Säugling mit MUAC-Band Diagnose akute Mangelernährung

Factsheet zum "DON'T PUSH IT"-Report

Fakten im Überblick

  • Die sechs führenden Hersteller für Muttermilchersatz investieren im Jahr mehr als 5,6 Milliarden Euro in deren Produktvermarktung - das ist mehr als die Bundesregierung für bilaterale staatliche Zusammenarbeit und zivilgesellschaftliches, kommunales und wirtschaftliches Engagement in Entwicklungsländern ausgibt.
  • Rein rechnerisch entfallen damit auf jedes weltweit geborene Kind 40 Euro an Marketingausgaben für Muttermilchersatzprodukte.
  • Ein Dreißigstel der Marketingausgaben von Nestlé, Danone, FrieslandCampina, Kraft Heinz, Abbott und Reckitt Benckiser würde ausreichen, um nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO die Stillrate bis 2025 so zu erhöhen, dass 520.000 Menschenleben gerettet werden könnten.  
  • Die Muttermilchersatz-Industrie wächst innerhalb von zwei Jahrzehnten um das Fünffache – dreimal schneller als die Weltwirtschaft.
  • 1998 belief sich der Markt für Muttermilchersatzprodukte auf 12 Milliarden Euro, 2014 waren es bereits 36 Milliarden. Im Jahr 2019 werden es voraussichtlich 57 Milliarden Euro sein.
  • Muttermilch bietet alle Nährstoffe und Antikörper, die ein Baby benötigt. Würden Säuglinge hauptsächlich gestillt, wären 823.000 Todesfälle bei Kleinkindern in Entwicklungs- und Schwellenländern vermeidbar. Dies entspricht fast jedem siebten Todesfall bei Kindern unter fünf Jahren weltweit. Babys, die nicht gestillt werden, sterben neunmal häufiger an einer Lungenentzündung.
  • Eltern werden mit falschen Angaben zu vermeintlich gesunden Inhaltsstoffen geködert („Health Claims“) und durch Social-Media-Promotions beeinflusst. 
  • Ärzte berichten, Geschenke und Gefälligkeiten zu erhalten, wenn sie den Absatz von Muttermilchersatzprodukten unterstützen. 
  • Ein Großteil der Werbeaktivitäten verstößt gegen den Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten der Weltgesundheitsversammlung. Dieser Kodex (International Code of Marketing of Breast-Milk Substitutes) enthält Maßnahmen, denen Unternehmen folgen müssen, darunter „keine Werbeaktivitäten in der Öffentlichkeit“, „keine Geschenke an Mütter oder Gesundheitspersonal“ und „keine kostenlosen Proben“.

Einhaltung des Kodex der größten Hersteller

Die sechs größten Hersteller werden auf Grundlage ihrer Einhaltung der offiziellen Marketing-Richtlinien klassifiziert. Reckitt Benckiser verletzt am häufigsten den Kodex, für Nestlé wurden die wenigsten Verstöße erfasst:

  1. Nestlé – 40 Prozent
  2. Danone – 36 Prozent
  3. FrieslandCampina – 24 Prozent
  4. Kraft Heinz – 22 Prozent
  5. Abbott – 15 Prozent
  6. RB (Mead Johnson) – 13 Prozent

Bericht enthüllt Manipulation durch Unternehmen

Der Bericht bestreitet nicht, dass Muttermilchersatzprodukte ihre Berechtigung haben. Er liefert jedoch eindeutige Beweise dafür, dass diese sechs Unternehmen aggressive Marketingkampagnen durchführen und damit etablierten Richtlinien zuwiderhandeln – oftmals, indem sie eine angebliche Äquivalenz zwischen Muttermilch und Ersatzprodukt herstellen. Dies führt dazu, dass Mütter ohne die richtigen Informationen das Stillen insgesamt einschränken oder gänzlich aufgeben.

Wir fordern

  • Die Geschäftsführung der genannten Unternehmen muss sich eindeutig dazu verpflichten, ihre aggressive Marketingpraxis ein für alle Mal zu beenden.
  • Die Investoren der Konzerne müssen ihren Einfluss nutzen, um die Einhaltung des Kodexes sicher zu stellen.
  • Regierungen sollen den Kodex konsequent in nationales Recht übernehmen, entsprechende Gesetze erlassen und die Einhaltung überwachen.

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