Der neue Brunnen im Geflüchtetenlager Tawakal in Wajid, Somalia, bringt die Frauen enger zusammen und lässt Träume wachsen.

Ein Brunnen der Hoffnung in Wajid

In Wajid, Somalia, einer von Dürre stark betroffenen Stadt, verkündet das rhythmische Klappern neu installierter Handpumpen Hoffnung. Für die Familien im Binnengeflüchtetenlager Tawakal in Wajid ist Wasserknappheit seit langem eine Herausforderung, die nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch die Lebensgrundlagen und das tägliche Überleben beeinträchtigt.

Leben ohne sauberes Wasser: Was Dürre in Somalia anrichtet

Das Leben in Tawakal war schon immer vom Kampf um Wasser geprägt. Owliya Ibrahim Riinow, Mutter von fünf Kindern, hat diese Not am eigenen Leib erfahren. Gezwungen, aus ihrem fast 30 Kilometer entfernten Dorf zu fliehen, ließen sie und ihre Kinder sich in einer provisorischen Unterkunft nieder. Jeder Tag war ein Kampf um Wasser. Owliya lief fast einen Kilometer zum nächsten semi-salinen Brunnen (Anm. d. Red.: ein Brunnen mit Wasser mit mittlerem Salzgehalt zwischen Süß- und Meerwasser. Oft ist das Wasser brackig. In Dürregebieten sind semi-saline Brunnen oft die einzige Wasserquelle, jedoch sind sie oft unsicher, da sie kontaminiert sein können.).

Nicht nur das Wasser selbst, auch die Strecke konnte gefährlich sein. Meist kehrte Owliya nur mit verunreinigtem Wasser und viel zu wenig davon zurück.

„Das Wasser, das wir nutzten, war nicht immer sauber und reichte nie zum Kochen, Putzen oder Baden“, erzählt Owliya.

Nun gibt es in Wajid einen Hoffnungsschimmer dank der Unterstützung von Aktion gegen den Hunger und der Finanzierung durch das deutsche Auswärtige Amt (GFFO) zur Verbesserung des Zugangs zu Wasser. Vier flache Brunnen wurden um mehr als 1,8 Meter vertieft, um eine höhere Fördermenge zu gewährleisten. Außerdem wurden Handpumpen installiert, die die Verfügbarkeit und Qualität des Wassers drastisch verbesserten.

Owliya trägt Wasser vom Brunnen nach Hause.
Icon

Owliya trägt Wasser vom Brunnen nach Hause. Der Weg dorthin beträgt nun nur noch wenige Meter und sie kann die gewonnene Zeit und Kraft nun anderweitig nutzen.

Die Auswirkungen waren unmittelbar und tiefgreifend. Owliyas Nachbarschaft, der einst sauberes Wasser fehlte, verfügt nun über eine zuverlässige Quelle, die über 295 Haushalte versorgt. Der flache Brunnen, der während der Spitze der Trockenzeit früher oft austrocknete, liefert nun das ganze Jahr über sauberes, geschütztes Wasser.

„Wir sind gesegnet. Der Brunnen ist nur einen kurzen Fußweg entfernt, und das Wasser ist sicher für meine Kinder. Jetzt können wir uns auf andere wichtige Dinge in unserem Leben konzentrieren.“

Owliya Ibrahim Riinow, Wajid, Somalia

Für Owliya und die Frauen von Tawakal ist der Brunnen mehr als nur eine Wasserquelle; er ist zu einem Treffpunkt für die Gemeinschaft geworden, einem Ort, an dem sich Frauen versammeln, Geschichten austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

Neben dem Zugang zu sauberem Wasser hat Aktion gegen den Hunger auch Hygiene-Sets mit Wasseraufbereitungstabletten, Seife und Damenbinden bereitgestellt, damit die Familien auf eine bessere Hygiene achten können. Durch diese Hygienemaßnahmen wird auch das Risiko von durch Wasser übertragenen Krankheiten deutlich verringert.

Der Brunnen ist ein Wendepunkt vom Überleben zum Leben

Für Gemeinden wie Tawakal hat die Sanierung dieser Brunnen eine Wirkung, die weit über eine bloße Verbesserung der Infrastruktur hinausgeht – sie ist ein Wendepunkt, ein Übergang vom bloßen Überleben zur Möglichkeit, ein erfülltes Leben zu führen. Da sauberes Wasser nun in Reichweite ist, können die Familien ihren Fokus darauf richten, ihr Leben aufzubauen, indem sie ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen, ihren Lebensunterhalt sichern und für eine stabilere Zukunft planen.

Owliya zuhause mit ihren Kindern, als sie ein Wasser- und Hygiene-Set von einer Mitarbeiterin von Aktion gegen den Hunger erhält.
Icon

Owliya hat ein Wasser- und Hygiene-Kit von einer Mitarbeiterin von Aktion gegen den Hunger erhalten. Damit ist ihre Familie sicher vor durch Wasser übertragene Krankheiten und die Mutter kann jetzt mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

„Ich bete, dass diese Unterstützung weitergeht“, sagt Owliya dankbar. „Und ich hoffe, dass andere Gemeinden, die mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die gleiche Hilfe erhalten. Jetzt, zum ersten Mal seit langer Zeit, haben wir das Gefühl, dass wir in Ruhe leben können.“

8. MAI 2026
NEWSLETTER ABONNIEREN

Abonnieren Sie jetzt unseren E-Mail-Newsletter und erhalten Sie regelmäßig und kostenlos Informationen aus erster Hand!