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Tschadsee-Geberkonferenz: Finanzielle Hilfe nicht ausreichend!

Humanitäre Lage katastrophal

Die Lage in den Anrainer-Staaten des Tschadsees ist weiterhin katastrophal.  Wir rufen anlässlich einer zweitägigen Tschadsee-Konferenz in Berlin dazu auf, weitere finanzielle Mittel bereitzustellen, den direkten Zugang zu den Opfern zu erleichtern und die Wiederherstellung der Autonomie der Bevölkerung zum mittel- und langfristigen Ziel zu erklären.

Nur ein Drittel der benötigten Mittel stehen zur Verfügung

1,3 Milliarden Euro. Das ist die Summe, die notwendig ist, um das Leid von 10,8 Millionen Menschen zu lindern, die direkt oder indirekt von der im Norden Nigerias ausgelösten Gewalt betroffen sind. Fast zwei Millionen und damit die Hälfte der Menschen wurden aus ihrer Region vertrieben und leben nun in prekären Umständen. Nur rund ein Drittel der benötigten Mittel, 364 Millionen Euro, wurden von der internationalen Gemeinschaft bisher bereitgestellt.

Menschen müssen Lebensgrundlagen aufgeben Arbeit der Hilfsorganisationen wird behindert

„Menschen, die alles zurücklassen mussten, um der Gewalt zu entfliehen, müssen ihre Lebensgrundlagen wie Fischerei, grenzüberschreitenden Handel oder Landwirtschaft aufgeben. Restriktive Sicherheitsmaßnahmen der Armee behindern zudem die Bewegungsfreiheit der Menschen und die Arbeit der humanitären Hilfsorganisationen vor Ort“, erklärt Lucía Prieto, Regionaldirektorin von Aktion gegen den Hunger im Niger. In Berlin, fügt Prieto hinzu, müssen Lösungen gefunden werden, um die Koordination zwischen den humanitären Akteuren im Land zu verbessern und den dringend benötigten direkten Zugang zu den betroffenen Menschen zu schaffen: „Nur mit direktem Zugang können wir sicherstellen, dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.“ 

Soforthilfe muss mit langfristigen Lösungen ergänzt werden

Für uns ist es wichtig, Soforthilfe mit langfristigen Lösungen zu ergänzen, um einerseits akute Notlagen zu lindern, andererseits aber auch die strukturelle Fragilität der Region und die Auswirkungen der Krise auf die natürlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen abzumindern. „In diesem Sinne ist die psychosoziale Unterstützung für Menschen, die durch Gewalt traumatisiert oder vertrieben werden, von entscheidender Bedeutung, um das soziale Gefüge wiederherzustellen. Mithilfe gezielter Programme, beispielsweise für die Weidewirtschaft, können wirtschaftliche Grundlagen in der Region wiederaufgebaut beziehungsweise gestärkt werden“, sagt Magali Garcia aus Niamey, zuständig für politische Interessensvertretung von Aktion gegen den Hunger im Niger.

419.000 Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen

In Diffa, eine der Regionen die am stärksten von der Tschad-Krise betroffen ist, sind aktuell 419.000 Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Gesundheitszentren und Schulen sind aufgrund der Sicherheitslage in vielen Gebieten geschlossen und weniger als die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu Trinkwasser. Die Reserven der letzten Ernte sind erschöpft und die restriktiven Sicherheitsmaßnahmen erschweren den Menschen das Bestellen der Felder und die Fischerei“, erklärt Garcia.

Hoffnung in Berlin

Aktion gegen Hunger fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf:

• Den humanitären Appell mit transparenten und flexiblen Mechanismen adäquat zu finanzieren.
• Mittel zur Verfügung zu stellen, um den direkten Zugang humanitärer Organisationen zu den betroffenen Menschen zu erleichtern, insbesondere in den Gebieten, die für die Hilfe bisher noch unzugänglich sind.
• Hilfe zu etablieren, die kurzfristig Leben rettet, mittel- und langfristig aber auch die strukturelle Fragilität des Gebiets und die Auswirkungen der Krise auf die natürlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen löst.