Eine Porridge Mum sitzt in ihrem Zelt.

Die "Porridge-Mums" von Nigeria

Es ist neun Uhr morgens in Maiduguri, einer Stadt im Nordosten Nigerias. Gelbe dreirädrige Motorräder wirbeln Staub auf. Am Straßenrand warten bereits die ersten Marktstände auf Kundschaft.

Sulola Achebe* nimmt das Angebot in Augenschein. Die 25-Jährige ist eine so genannte Porridge-Mum. Jeden Tag trifft sie sich mit etwa 15 anderen Frauen, und gemeinsam kochen sie nahrhafte Mahlzeiten für ihre Kinder, die zwischen einem halben und fünf Jahren alt sind. Aktion gegen den Hunger hat diese Gruppen ins Leben gerufen und betreut sie auch weiter.

Jeden Monat bekommen die Porridge-Mums umgerechnet knapp 70 Euro. Damit können sie auf dem Markt alle nötigen Lebensmittel kaufen. Heute ist Kolom an der Reihe. Sie reicht zwei unterschiedliche elektronische Karten an zwei Verkäufer. Auf der einen ist ein Guthaben für Lebensmittel gespeichert, auf der anderen ein fester Betrag für Wasser, Feuerholz und die Transportkosten. Sulola identifiziert sich mit Hilfe ihres Fingerabdrucks.

„Wir geben den Menschen Guthaben, weil es viel selbstbestimmter ist, als in einer langen Reihe für Lebensmittel Schlange stehen zu müssen“, sagt Titus Avindigh, der für Aktion gegen den Hunger das Programm zur Ernährungssicherung im Bezirk Borno organisiert.

Sulola ersteht rund 50 Yamswurzeln, Bohnen, getrockneten Fisch, Palmöl, Tomaten und Gewürze. Ihre Kochgruppe im Vertriebenenlager Hursobeshar wartet schon. Während die Frauen mit dem Kochen beginnen und plaudern, erfahren sie von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Nützliches über eine ausgewogene Ernährung, Hygiene und Kinderpflege.

Viele Frauen und Kinder sind traumatisiert

Der Nordosten Nigerias kommt nicht zur Ruhe. Dort treibt die islamistische Terrormiliz Boko Haram die Menschen in die Flucht. Auch für Sulola und ihre Familie war es oft zu gefährlich, das Haus zu verlassen, deshalb litten sie und die Kinder zwei Jahre lang ständigen Hunger, erzählt die dreifache Mutter: „Manche Männer aus unserem Dorf haben nachts das Haus verlassen, um etwas Essbares zu finden. Dann mussten sie bis zur nächsten Nacht warten, um sich im Dunklen zurück zu schleichen. Hätte man sie erwischt, wären sie getötet worden. Oft kamen Rebellen in unser Dorf auf der Suche nach Nahrung. Sie griffen uns an, zerstörten Märkte und errichteten Straßensperren.“

Irgendwann entschied sich ihr Mann, das Heimatdorf zu verlassen, um einen sicheren Platz zu suchen. Einen Monat später folgte Sulola mit den Kindern. Nur knapp gelang es ihnen, den bewaffneten Gruppen zu entkommen: „Wir mussten uns vier Tage lang zwischen Büschen verstecken. Als wir im Maiduguri ankamen, waren wir total ausgehungert und entkräftet.“
Schon bald wurde Sulola Teil der Porridge-Mums. Außerdem bekommt ihre Familie finanzielle Unterstützung für Dinge des alltäglichen Bedarfs und medizinische Versorgung. Zwar ist die Zukunft weitgehend ungewiss, doch zumindest können die Kinder nun gesund und ohne Hunger aufwachsen.


* Name geändert

10. MAI 2019
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