Wir helfen seit: 1996
Mitarbeiter*innen: 156
Bevölkerung: 24 Mio.
Erreichte Menschen 2024: 923.217
Unterernährungsrate: 12,3 %
Mali ist ein Binnenland in der Sahelzone. Zwei Drittel des Landes bestehen aus Wüste oder Halbwüste und sind immer wieder langen Dürreperioden ausgesetzt. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Kriegerische Konflikte im Norden des Landes führen zu Leid, Vertreibung und Hunger.
Wie ist die Situation in Mali?
Seit 1960 ist die ehemals französische Kolonie unabhängig. Ein Militärputsch im Jahr 2012 stürzte das Land in eine politische und gesellschaftliche Krise. Weite Teile des Nordens befinden sich in der Hand militanter Rebellengruppen. Krieg, Gewalt und fehlende Lebensgrundlagen zwangen hunderttausende Menschen zur Flucht in den Süden des Landes, was die dortige Nahrungsmittelknappheit verschärfte. Malis Krise führte zu einem Zusammenbruch der Gesundheits- und Bildungssysteme, insbesondere im Norden des Landes. Der letzte Militärputsch im Mai 2021 sorgte erneut für Unsicherheit. Auch wenn eine Rückkehr zur Demokratie und freie Wahlen angekündigt wurden, sind diese voraussichtlich für die nächsten fünf Jahre ausgesetzt. Die Zukunft für die Menschen ist ungewiss.
Was sind die zentralen humanitären Herausforderungen in Mali?
Die Sicherheitslage im Norden des Landes ist besorgniserregend. Die immer wieder aufflackernden Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen bedrohen die Gesundheit und das Leben der Bevölkerung. Kriminalität und Gewalt gegen Frauen sind weit verbreitet. In den Konfliktregionen ist der humanitäre Zugang zudem oftmals unzureichend. Mehr als vier Millionen Menschen sind weiterhin auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Auch für humanitäre Helfer*innen ist Mali noch immer eins der gefährlichsten Einsatzländer. In 2020 wurden 30 Hilfskräfte verschleppt.
Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Mali?
Aktion gegen den Hunger ist seit 1996 in Mali aktiv. Unsere Teams arbeiten täglich daran, die Lebensbedingungen der Menschen trotz der andauernden Gewalt und der klimatischen Widrigkeiten nachhaltig zu verbessern:
- Wir verteilen Lebensmittel, diagnostizieren Mangelernährung und behandeln davon akut bedrohte Kinder.
- Wir verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung und verhindern so die Ausbreitung von Krankheiten wie beispielsweise Cholera.
- Wir leisten psychosoziale Betreuung für Flüchtlinge und Vertriebene.
- Bei akuten Notlagen leisten unsere Notfallteams umgehende Hilfe.
- Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützen wir Viehzüchter*innen in Timbuktu und Gao beim Aufbau und Erhalt ihrer Lebensgrundlage. Wir geben Trainings zum Herdenmanagement, schulen im Bereich der Tiergesundheit und beraten in Hinblick auf vielfältigere Einkommensquellen.
- Durch die Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau konnten wir den Zugang zu Trinkwasser und die Hygienepraktiken vor Ort verbessern.
Neben Spenden finanziert sich unsere Arbeit auch durch Förderungen und Zuwendungen institutioneller Geber*innen. Der folgende Absatz informiert Sie über Projekte, die direkt durch diese Art der Unterstützung realisiert werden können. Hier informieren wir über die Herkunft all unserer Mittel.
Beendete Projekte
- Direkt Begünstigte: 23.700 Menschen
- Laufzeit: Oktober 2020 – September 2022
- Mittelherkunft: GIZ GmbH
- Fördervolumen: 1.120.000 €
In der Region Timbuktu im Norden Malis sind viele Haushalte in den vergangenen Jahren wiederholt Unsicherheit einer instabilen Sicherheitslage, Diebstahl, steigenden Lebensmittelpreisen, und klimatischen Ereignissen wie Überschwemmungen und Dürren ausgesetzt gewesen. Dieses Projekt leistet daher einen umfassenden Beitrag zur Ernährungssicherheit und Resilienzstärkung der gefährdeten Bevölkerungsgruppen der Region. Speziell zielt es darauf ab, die Lebensbedingungen von Hirtenhaushalten zu verbessern und eine angemessene und abwechslungsreiche Ernährung zu gewährleisten. Dafür werden die landwirtschaftlichen Produktionskapazitäten sowie die Ernährungs- und Hygienepraktiken der Haushalte gefördert und die Einnahmequellen der Haushalte diversifiziert. Die lokale Governance und Kapazitäten werden ebenso gestärkt, um eine gute und ordnungsgemäße Verwaltung der pastoralen Systeme sicherzustellen. Das Projekt wird gemeinsam mit der lokalen NGO ARDIL umgesetzt.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Instandsetzung/Bau von Wasserinfrastrukturen, sowie Schulung und Ausstattung von lokalem Personal zu deren Instandhaltung
- Stärkung der technischen Kapazitäten der Viehzucht, z.B. durch Förderung der Regeneration von Weideflächen
- Rehabilitierung, bzw. Schutz, der lokalen Produktionsressourcen (u. a. Förderung des Viehbestands und der Fischzucht)
- Diversifizierung der Einnahmequelle, u. A. durch Förderung von Mikroprojekten für einkommensgenerierende Tätigkeiten
- Stärkung, Ausbau und Diversifizierung des Gemüseanbaus, mit besonderem Fokus auf Frauen
- Förderung von neuen lokalen Gruppenverbänden zur Unterstützung der Ernährung durch Schulungen, Materialien und Supervision
- Unterstützung und Sensibilisierung zu den Themen Ernährungsdiversifizierung, Hygiene, sanitäre Einrichtungen, Trinkwasser, und Ernährungshygiene
- Stärkung der Bereitschaftskapazitäten für agropastorale Notfälle mittels Frühwarnsystemen, multisektoraler Überwachungsmechanismen und GIS-gestützter Systeme
- Direkt Begünstigte: rund 12.100 Menschen
- Laufzeit: Dezember 2020 – Juni 2022
- Mittelherkunft: GIZ GmbH
- Fördervolumen: 1.050.000 €
Im Norden von Mali lebt ein Großteil der Bevölkerung, insbesondere Frauen und junge Menschen, von Viehzucht und Landwirtschaft. Aufgrund von bewaffneten Konflikten und dem Klimawandel ist diese Lebensgrundlage jedoch sehr prekär. Das Ziel des Projekts ist es, durch die Stärkung der land- und viehwirtschaftlichen Produktionssysteme und der Schaffung eines krisenfesten Sicherheitsnetzes, zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Region Ménaka und Gao beizutragen. Insbesondere Haushalte, die vom Agropastoralismus leben, werden in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen gestärkt. Für die Durchführung des Projekts arbeitet Aktion gegen den Hunger mit der lokalen NRO, TASSAGHT zusammen.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
Bau von drei verbesserten hydraulischen Systemen für die Weidewirtschaft
Stärkung der produktiven Ressourcen der Pastoralisten, u.A. durch die Rehabilitierung degradierter Böden
Stärkung der lokalen/regionalen veterinärmedizinischen Strukturen, z.B. durch Einrichtung und/oder Wiederbelebung von 20 para-tierärztlichen Hilfsdiensten
Bereitstellung von Notfallmaßnahmen wie Nahrungsmittel- bzw. Gutscheinverteilung im Fall von agropastoralen Krisen
- Direkt erreichte Menschen: 2.950.000
- Laufzeit: Juli 2021 – Oktober 2025
- Mittelherkunft: Auswärtiges Amt
- Fördervolumen: 26,7 Mio. Euro
In sieben Ländern Subsahara-Afrikas – Äthiopien, Somalia, Südsudan, Uganda, Niger, Mali und Sudan – setzt sich dieses Projekt dafür ein, die Ernährungssituation von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten nachhaltig zu verbessern. Dabei steht nicht nur die akute Hilfe im Mittelpunkt, sondern auch die Bekämpfung der strukturellen Ursachen von Mangelernährung. Mit einem sektorübergreifenden Ansatz in den Bereichen Ernährung, (mentale) Gesundheit, WASH (Wasser, Sanitär, Hygiene), Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge sowie gezielter Advocacy-Arbeit wird auf mehreren Ebenen Wirkung erzielt – für weniger Hunger, mehr Würde und ein besseres Leben für die Betroffenen. Die Projektaktivtäten in Niger, Mali und Sudan sind im Juli 2024 im Kontext dieses Projektes ausgelaufen.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Unterstützung von Kindern unter fünf Jahren mit akuter Mangelernährung (MAM/SAM) und ihren Betreuungspersonen
- Förderung der Gesundheit und Ernährung von schwangeren und stillenden Frauen
- Stärkung von weiblich geführten Haushalten, Binnenvertriebenen, Rückkehrer*innen und Geflüchteten
- Unterstützung vulnerabler Haushalte, insbesondere mit älteren Menschen, Menschen mit Behinderung oder ohne männliche Bezugsperson
- Aufbau von Kapazitäten bei Gesundheitspersonal und Freiwilligen vor Ort
- Unterstützung und Einbindung lokaler Schlüsselpersonen und Gastgemeinden in den Projektregionen
- Umsetzung integrierter Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, WASH, Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge
- Förderung lokaler und internationaler Advocacy-Arbeit zu klimabedingtem Hunger und Ernährungssicherheit
- Stärkung der Stimmen betroffener Gemeinschaften in politischen Entscheidungsprozessen – für klimafreundlichere und gerechtere Maßnahmen
- Direkt Begünstigte: 73.051
- Laufzeit: Juli 2021 – 30. September 2024
- Mittelherkunft: Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
- Fördervolumen: 4.500.000 Mio. €
Das Projekt wird in den beiden Ländern Mali (Region Gao) und Niger (Region Tahoua) umgesetzt. Ziel ist es, Familien, die von Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit betroffen sind, zu mehr Resilienz gegenüber Schocks zu verhelfen. Ursachen der Schocks sind insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels oder Konflikte. Die betroffenen Menschen werden von Aktion gegen den Hunger auf Krisensituationen vorbereitet und während Schocks mit sofortiger Hilfe unterstützt. So trägt das Projekt zur Sicherung ihrer Lebensgrundlagen bei und garantiert, dass ihnen zu jedem Zeitpunkt ausreichend Nahrungsmittel zu Verfügung stehen. Zusätzlich wird die Prävention und Behandlung von Mangelernährung durch einen gemeindebasierten Ansatz angestrebt. So soll der Ernährungszustand von Kindern unter 5 Jahren deutlich verbessert werden. Eine weitere Komponente des Projekts ist die Erleichterung des Zugangs zu sauberem Wasser und die Verbesserung der sanitären Grundversorgung in den Gemeinden.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Bedingungslose Nahrungsmittelhilfe für gefährdete Haushalte während der Magersaison
- Schulung und Betreuung von Landwirt*innen beim Gemüseanbau und bei der Viehzucht
- Förderung von einkommensschaffenden Aktivitäten von Frauengruppen
- Aufarbeitung und Wiederherstellung von Böden für landwirtschaftlichen Nutzflächen
- Schulung der gefährdeten Familien in den Bereichen Säuglings- und Kleinkinderernährung, gute Hygienepraktiken und Erkennung von Mangelernährung mit MUAC-Bändern (Messung des Armumfangs)
- Schulung des Gesundheitspersonals zur integrierten Behandlung von Kindern mit Mangelernährung
- Unterstützung bei der Behandlung von Fällen schwerer akuter Mangelernährung
- Direkt erreichte Menschen: 582.820
- Laufzeit: August 2024 – Dezember 2025
- Mittelherkunft: Auswärtiges Amt
- Fördervolumen: 3.777.778 Euro, davon 377.778 Euro ACF Match
Das Projekt greift in Krisensituationen, in denen Ernährungskrisen mit oft anhaltenden Konfliktsituationen in Mali, Niger und Sudan einhergehen. Um den Ernährungszustand der von Krisen betroffenen Bevölkerung zu verbessern, haben wir ein sektorübergreifendes Projekt in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, WASH und Ernährungssicherheit aufgesetzt. Die Projektmaßnahmen zielen unter anderem darauf ab, die Gesundheit und Ernährungssituation von Kindern unter fünf Jahren sowie von schwangeren und stillenden Frauen zu verbessern. Zudem beinhaltet das Projekt Schulungen für Frauen, Gemeindevorstehende und lokale Fürsprechende, um sie in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. So soll sichergestellt werden, dass auch die Bedürfnisse gefärdeter Bevölkerungsgruppen gehört werden.
Folgende Maßnahmen werden umgesetzt:
- Auf- und Ausbau der Kapazitäten der krisenbetroffenen Gemeinden sowie Gesundheitsstrukturenim Projektgebiet zur Prävention sowie zur Behandlung von Mangelernährung, indem sowohl die direkten Auswirkungen als auch die unmittelbaren und zugrunde liegenden Ursachen von Mangelernährung in einem multi-sektoralen Ansatz adressiert werden.
- Die Advocacy-Bemühungen zielen unter anderem auf die Stärkung der lokalen und kommunalen Mobilisierung ab, beispielsweise durch Schulungen für Frauen, kommunale Führungskräfte und Entscheidungsträger*innen in Techniken der Interessenvertretung, um eine aktive Teilnahme an für die relevanten Entscheidungsprozessen zu ermöglichen und die Bedürfnisse der am stärksten gefährdeten Personen zu vertreten.