
DR Kongo: Angst und Not erschweren Ebola-Bekämpfung
Drei Monate nach Ausrufung der Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo zeigt sich ein besorgniserregendes Dilemma: Viele Menschen meiden Gesundheitszentren nicht nur aus Angst vor Ansteckung, sondern auch aus Sorge um ihren Lebensunterhalt.
„Für einen Motorradtaxifahrer, einen Marktverkäufer oder einen Goldschürfer bedeutet ein Tag in Isolation einen Tag ohne Nahrung für seine Kinder. Hunger wird hier oft als unmittelbarere Bedrohung wahrgenommen als das Virus selbst“, berichtet Julie Drouet, Landesdirektorin von Aktion gegen den Hunger in der Demokratischen Republik Kongo.
Für Haushalte, die auf tägliche Einnahmen angewiesen sind, können schon wenige Tage ohne Arbeit gravierende Folgen haben: Hunger, Ernährungsunsicherheit und wirtschaftliche Not. Besonders betroffen sind Kleinbergleute, Kleinhändler, Motorradtaxifahrer und andere Beschäftigte des informellen Sektors, deren Lebensunterhalt unmittelbar von ihrer täglichen Arbeit abhängt.
Angst und Misstrauen erschweren den Kampf gegen Ebola
Mit rund 5.000 registrierten Infektionen und 2.300 Todesfällen verschärft sich die Lage in der Demokratischen Republik Kongo weiter. Täglich werden zwischen 50 und 100 neue Fälle sowie etwa 30 Todesfälle gemeldet. Damit entwickelt sich die Epidemie zur schwersten Ebola-Krise, die das Land bislang erlebt hat.
Dennoch verzeichnen die von Aktion gegen den Hunger unterstützten Gesundheitseinrichtungen einen deutlichen Rückgang der Patientenzahlen. „In den Gesundheitszentren von Mongbwalu ist der Anteil der Kinder, die im Rahmen der integrierten Versorgung von Kinderkrankheiten (IMCI) behandelt wurden, von 87 Prozent im April auf 44 Prozent im Juni gesunken“, erklärt Julie Drouet.
Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe: die Angst vor einer Ansteckung in Gesundheitseinrichtungen, das Misstrauen gegenüber den eingeleiteten Maßnahmen sowie die Sorge, in ein Ebola-Behandlungszentrum überwiesen zu werden. Viele Menschen zögern deshalb, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ebola-Behandlungszentren werden nach wie vor häufig mit einem Todesurteil gleichgesetzt. Aus Angst verbergen manche Familien erkrankte Angehörige, verzögern deren Verlegung in spezialisierte Einrichtungen oder suchen zunächst traditionelle Heiler auf.
„Traditionelle Heiler und private Gesundheitsanbieter sind häufig nicht in das Überwachungssystem der Gesundheitsbehörden eingebunden. Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle fehlen dort oft, wodurch das Risiko neuer Ansteckungen steigt. Gleichzeitig erschwert dies die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie die Identifizierung und Behandlung infizierter Menschen erheblich“, so Julie Drouet.
„Zugleich droht die Zahl der Todesfälle durch andere vermeidbare und behandelbare Erkrankungen zu steigen, insbesondere bei Kindern und schwangeren Frauen, weil medizinische Hilfe immer seltener in Anspruch genommen wird“, ergänzt sie.
Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen zählt derzeit zu den größten Herausforderungen der Ebola-Bekämpfung. Nach den verfügbaren Daten werden lediglich 80,5 Prozent der betroffenen Personen überwacht und damit weniger als vom Gesundheitsministerium angestrebt.
„Viele Erkrankte sterben in ihren Gemeinden, ohne zuvor eine Gesundheitseinrichtung aufgesucht zu haben. Dadurch wird die Identifizierung von Kontaktpersonen erheblich erschwert.“
Ebola bedroht auch die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen
Angesichts der weiteren Ausbreitung der Epidemie ist es wichtig, Ebola nicht nur als Gesundheitsnotstand zu betrachten, sondern auch als Krise mit weitreichenden sozialen, psychologischen und humanitären Folgen.
Für Haushalte, die auf tägliche Einnahmen angewiesen sind, können schon wenige Tage ohne Arbeit gravierende Folgen haben: Hunger, Ernährungsunsicherheit und wirtschaftliche Not. Besonders betroffen sind Kleinbergleute, Kleinhändler, Motorradtaxifahrer und andere Beschäftigte des informellen Sektors, die auf ihre täglichen Einnahmen angewiesen sind.
Aktion gegen den Hunger setzt daher auf die Stärkung des Vertrauens in den betroffenen Gemeinden, die Unterstützung gefährdeter Familien sowie die Förderung von Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit, die für die Eindämmung der Krankheit unerlässlich sind. Die Organisation führt ihre Nothilfeeinsätze in den Gesundheitszentren von Mongbwalu, Lita und Drodro fort. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbesserung des Zugangs zu sauberem Wasser, Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen, die Unterstützung von Gesundheits- und Ernährungsdiensten sowie die psychosoziale Betreuung der betroffenen Bevölkerung. Aktion gegen den Hunger ist seit 1997 in der Demokratischen Republik Kongo aktiv.
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