Eine Frau aus Äthiopien muss kilometerweit zur Wasserstelle laufen, um ihre Familie zu versorgen.

Die Ursachen von Hunger: Aus diesen Gründen hungern Menschen

"811 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger." Diese Aussage ging im Jahr 2021 durch die Medien. Die Zahl bezieht sich auf das Jahr 2020. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Zeit, in der Hilfsorganisationen wie Aktion gegen den Hunger viel erreichen konnten, aber auch Zeit, in der die Welt von zahlreichen Krisen erschüttert wurde. Expert*innen zufolge ist die Zahl der Menschen am Rande einer dramatischen Hungersnot schon jetzt auf 45 Millionen gestiegen.   

Die Gründe für Hunger sind vielfältig. Häufig kommen mehrere zusammen. Was können wir tun, um diese Ursachen zu bekämpfen? 

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Gründe für Hunger: Warum hungern Menschen? 

Über zwei Milliarden Menschen leiden an Mangelernährung. Alle 13 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Aber was ist Hunger überhaupt? Und warum betrifft er so viele Menschen weltweit? 

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschreibt Hunger als unangenehmes bis schmerzhaftes physisches Gefühl, das durch zu geringe Aufnahme von Energie durch Nahrung entsteht. Hunger wird chronisch, wenn über einen durchgängigen Zeitraum nicht genügend Nährstoffe und Kalorien aufgenommen werden können, um ein normales, aktives und gesundes Leben zu führen. Anhaltender Hunger und Mangelernährung können den Tod bedeuten. Dieses Schicksal droht über 10 Prozent der Weltbevölkerung. Sie müssen jeden Abend hungrig zu Bett gehen. Dabei könnten eigentlich alle Menschen auf der Erde von den angebauten Nahrungsmitteln leben. 

Drei Personen auf orangefarbenem Hintergrund

811 Millionen Menschen weltweit hungern.

Eine Schüssel und ein Löffel auf orangefarbenem Hintergrund

Jeder zehnte Mensch auf der Erde geht regelmäßig hungrig zu Bett. 

Ein Baby auf orangefarbenem Hintergrund

Jedes vierte Kind weltweit ist chronisch mangelernährt. 

Doch während ein Teil der Welt im Überfluss lebt, ist ein anderer Teil von Ernährungsunsicherheit betroffen und weiß nicht, ob am nächsten Tag Essen auf dem Tisch steht. Die Gründe dafür sind entweder menschengemacht-natürlich oder gesellschaftlich-ökologisch bedingt. Konflikte und Naturkatastrophen rufen Armut hervor, und wer unter Armut leidet, hungert häufiger. Doch es ist komplizierter, denn Armut entsteht aus jeder Menge Gründen, die allesamt dafür verantwortlich sind, dass Menschen hungern. Oft treten mehrere davon gleichzeitig auf, etwa Misswirtschaft und kaputte Nahrungsmittelsysteme oder Krankheiten.

Kriege und Konflikte bringen Länder ins Wanken 

Eine der größten Ursachen von Hunger sind Kriege und politische Konflikte. Dabei sind nicht nur Zerstörung und Flucht ausschlaggebend, sondern auch die Sicherheitslage im Land. Oft sind ganze Gebiete oder gar das ganze Land von der Außenwelt abgeschnitten. Es kommen kaum Nahrungsmittel ins Land oder die Preise steigen horrend an, so dass sich die in Armut lebende Bevölkerung keine Lebensmittel leisten kann.

Dort, wo Krieg herrscht, können die Menschen ihre Häuser kaum verlassen, um sich zu versorgen. Aber auch auf die gesamte Welt haben Kriege Einfluss. Denn bricht im Land die Wirtschaft zusammen oder können wichtige Arbeiten wie Ackerbau oder Produktion von Lebensmitteln aufgrund der Kampfhandlungen nicht mehr durchgeführt werden, kann auch nichts ins Ausland exportiert werden. Wichtige Ernährungsquellen versiegen, wenn solche Kornkammern wie etwa die Ukraine fehlen. So müssen Länder auf Waren aus dem Ausland verzichten, auf die sie angewiesen sind. Entsprechend steigt die Armut auch dort.

Ein kleiner Junge steht mit einem Maiskolben in der Hand im Camp
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Krieg führt zu Flucht – in den Flüchtlingscamps in Ländern wie dem Jemen, Afghanistan oder Jordanien ist Selbstversorgung aber nicht möglich. Kinder, Frauen und Männer sind auf Unterstützung angewiesen.

Der Klimawandel lässt den Welthunger steigen 

Es ist ein trauriger Fakt: Die Länder, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, dass sich unser Klima verändert, leiden schon jetzt am stärksten darunter.  

Überschwemmungen und lange Trockenzeiten lassen Ernten ausfallen, Nutztiere sterben und zerstören Lebensraum. Familien müssen ihre Heimat verlassen, weil sie dort nicht mehr überleben können. 

Fluten zerstören die Infrastruktur und lassen die Versorgung zusammenbrechen. Latrinen werden überschwemmt und das viele Wasser wird schnell zur Brutstätte von Insekten. Das erhöht die Gefahr von Infektionskrankheiten. 

Naturkatastrophen sorgen dafür, dass betroffene Länder auf teure Lebensmittelimporte angewiesen sind, die sich die Bevölkerung aufgrund der durch die Klimakatastrophen weggefallenen Arbeit nicht mehr leisten kann.  

Klimaforscher*innen sind sich sicher, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft weiter verstärken werden, wenn wir nicht sofort handeln. Das würde zu kaum auszumalenden Fluchtbewegungen führen.

Sechs Kinder sind in einer der trockendsten Gegenden Kenias auf der Suche nach Wasser in einem fast ausgetrockneten Wasserloch
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Dürre in Kenia: Kinder sind auf der Suche nach den letzten Tropfen Wasser. Der Klimawandel zeigt sich im Osten Afrikas mit unbarmherziger Trockenheit, während in anderen Teilen der Welt Überflutungen Lebensgrundlagen zerstören.

Krankheiten verursachen mehrfaches Leid 

Krankheiten wie Cholera prägen vor allem Länder, in denen die Infrastruktur durch Kriege geschwächt ist. Die Durchfallerkrankung tritt oft auch nach Naturkatastrophen auf, weil die Versorgung mit Trinkwasser zusammenbricht. Menschen leiden an Erkrankungen oder sterben an den Folgen. Und wer krank ist, kann nicht arbeiten. Wer aber nicht arbeiten gehen kann, verdient kein Geld, um sich Nahrung zu kaufen. 

Jetzt helfen

Seit 2020 machen vor allem die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie Menschen weltweit das Leben schwer. Denn neben der Krankheit selbst, die viele das Leben gekostet hat, hat durch die notwendigen Einschränkungen zum Eindämmen der Pandemie auch die Wirtschaft stark gelitten. Ernteeinbrüche und Einkommensverluste haben zugenommen. Länder, die gerade einen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen konnten, sind um Jahre zurückgeworfen worden. 

Das Coronavirus hat gezeigt, wie unbeständig die weltweiten Ernährungssysteme sind. Ein Umdenken ist zwingend notwendig. Auch das versuchen wir bei Aktion gegen den Hunger anzuregen.

Drei Frauen aus Guatemala tragen Gesichtsmasken und freuen sich über Hygienekits in Tüten von Aktion gegen den Hunger
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Die indigene Bevölkerung Guatemalas hat aufgrund der Coronavirus-Pandemie besonders unter Einkommenseinbrüchen zu leiden. Damit sie sich besser vor Covid-19 schützen, erhalten diese Frauen Hygiene-Kits von Aktion gegen den Hunger.

Der instabile Weltmarkt sorgt für Ernährungsunsicherheit 

All diese Faktoren sorgen seit Jahren dafür, dass die Nahrungsmittelpreise weltweit enorm schwanken. Kriege, Naturkatastrophen und weitere Probleme wie eine weltweite Pandemie sorgen für wirtschaftliche Einschränkungen, die die Preise geradezu explodieren lassen. Hinzu kommen Lebensmittelspekulationen, oft mit Grundnahrungsmitteln. Banken, Hedgefonds und andere Finanzakteure setzen auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise und treiben sie damit künstlich nach oben – mit enormen Folgen für einen Großteil der Weltbevölkerung. 

Eine ausgewogene Ernährung wird gerade für Menschen, die in Armut leben, unbezahlbar. Wenig nahrhafte Lebensmittel aber steigern das Risiko für Formen der Mangelernährung, etwa Mikronährstoffmangel. Gerade für schwangere Frauen, Babys und kleine Kinder kann das fatale Folgen haben. Für viele Familien in Ländern wie dem Jemen oder Afghanistan reicht es nicht einmal für die günstigsten Nahrungsmittel.

Ein Mann wägt Weizen mithilfe einer Waage ab, rundherum sitzen Kinder.
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Die Preise für Lebensmittel, u.a. Getreide, schwanken enorm. Vielen Familien reicht selbst für Grundnahrungsmittel wie Getreide das Geld nicht mehr.

Einseitige Landwirtschaft saugt Böden das Leben aus 

Gerade in vielen Entwicklungsländern, wo Landwirtschaft für viele Menschen die Haupteinkommensquelle ist, wird kaum in dieses Feld investiert. Die landwirtschaftliche Infrastruktur ist oft schlecht, es fehlt an Lagerhäusern, Straßen sind teils unpassierbar und Bewässerungssysteme nur marginal vorhanden. Das verursacht hohe Transportkosten und sorgt für knappe Erträge. Zudem werden Felder oft aus Mangel an Wissen, Platz und alternativem Saatgut immer wieder mit derselben Pflanzenart bestellt. Das laugt die Böden aus und lässt die Erträge von Jahr zu Jahr schrumpfen. 

Dabei kann das Wissen über sinnvolle Bewässerung und eine bessere Bodenbewirtschaftung zusammen mit resistentem Saatgut Wunder wirken: Wer in die Landwirtschaft investiert, kann Armut und Hunger enorm reduzieren. Die Teams von Aktion gegen den Hunger greifen dieses Wissen auf, entwickeln zusammen mit den Bäuer*innen vor Ort Pläne zum regional sinnvollen Anbau und vermitteln Kenntnisse zu innovativen Anbaumethoden

Rosina aus Kenia sitzt in ihrem Gemeinschaftsgarten, pflückt Gemüse und lacht.
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Innovative Anbaumethoden helfen, auch in trockenen Gebieten Gemüse zu kultivieren. Rosina aus Kenia baut so zusammen mit anderen Frauen Gemüsegärten in ihrem Dorf an, mit denen sie sich selbst versorgen und einen Teil des Ertrages sogar noch verkaufen können.

Nahrungsmittelverschwendung trifft die Ärmsten 

Eigentlich produzieren wir genügend Nahrungsmittel, um die gesamte Menschheit auf der Erde zu ernähren. Doch sage und schreibe ein Drittel davon – das sind 1,3 Milliarden Tonnen! – wird nicht gegessen und weggeworfen. Aber auch in diese nicht verzehrten Lebensmittel fließen bei Anbau und Produktion Milliarden Liter Wasser, das woanders fehlt. Die bei der Produktion weggeworfener Lebensmittel produzierten 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase landen in der Atmosphäre und wirken sich dort wiederum negativ auf unser Klima aus – wobei wir wieder bei einer der Hauptursachen für Hunger angelangen.

Armut sorgt für Hunger 

Einige Länder, vor allem im globalen Süden, sind besonders stark von Armut gezeichnet – und hier kommen all die Gründe zusammen, die für Hunger verantwortlich sind: Durch Konflikte leidet die Wirtschaft, die Lebensmittelpreise steigen, es gibt wenig Arbeit und damit auch kaum Geld für Familien. Durch Naturkatastrophen wiederum fallen ganze Ernten aus. Im globalen Süden ist die Landwirtschaft aber oft die Haupteinkommensquelle. Viele Bäuer*innen haben kein Einkommen mehr und können sich und ihre Familien nicht einmal mehr selbst versorgen oder haben nur eine geringe Auswahl an Lebensmitteln zur Verfügung, so dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung nicht möglich ist.   

Durch Armut kann eine Abwärtsspirale entstehen: Wer nicht genügend Geld hat, kann sich keine nahrhaften Lebensmittel leisten. Eine einseitige Ernährung oder gar zu wenig Essen schwächen den Körper, so dass Betroffene kaum Kraft haben, Geld zu verdienen und selbst Land zu bestellen. 

Aktion gegen den Hunger greift genau hier an und erarbeitet zusammen mit den Menschen in von Armut geprägten Gebieten Möglichkeiten, sich besser selbst versorgen zu können. Unser Ziel ist es, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen – dafür arbeiten wir auch daran, die Armut weltweit zu verringern. 

Mitarbeiterin füttert Baby
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Wir wollen den Hunger weltweit bekämpfen. Dafür behandeln unsere Teams mangelernährte Kinder, so wie hier in Bangladesh. Gleichzeitig schulen wir die Eltern in gesunder Ernährung und unterstützen sie dabei, langfristig einen Weg aus der Armut zu finden.

Wo hungern die Menschen? 

Überall auf der Welt gibt es Menschen, die nicht genügend zu Essen und keinen gesicherten Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln haben. Am heftigsten trifft es aber jene in den sogenannten Hunger-Hotspots. Insbesondere in Ländern wie Afghanistan, Jemen, Somalia, dem Südsudan oder Syrien ist die Situation desolat. Meist sind es Frauen und Kinder, die besonders stark von der Hungersnot betroffen sind.  

So kämpfen wir gegen Hunger und Mangelernährung 

Aktion gegen den Hunger ist in rund 50 Ländern aktiv und setzt sich dort gegen die Ursachen von Hunger und Mangelernährung ein – unter anderem so: 

  • Wir verteilen Lebensmittel und versorgen mangelernährte Kinder mit Therapienahrung. 

  • Wir bauen zusammen mit Gemeinden Brunnen auf und stabilisieren die Versorgung mit Trinkwasser. 

  • Wir entwickeln zusammen mit den Menschen vor Ort Möglichkeiten, sich selbst besser zu versorgen und setzen uns insbesondere für bessere Frauenrechte weltweit ein. 

Helfen Sie mit: Kämpfen wir gemeinsam gegen den weltweiten Hunger! Zusammen können wir viel erreichen.  

Lassen Sie uns gemeinsam den Hunger beenden!
7. JULI 2022
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