Junge fährt Fahrrad in zerstörtem Gaza

Gaza:
Drohender Zusammenbruch der Grundversorgung

Der anhaltende Konflikt zwischen Israel und bewaffneten palästinensischen Gruppen hat kritische Grundversorgungseinrichtungen, wie Krankenhäuser, Straßen und Wasseraufbereitungsanlagen in Gaza zerstört und beschädigt. Aktion gegen den Hunger fordert von den Konfliktparteien den Schutz der Zivilbevölkerung und sicheren Zugang für humanitäre Hilfsleistungen. 

Seit dem Beginn der Gewalteskalation am 9. Mai wurden in mehr als 75 Angriffen zentrale Wasser- und Sanitärnetze zerstört oder beschädigt. Betroffen sind Abwasserkanäle, Brunnen, Wasserpumpstationen, Mülldeponien und die Entsalzungsanlage im Norden des Gazastreifens, die 250.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Insgesamt sind über 800.000 Menschen von den Schäden an Wasser- und Sanitärsystemen betroffen. Ein Mangel an Treibstoff und Medikamenten sowie die anhaltende Gewalt behindern die humanitäre Hilfe für die Menschen in Not. 

„Die Beschädigung und Zerstörung der Wasser- und Sanitärinfrastruktur wird sich dramatisch auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken. Wegen des Mangels an sauberem Wasser und der beschädigten Abwasseraufbereitung sind die Menschen einem erhöhten Infektions- und Krankheitsrisiko ausgesetzt“, erklärt Lucas Honauer, Landesdirektor von Aktion gegen Hunger in den palästinensischen Autonomiegebieten mit Sitz in Jerusalem.  

COVID-19 und beschädigte Gesundheitseinrichtungen verschärfen humanitäre Lage 

Dies hat insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie weitreichende Konsequenzen, wie Honauer betont: „Der Gazastreifen befindet sich in einem kritischen Moment mit einer sehr hohen Ansteckungsrate von COVID-19. Der Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen ist der erste und einfachste Weg, sich selbst zu schützen.“  

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist durch Angriffe auf Organe des Gesundheitssystems zusätzlich geschwächt: Entgegen geltenden humanitären Völkerrechts wurde das Hala Al Shawa-Gesundheitszentrum durch einen israelischen Luftangriff zerstört. Auch die Krankenhäuser Beit Hanoun und Indonesia, in denen auch Aktion gegen den Hunger arbeitet, wurden beschädigt. Die wenigen funktionierenden Krankenhäuser sind überfüllt, da neben den Verwundeten der Angriffe auch schwere COVID-19-Fälle behandelt werden müssen. Die Krankenhäuser sehen sich zudem mit einem besorgniserregenden Mangel an medizinschem Material konfrontiert. 

Die humanitäre Situation ist zusätzlich durch den Mangel an Kraftstoff und damit eine instabile Energieversorgung bedroht. Die Stromversorgung in Gaza wurde auf weniger als sieben Stunden Strom pro Tag reduziert, was die Arbeit des medizinischen Personals vor weitere große Herausforderungen stellt. 

Schutz der Zivilbevölkerung, Korridor für humanitäre Hilfe 

Angesichts der verheerenden Auswirkungen des Konflikts ruft Aktion gegen den Hunger beide Parteien dringend dazu auf, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren und die Zivilbevölkerung zu schützen. Die humanitäre Gemeinschaft fordert weiterhin, einen sicheren Korridor für humanitäre Hilfe zu schaffen, um eine weitere Verschlechterung der humanitären Lage zu verhindern. 

Aktion gegen den Hunger arbeitet seit 2002 in den besetzten palästinensischen Gebieten. 68 humanitäre Fachkräfte koordinieren die Programme in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Existenzsicherung und Schutz. Unsere Hilfe erreicht 170.000 Menschen in der Westbank und im Gazastreifen. 

Hinweis an die Redaktionen: Der Programmdirektor von Aktion gegen den Hunger für die palästinensischen Autonomiegebiete steht für Interviews zur Verfügung. 

24. MAI 2021
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