Mitarbeitende von Aktion gegen den Hunger bei der Nothilfe

Welttag der humanitären Hilfe: Der humanitäre Raum in der Krise

Der Bedarf an humanitärer Hilfe weltweit steigt. Die Möglichkeiten für humanitäre Organisationen, Hilfe zu leisten, werden hingegen immer weiter eingeschränkt. Leidtragende sind die Menschen in Not und humanitäre Helferinnen und Helfer. Seit Beginn des Jahres wurden 231 Mitarbeitende von humanitären Organisationen getötet, verletzt oder entführt. Zum Welttag der humanitären Hilfe fordert Aktion gegen den Hunger vom UN-Sicherheitsrat, Menschen in Not und ihre Helferinnen und Helfer besser und wirksamer zu schützen.

„Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist so hoch wie nie. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr 235 Millionen Menschen Hilfe benötigen. Das ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr”, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer der humanitären und entwicklungspolitischen Organisation Aktion gegen den Hunger. „Die Welt steht am Rande einer Hungerpandemie: Bis zu 811 Menschen weltweit leiden an Hunger, etwa jeder dritte Mensch kann sich nicht ausreichend oder gesund ernähren. Gewaltsame Konflikte, die Folgen der Klimakrise und soziale Ungleichheit sind die zentralen Ursachen.“

Immer mehr Angriffe auf humanitäre Helfende

Gleichzeitig werden weltweit die Möglichkeiten, lebensrettende Hilfe zu leisten, massiv eingeschränkt. Der Welttag der humanitären Hilfe soll den Umstand würdigen, dass sich humanitäre Helfende weltweit oftmals in große persönliche Gefahr begeben, um Menschen in Not zu unterstützen. Seit Beginn des Jahres wurden 231 Mitarbeitende von humanitären Organisationen getötet, verletzt oder entführt. 2020 waren es insgesamt 706 Menschen. Dabei handelte es sich vor allem um nationale Mitarbeitende in den Ländern selbst. Afghanistan führt in diesem Jahr die Liste der besonders gefährlichen Länder für Helfende an und das bereits bevor die Lage eskalierte. Es lässt sich nur erahnen, welche dramatischen Folgen die aktuelle Situation in Afghanistan haben wird. Insbesondere für diejenigen, die aus dem Land selbst kommen.

„Als humanitäre Organisation gelten für uns die Grundsätze Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit. Wir stehen ausschließlich im Dienst derjenigen Menschen, die von Hunger und Not betroffen sind und unsere Unterstützung benötigen“, so Friedrich-Rust. „Kriegs- und Konfliktparteien missachten das humanitäre Völkerrecht und instrumentalisieren die humanitäre Hilfe. Angriffe auf unsere Mitarbeitende sind Kriegsverbrechen.“

UN-Sicherheitsrat muss Schutz des humanitären Raums priorisieren

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kommt seiner Verantwortung nicht nach, auf diese Missstände ausreichend zu reagieren und Menschen in Not sowie humanitäre Helfende zu schützen. „Wegweisende Instrumente, wie die Resolution 2417, die den Einsatz von Hunger als Kriegswaffe verurteilt, warten auch Jahre nach der Verabschiedung auf ihre Umsetzung und Implementierung“, so Friedrich-Rust.

Aktion gegen den Hunger fordert, dass die Auswirkungen von internationalen Maßnahmen auf die humanitäre Hilfe stärker berücksichtigt werden müssen. Besonders bei Sanktionen zur Terrorismusbekämpfung wird die neutrale Position humanitärer Organisation mitunter untergraben, beispielsweise durch die Forderung nach der Überprüfung von Begünstigten. Solche Maßnahmen beeinträchtigen das Vertrauen der Menschen in die humanitäre Hilfe und werden somit zu einem Risiko für die Helfenden.

Der Mangel an Kohärenz und entschlossenem Handeln im Sicherheitsrat ermutigt Staaten und Konfliktparteien, den humanitären Raum weiter einzuschränken und humanitäre Helfende zu instrumentalisieren. Aktion gegen den Hunger fordert den UN-Sicherheitsrat daher auf, eine effektive Verfolgung von Kriegsverbrechen gegen humanitäre Helfende sicherzustellen und Verletzungen des humanitären Raums streng zu sanktionieren. Denn die Sicherheit von Mitarbeitenden humanitärer Hilfsorganisationen ist nicht verhandelbar – genau wie die der Menschen, die auf sie angewiesen sind. 

23. AUGUST 2021
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