Zwei Kinder aus Kenia beim Wasser holen mit gelben Kanistern

Cholera breitet sich aus: Nur 36 Prozent des weltweiten Finanzierungsbedarfs für Wasser und Hygiene im Jahr 2023 gedeckt

Pressemitteilung vom: 21.03.2024

Der heute veröffentlichte Bericht „Water Funding Gap 2024“ von Aktion gegen den Hunger zeigt, dass im Jahr 2023 weltweit nur 36 Prozent der Finanzierungsaufrufe für Wasser- und Sanitärversorgung erfüllt wurden. Damit besteht ein Defizit von 64 Prozent. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Unterstützung ist dies besorgniserregend: 3,6 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen und sind daher einem erhöhten Risiko für Mangelernährung und übertragbare Krankheiten ausgesetzt. Anlässlich des Weltwassertags fordert Aktion gegen den Hunger die internationale Gemeinschaft auf, mehr Finanzmittel für die weltweite Wasserversorgung bereitzustellen.

„Die Klimakrise beschleunigt Katastrophen wie Dürren und Überschwemmungen, wodurch sauberes Wasser für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt immer knapper wird. Unser neuer Bericht zeigt deutlich, wie dringend der Handlungsbedarf ist“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger. „Der weltweite Ausbau der Wasser- und Sanitärversorgung ist dramatisch unterfinanziert. Um allen Menschen das Recht auf sauberes Wasser zu ermöglichen, muss die internationale Gemeinschaft die finanziellen Mittel deutlich erhöhen.“

Cholera: alle 45 Sekunden neuer Fall

Der Bericht zeigt einen alarmierenden Anstieg der Cholerafälle weltweit. Alle 45 Sekunden wird ein neuer Fall dieser hochgefährlichen Krankheit registriert. Im Jahr 2023 wurden insgesamt über 4.000 Todesfälle gemeldet. Cholera ist eine Infektion, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird und in erster Linie Menschen betrifft, die keinen Zugang zu sicheren und sauberen Wasserquellen und sanitären Einrichtungen haben. Daher sind Menschen in überfüllten und unhygienischen Flüchtlingslagern, ländlichen Gemeinden und prekären Slums besonders anfällig für diese durch Wasser übertragene Krankheit.

„Cholera ist als die Krankheit der Ungerechtigkeit bekannt. Für Familien, die mit Armut und Hunger zu kämpfen haben, kann sie den Tod bedeuten, obwohl sie vermeidbar und behandelbar wäre“, fügt Friedrich-Rust hinzu. „Ohne schnelle humanitäre Maßnahmen wird die Zahl der Cholera-Opfer in gefährdeten Bevölkerungsgruppen weiter steigen.“

Die Behandlung der Cholera ist eigentlich einfach. Doch in Gebieten, in denen die Infektionskrankheit grassiert, haben die Menschen oft nicht einmal Zugang zu rudimentärer Gesundheitsversorgung. Es bedarf einer gemeinschaftlichen Anstrengung der internationalen Gemeinschaft, um eine flächendeckende Versorgung mit sauberem Wasser zu gewährleisten. Die am stärksten von Cholera betroffenen Länder leiden oft bereits seit Jahren unter schweren Krisen. Dazu gehören beispielsweise Haiti, das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, der Sudan, der unter beispielloser Gewalt und Hunger leidet, sowie das seit 13 Jahren kriegsgebeutelte Syrien.

Ärmste Länder leiden am stärksten

Die Analyse des Berichts über die Finanzierungsdefizite im Wassersektor basiert auf Daten aus 33 Ländern mit dem dringendsten Bedarf, die über das humanitäre System der Vereinten Nationen finanzielle Unterstützung für Wasser-, Sanitär- und Hygieneprogramme (WASH) beantragt haben. Zu diesen Ländern gehören: Afghanistan, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kolumbien, Demokratische Republik Kongo (DRC), El Salvador, Äthiopien, Guatemala, Haiti, Honduras, Kenia, Libanon, Libyen, Madagaskar, Malawi, Mali, Mosambik, Myanmar, Niger, Nigeria, die palästinensischen Gebiete, Pakistan, Somalia, Südsudan, Sudan, Syrien, Türkei, Ukraine, Venezuela und Jemen.

1,9 Milliarden Euro mehr humanitäre Finanzierung nötig

Der Bericht zeigt, dass die Finanzierung der humanitären Finanzierungsaufrufe stark variiert. El Salvador bekam nur 0,7 Prozent der gewünschten Finanzierung zugesprochen, während der Nothilfeaufruf Libyens nach den schweren Überschwemmungen im Herbst 2023 eine Finanzierung von 212,5 Prozent der geforderten Summe einbrachte. Um der gewünschten Finanzierung zur weltweiten Wasserversorgung für 2023 vollständig nachzukommen, wäre eine zusätzliche Summe von 1,9 Milliarden Euro nötig.

In der Analyse wurden außerdem die Mittel für Wasser- und Sanitärprogramme für Länder, in denen im Jahr 2022 eine Hungerkrise herrschte, gesondert betrachtet (siehe „Hunger Funding Gap Report 2024“). Auffällig ist, dass in den 17 Ländern, in denen 2022 eine Hungerkrise herrschte, kein einziger Finanzierungsaufruf für 2023 in Bezug auf Wasser vollständig erfüllt wurde, obwohl ein enger Zusammenhang zwischen mangelnder Wasserversorgung und Hunger besteht.

„Wir haben festgestellt, dass eine größere Belastung durch Hunger nicht zu einer höheren Finanzierung von Wasserprogrammen führt“, sagt Friedrich-Rust. „Für zwei Milliarden Menschen ist der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht nur am Weltwassertag ein Thema, sondern jeden Tag.“

Die Analyse wurde von Aktion gegen den Hunger mithilfe des Financial Tracking Service des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sowie des Integrated Food Security Phase Classification Population Tracking Tool (IPC) durchgeführt.

Über Aktion gegen den Hunger

Aktion gegen den Hunger ist eine humanitäre und entwicklungspolitische Hilfsorganisation, die weltweit in 55 Ländern und Regionen aktiv ist und über 28 Millionen Menschen unterstützt. Seit über 40 Jahren kämpft Aktion gegen den Hunger gegen Mangelernährung, schafft Zugang zu sauberem Wasser und gesundheitlicher Versorgung. 8.990 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten Nothilfe und unterstützen Menschen beim Aufbau nachhaltiger Lebensgrundlagen. 

25. MÄRZ 2024
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