Wüste

Madagaskar: Klimakrise führt zu alarmierendem Anstieg von Mangelernährung

Die Anzahl stark mangelernährter Kleinkinder in der Region Grand Sud im Süden Madagaskars hat sich seit dem vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Rund 4.000 Kinder unter fünf Jahren werden monatlich in ambulanten Ernährungszentren von Aktion gegen den Hunger registriert. Die Folgen des Klimawandels verschärfen die Ernährungskrise in der Region.

„Es ist ein humanitärer Notfall: Viele Kinder werden sterben, wenn wir uns nicht um sie kümmern. Derzeit sind wir einer der wenigen Akteure vor Ort, der die lokalen Gesundheitsbehörden dabei unterstützt", sagt Valérie Ceylon, Regionaldirektorin der humanitären Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger. „Die Zeiten zwischen den Ernten sind jedes Jahr schwierig im Süden Madagaskars. Die aktuelle Situation ist jedoch viel ernster als in den vergangenen Jahren.“

Aufgrund des ausbleibenden Regens hat die kritische Ernährungslage dieses Jahr besonders früh eingesetzt. Große Teile der Lebensmittelvorräte aus der vergangenen Ernte sind bereits seit September aufgebraucht. Das führt zu teilweise verzweifelten Reaktionen in der Bevölkerung: In ihrem Kampf gegen den Hunger essen die Menschen mit Ton gemischte Tamarinde, Termiten, unreife Mangos oder wilde Wurzeln, bezeugen Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger.

Landwirtschaftliche Produktion durch Brandrodung und Abholzung gefährdet

„Zusätzlich zur Dürre zerstören heftige Sandstürme die Anbauflächen und damit die Lebensgrundlage einer Bevölkerung, die ohnehin besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels ist. In der Androy-Region hat das verheerende Auswirkungen. Hier leben mehr als 95 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und sind vollkommen abhängig von der Landwirtschaft“, erklärt Valérie Ceylon.

Die Sandstürme sind eine Folge der Bodenerosion durch Abholzung und Brandrodung in Kombination mit starken Passatwinden. Aktion gegen den Hunger warnt, dass diese Faktoren die landwirtschaftliche Produktion langfristig beeinträchtigen werden. Die humanitäre Hilfsorganisation erwartet daher auch im vierten Quartal dieses Jahres eine kritische Ernährungssituation.

Mobile Kliniken retten in abgelegenen Orten Kinderleben

Aktion gegen den Hunger ist in Grand Sud derzeit mit 16 mobilen Kliniken im Einsatz, um auch in entlegenen Orten schwerwiegende Formen der Mangelernährung zu diagnostizieren und zu behandeln. „Unsere mobilen Teams betreuen jeden Monat mehr als 500 stark mangelernährte Kinder unter fünf Jahren. Ohne zusätzliche Mittel werden alle mobilen Kliniken jedoch am 1. April 2021 geschlossen, sodass Kinder in den entlegensten Gemeinden keinen Zugang zu lebensrettender Behandlung haben werden“, sagt Valérie Ceylon.

Im Jahr 2020 wurden rund 6.000 Kinder mit akuter Mangelernährung in den mobilen Kliniken versorgt. Das entspricht etwa einem Viertel aller im Gesundheitssystem erfassten Kinder in der Region. Gleichzeitig unterstützt Aktion gegen den Hunger die lokale Bevölkerung dabei, ihre landwirtschaftlichen Techniken widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu gestalten und so die Ernährungssicherheit der Menschen zu verbessern. Diese Arbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Gesundheitsministerium und in Abstimmung mit weiteren Partnern durchgeführt.

Hinweis an die Redaktionen: Valérie Ceylon, Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger, steht für Interviews zur Verfügung.

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18. MÄRZ 2021
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