Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, der größte in der Geschichte des Landes, ist weiterhin nicht unter Kontrolle. Wir verstärken unsere Nothilfemaßnahmen in Ituri, dem Epizentrum der Epidemie. Unsere Teams kombinieren Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie mit Hilfsangeboten in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) sowie psychosoziale Unterstützung.
Trotz der erheblichen Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie breitet sich das Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo weiter aus. Mittlerweile sind acht Provinzen betroffen. Seit Beginn des Ausbruchs am 15. Mai wurden mehr als 9.627 Fälle gemeldet, darunter 4.646 Todesfälle (Stand: 19. Oktober). Dieser jüngste Ausbruch trifft ein Land, das ohnehin schon unter einer dramatischen humanitären Lage leidet: In der DR Kongo benötigen fast 19 Millionen Menschen humanitäre Unterstützung, über 26 Millionen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Die verzögerte Bereitstellung von finanziellen Mitteln hat die Bekämpfung der sich rasant ausbreitenden Epidemie sehr erschwert. Darüber hinaus bleibt die Verbesserung der Kontaktverfolgung eine der zentralen Herausforderungen, um das Virus erfolgreich einzudämmen. Laut Schätzungen liegt die aktuelle Erfassung bei nur 78 Prozent.
Die schnelle Verbreitung des Ebola-Virus wird durch das anhaltende Misstrauen vieler Menschen gegenüber den Hilfsorganisationen sowie durch Herausforderungen bei der Gewährleistung sicherer und würdiger Bestattungen begünstigt. Außerdem erfordert die rasche geografische Ausbreitung der Epidemie erhebliche Flexibilität sowohl von uns Hilfsorganisationen als auch von den internationalen Gebern.
Julie Drouet, Länderdirektorin Demokratische Republik KongoDank neuer internationaler Finanzmittel* können wir unsere Maßnahmen in Ituri ausweiten und verstärken und planen den Einsatz von Teams in der Provinz Haut-Uélé. Über die medizinische Versorgung hinaus fokussieren wir uns auf Präventionsmaßnahmen und den Aufbau von Vertrauen in den Gemeinden. Um auch die abgelegensten Dörfer zu erreichen, haben wir mobile Teams eingerichtet, die direkt zu den betroffenen Gemeinden reisen.
Ganzheitlich und Gemeinde-basiert: unser Ansatz gegen die Epidemie
In Gesundheitseinrichtungen unterstützen wir die Früherkennung von Verdachtsfällen und die Überwachung von Personen, die dem Virus ausgesetzt waren. Bislang haben 22 Gesundheitszentren Präventions- und Schutzausrüstung erhalten, während wir vier Einrichtungen mit einem verbesserten Wasserzugang ausgestattet haben – ein entscheidender Faktor, um Ansteckungen vorzubeugen.
In Mongbwalu haben wir bereits mehr als 13.800 Menschen durch Hausbesuche, Gemeindeversammlungen, Radiosendungen und Informationsveranstaltungen im öffentlichen Raum mit Aufklärungsmaßnahmen zum aktuellen Ausbruch erreicht. In Drodro haben Gesundheitshelfer*innen geschult, die ihre Mitmenschen mit aktuellen Informationen versorgen und auf ihre Bedenken eingehen können. Damit möchten wir Falschmeldungen und Gerüchten entgegenwirken, die die Hilfsmaßnahmen behindern könnten.
Schließlich bieten wir den von der Epidemie betroffenen Menschen psychologische und psychosoziale Unterstützung an. Bisher haben 1.214 Menschen in den Gesundheitszonen Drodro und Lita Unterstützung erhalten, um Trauer, Stigmatisierung, Angst und Unsicherheit besser bewältigen zu können. Um die Unterstützungsangebote innerhalb der Gemeinden selbst zu stärken, wurden 90 Gemeindevorsteher*innen in psychologischer Erster Hilfe im Kontext von Epidemien geschult.
Ernährungs- und Gesundheitsversorgung aufrechterhalten
In Mongbwalu, Lita und Drodro tragen wir dazu bei, grundlegende Gesundheitsdienste aufrechtzuerhalten, insbesondere für Schwangere, Kleinkinder und Menschen, die an Mangelernährung leiden. Unsere Teams vor Ort haben in den letzten Monaten einen besorgniserregenden Rückgang der Besucherzahlen in den Gesundheitseinrichtungen beobachtet. Die Angst vor einer Ansteckung oder einer Überweisung in Ebola-Behandlungszentren hat viele Familien dazu veranlasst, keine medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen – was die Behandlung von Kinderkrankheiten und die Früherkennung akuter Mangelernährung stark beeinträchtigt. In Mongbwalu sank die Zahl der bei uns wahrgenommenen Sprechstunden für Kinderkrankheiten von 3.053 im April 2026 auf nur noch 1.711 im August. Im gleichen Zeitraum gingen die Einweisungen wegen akuter Mangelernährung von 179 auf 66 Fälle zurück.
Jede Verzögerung oder gar das Ausbleiben einer Behandlung von Mangelernährung kann zu schweren Komplikationen und sogar zum Tod führen – insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren. Wir befürchten, dass dieser Ausbruch die ohnehin schon kritische humanitäre Lage weiter verschärfen wird.“
Julie Drouet, Länderdirektorin Demokratische Republik KongoAngesichts der Notlage in der Demokratischen Republik Kongo fordert Aktion gegen den Hunger Behörden, Partnerorganisationen und internationale Geber auf, die Maßnahmen zur Bekämpfung von Ebola vollständig in die umfassendere humanitäre Hilfe zu integrieren und die Gemeinden strategisch in den Mittelpunkt zur Epidemie-Bekämpfung zu stellen.
*Unsere Ebola-Hilfe wird durch die Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), des Start Network, der schwedischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Sida), der kanadischen Regierung (GAC) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) finanziert.