefallen – die Trump-Administration stoppte insgesamt 83 Prozent der unterstützten Programme. Weitere Regierungen haben ihre Mittelzusagen ebenfalls reduziert, darunter auch die deutsche Bundesregierung.
„Und da muss man auch ganz ehrlich sein: Jeder Cent, den wir dort kürzen, der kostet an anderer Stelle Menschenleben.”

Die Folgen sind katastrophal: Humanitäre Helfer*innen werden abgezogen, Hilfspakete nicht geliefert, Gesundheitszentren leergeräumt. Für betroffene Menschen bedeutet das: Hunger und Mangelernährung breiten sich aus, Krankheiten können nicht behandelt werden, Familien in Not erhalten keine Hilfe mehr. Studien zeigen, dass die globalen Kürzungen bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 22 Millionen zusätzliche Menschenleben kosten könnten, darunter fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren [3].
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Petition
In Deutschland gehen die öffentlichen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe bereits seit einigen Jahren zurück. Im Haushalt 2025 wurde der Etat des Entwicklungsministeriums um eine Milliarde gekürzt und die Mittel für humanitäre Hilfe um mehr als die Hälfte beschnitten [4]. 2026 entspricht das Budget für humanitäre Hilfe mit rund einer Milliarde nur noch 0,2 Prozent des Gesamthaushalts. Der Etat für Entwicklungszusammenarbeit sank mit zehn Milliarden Euro auf den niedrigsten Anteil seit 15 Jahren [5]. Insgesamt machen die Budgets für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit nur einen Bruchteil des Gesamtetats der deutschen Regierung aus.
Durch Konflikte, die Folgen des Klimawandels und wirtschaftliche Ungleichheit sind immer mehr Menschen weltweit auf Nothilfe angewiesen – über 230 Millionen Menschen wird dies voraussichtlich 2026 betreffen [1]. Besonders schlimm ist die Situation in Konfliktregionen. Im Sudan hat der anhaltende Konflikt eine der größten humanitären Krisen unserer Zeit ausgelöst, unter der die Zivilbevölkerung extrem leidet. Über die Hälfte der Kinder ist so schwer unterernährt, dass selbst einfache Behandlungen oft zu spät kommen. Im Gazastreifen hungern Familien zwischen zerbombten Häusern – ohne Strom, ohne sauberes Wasser und ohne die Gewissheit, am nächsten Tag essen zu können.
Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit retten Menschenleben – und zeigen Zukunftsperspektiven auf. Denn Armut, Hunger und Ungleichheit sind die Gründe dafür, dass Millionen Menschen – ganz besonders Kinder, Frauen und marginalisierte Menschen – kein sicheres, gesundes und selbstbestimmtes Leben führen können.
Die positive Wirkung von Hungerbekämpfung ist wissenschaftlich erwiesen. Laut Angaben der Weltbank bringt jeder Euro, der in die Bekämpfung von Hunger investiert wird, 23 Euro zurück [6]. Denn Investitionen in Ernährung sind Investitionen in eine gesunde Gesellschaft. Kinder können sich besser und gesünder entwickeln und der Staat spart beispielsweise Kosten im Gesundheitssystem.
Zwischen 1990 und 2015 hat die internationale Weltgemeinschaft große Erfolge im Einsatz gegen den Hunger erzielt und konnte viele Menschen weltweit aus der Falle von Armut und Hunger befreien. Seitdem steigt der Hunger auf der Welt jedoch wieder – Grund dafür sind globale Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und die fortschreitende Klimakrise. Rund 673 Millionen Menschen leiden aktuell an Hunger.
Dabei ist das Wissen längst vorhanden, wie wir unsere Ernährungssysteme umgestalten müssten, damit wir alle Menschen auf der Erde gesund ernähren können. Die sogenannte „Eat Lancet Kommission” arbeitete schon 2020 heraus, dass unser Planet zehn Milliarden Menschen ernähren könnte, wenn wir unsere Speisepläne, unsere Landwirtschaft sowie die Verarbeitung und den Transport von Nahrungsmitteln radikal ändern und nachhaltig gestalten würden [7].
Eine oft genannte Messgröße in diesem Kontext ist die 0,7-Prozent-Marke. Die Weltgemeinschaft hat sich schon vor über 50 Jahren darauf verständigt, dass Industrieländer mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens in humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit investieren sollen. In den letzten fünf Jahren haben allerdings nur sechs Länder dieses Ziel tatsächlich erreicht. Auch Deutschland ist weiter entfernt davon als je zuvor. Berechnungen von VENRO ergeben, dass die aktuelle ODA-Quote Deutschlands nur bei 0,56 Prozent liegt [2]. Im Koalitionsvertrag hat sich die aktuelle Bundesregierung auch nicht dazu bekannt, den Wert wieder auf 0,7 Prozent steigern zu wollen.
Die Petition „Solidarität nicht kaputtsparen“ fordert Bundeskanzler Friedrich Merz, Finanzminister Lars Klingbeil und die Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn (CDU/CSU) und Matthias Miersch (SPD) dazu auf, die für den Bundeshaushalt 2027 geplanten Kürzungen in der humanitären Hilfe und in der Entwicklungszusammenarbeit zu stoppen. Wir fordern die deutsche Bundesregierung dazu auf, globale Verantwortung zu übernehmen und die internationale Hilfe wieder zu stärken.
ADRA
Aktion gegen den Hunger
Brot für die Welt
Care
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Global Citizen
Help
Hirschfeldt-Eddy-Stiftung
IRC
Misereor
NRC
ONE
Oxfam
Terre des hommes
VENRO
Welthungerhilfe
Je mehr Unterschriften wir sammeln, desto lauter und sichtbarer werden unsere Forderungen – und desto größer wird der Druck auf Merz, Klingbeil und Co., unser Anliegen ernst zu nehmen und die Finanzierung für internationale Hilfe wieder auszubauen. Erzähl auch deinen Freund*innen von der Petition und bitte sie zu unterzeichnen!
Fallbeispiel Afghanistan
Ganz konkret lassen sich die Auswirkungen der Mittelkürzungen in Afghanistan beobachten – einem Land, in dem sich die humanitäre Krise durch klimawandelbedingte Dürren, die fragile Wirtschaftslage und den wieder ausgebrochenen Konflikt mit Pakistan seit Jahren verschlimmert. Bis 2025 wurden die humanitären Programme im Land zu einem großen Teil aus US-amerikanischen Mitteln finanziert. Nach der Auflösung von USAID wurden rund 560 Millionen US-Dollar humanitäre Mittel aus Afghanistan abgezogen und ein relevanter Teil der humanitären Infrastruktur brach zusammen. Über 400 Gesundheitszentren und 200 Ernährungsberatungsstellen mussten schließen – eine katastrophale Nachricht in einem Land, in dem etwa 22 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
„In Afghanistan passiert eine der schwersten humanitären Krisen der Welt. 3,7 Millionen Kinder in Afghanistan leiden unter Mangelernährung. Wir sehen die Auswirkungen der massiven Mittelkürzungen bis heute – vor allem Frauen und Kinder haben weniger Zugang zu Gesundheitsversorgung und Ernährungsleistungen.“

Auch wenn ein Teil der Programme durch andere Finanzierungsquellen wieder aufgenommen werden konnte, fehlt das langfristige finanzielle Engagement für die Menschen in Afghanistan. Das beeinträchtigt die Prävention von Hunger und Mangelernährung, zum Beispiel durch über mehrere Jahre angelegte Programme, die die Ernährungssicherheit langfristig stärken und über die akute Nothilfe hinaus wirken sollen. Außerdem sind vor allem Mädchen und Frauen die Leidtragenden, da viele Projekte zur Stärkung von Frauen und anderen benachteiligten Gruppen gestrichen wurden.

Auch unser Büro in Afghanistan musste zwei Ernährungszentren in Kliniken vorübergehend schließen. Es gelang unseren Kolleg*innen vor Ort, kürzere Folgefinanzierungen zu sichern – der langfristige Bestand der Gesundheitszentren ist jedoch nicht gesichert.
Fallbeispiel Mali
Auch in unseren Projekten in Mali treffen die Mittelkürzungen zuallererst die Bevölkerungsgruppen, die bereits am stärksten unter Hunger und Armut leiden. 2025 erhielten nicht einmal die Hälfte der betroffenen Menschen Unterstützung bei der Ernährungssicherung. Im Jahr 2026 werden Schätzungen zufolge über eine Million Kinder von akuter Mangelernährung betroffen sein, darunter 230.000 schwere Fälle.
Unsere Kolleg*innen aus Mali berichten über spürbare Konsequenzen seit dem Finanzierungseinbruch:
- Mangelernährte Kinder können nicht behandelt werden, da durch Lieferengpässe die therapeutische Spezialnahrung (wie Plumpy’Nut, F75 und F100) fehlt.
- Die Ernährungsprogramme müssen sich auf die am schlimmsten betroffenen Regionen konzentrieren, dadurch fallen Familien und Kinder in anderen Regionen durchs Raster.
- Kleine Gesundheitszentren in abgelegenen Dörfern mussten schließen, wodurch viele Familien keinen Zugang mehr zu Gesundheitsversorgung und Impfprogrammen haben.
- Die Arbeitsbedingungen für humanitäre Organisationen sind so herausfordernd geworden, dass einige NGOs sich vollständig aus Mali zurückgezogen haben.
Auch Projekte von Aktion gegen den Hunger waren direkt betroffen. Das über mehrere Jahre angelegte Programm PROPEL hatte beipielsweise zum Ziel, das lokale Gesundheitssystem in Mali zu stärken und nachhaltige Strukturen für eine gerechte Versorgung der Bevölkerung aufzubauen. Aufgrund der Kürzungen der USAID-Programme wurde das Projekt vorzeitig beendet und bedeutete für 1,5 Millionen Kleinbäuer*innen und ihre Familien das Ende ihrer Gesundheitsversorgung.
Ein weiteres Beispiel ist das Projekt IDANSE 2, ein breit aufgestelltes Ernährungsprogramm, das Menschen in besonders stark von Hunger und Armut betroffenen Regionen mit Essenverteilungen, Wasserlieferungen und Hygienemaßnahmen unterstützte. Das Programm musste 2025 mehrmals unterbrochen werden und konnte nur mit größeren Schwierigkeiten für weitere drei Monate fortgeführt werden. Nun erhalten die betroffenen Familien keine Hilfe mehr.
Die deutschen Kürzungen treffen in Mali also ein bereits geschwächtes System und tragen – vor allem im Norden Malis – zu einer weiteren Verschlechterung der Ernährungssituation bei.
Quellen
[1] OCHA, Global Humanitarian Overview 2026, https://www.unocha.org/publications/report/world/global-humanitarian-ov…
[2] VENRO, Kommentierung der ODA-Zahlen 2025, https://venro.org/presse/detail/kommentierung-der-oda-zahlen-2025-deuts…
[3] The Lancet, 2026, Impact of two decades of humanitarian and development assistance and the projected mortality consequences of current defunding to 2030: retrospective evaluation and forecasting analysis, https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(26)0000…
[4] VENRO, ODA unter Druck? Wie verlässlich ist Deutschlands Engagement?, https://venro.org/publikationen/detail/oda-unter-druck
[5] VENRO, Bundeshaushalt 2026, https://venro.org/publikationen/detail/bundeshaushalt-2026
[6] Weltbank, Investment Framework for Nutrition 2024, https://www.worldbank.org/en/topic/nutrition/publication/investment-fra…
[7] Nature Sustainability, 2020, Feeding ten billion people is possible within four terrestrial planetary boundaries, https://www.nature.com/articles/s41893-019-0465-1
Um unsere lebensrettenden humanitären Programme in Krisengebieten wie Afghanistan und Mali weiterführen zu können, brauchen wir eine ausreichende öffentliche Finanzierung von humanitärer Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Setz du dich mit uns dafür ein, dass die deutsche Bundesregierung ihre Gelder für internationale Hilfe nicht weiter kürzt – sondern langfristig in eine gerechtere Welt investiert. Unterschreibe jetzt unsere Petition an Bundeskanzler Merz und Finanzminister Klingbeil "Solidarität nicht kaputtsparen – internationale Hilfe stärken!"

