Junge mit Lenkdrachen

FAQs zur Jemen-Petition

Jemenkrieg: Waffenexporte stoppen, Hunger beenden


Waffen töten und sind der Hauptgrund dafür, dass Millionen Menschen im Jemen Hunger leiden. Darum rufen wir dazu auf, die Petition „Waffenexporte stoppen, Hunger beenden“ zu unterzeichnen! Hier geht’s zur Petition.

Zur Situation im Jemen

Wie ist die Situation im Jemen?

Die Vereinten Nationen sprechen von der schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt. Bomben, Hunger und Krankheiten sind Alltag für die Bevölkerung des kriegsgebeutelten Landes im Nahen Osten. Über 24 Millionen Menschen benötigend dringend humanitäre Hilfe – das sind rund 85 Prozent der gesamten jemenitischen Bevölkerung. [1] Zehntausende Kinder unter 5 Jahren starben bereits an akuter Unterernährung. [2] 360.000 Jungen und Mädchen droht das gleiche Schicksal, wenn sie nicht schnell Hilfe erhalten. [3]

[1] UNHCR Operational Update: Yemen, 21.6.2019.

[2] Save the children: 85.000 Kinder unter 5 Jahren starben bis Oktober 2018 an Hunger.

[3] UNICEF YEMEN: Humanitarian Situation Report, April 2019.

Warum herrscht im Jemen Krieg?

Durch den gescheiterten Transitionsprozess nach den Massenprotesten im Zuge des Arabischen Frühlings gewannen regierungskritische Gruppen im Jemen an Zulauf. So auch die Huthis, eine separatistische schiitische Rebellengruppe aus dem Norden des Landes. Aus Wut über den ausbleibenden Wandel und die schlechten Lebensbedingungen, schlossen sich große Teile der Bevölkerung den Huthis an.

2014 nahmen die Huthis und ihre Verbündeten die Hauptstadt Sanaa ein. Um den Aufstand der Rebellen und ihrer Verbündeten zu stoppen, formte Saudi-Arabien eine militärische Allianz auf Seiten der jemenitischen Regierung. Es sollte verhindert werden, dass eine schiitische Minderheit immer mehr Einfluss im Jemen erlangt. Im März 2015 wurden erste Luftangriffe durch die Allianz geflogen. Seither tobt im Jemen ein unerbittlicher Bürgerkrieg.  

Wie sehr leidet die jemenitische Zivilbevölkerung unter dem Krieg?

Weit über 11.000 zivile Opfer sind durch den Krieg zu beklagen. Mindestens 30 Prozent der von der Koalition geführten Luftangriffe gelten eindeutig zivilen Zielen. [4] Tausende Wohngebäude, Schulen, Krankenhäuser und überlebenswichtige Infrastruktur wurden in Folge der Bombardements zerstört. Dabei wurden tausende Frauen, Männer und Kinder getötet. Nach geltendem Völkerrecht erfüllt dies den Tatbestand des Kriegsverbrechens.

[4] Yemen Database Project, https://yemendataproject.org/

Was brauchen die Menschen im Jemen nun am dringendsten?
  • Ein Ende aller Kampfhandlungen und die Aufhebung der Seeblockade im Roten Meer.
  • Die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und umfassender Schutz der Zivilbevölkerung sowie der zivilen Infrastruktur.
  • Uneingeschränkter Zugang für humanitäre Organisationen, damit die notleidende Bevölkerung so schnell wie möglich mit dem versorgt werden kann, was sie unmittelbar zum Überleben benötigt: Nahrung, Wasser und Medikamente!

Waffenexporte und Hunger

Was ist der Zusammenhang zwischen Krieg und Hunger?

Armut und Hunger als direkte Folgen der militärischen Konflikte fordern im Jemen inzwischen mehr Leben als die Kampfhandlungen selbst. Über 24 Millionen Menschen – mehr als 3/4 der Bevölkerung – ist dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dahinter steckt militärisch-strategisches Kalkül. Angriffe der Konfliktparteien auf Farmen, lokale Märkte und Vorratslager, sowie die Blockade von Transportwegen zu Land, See und in der Luft hungern die Menschen im Jemen systematisch aus und behindern humanitäre Hilfe.

Welche direkten Auswirkungen haben die Angriffe auf die Ernährungslage im Jemen?

Das „Yemen Data Project“, ein unabhängiges jemenitisches Datenerhebungsprojekt, hat die von der Koalition geführten Luftangriffe zwischen dem 26. März 2015 und dem 28. Februar 2019 analysiert. Demnach trafen 11.400 von 19.278 Luftschlägen landwirtschaftliche Ziele, um Nahrungsmittelproduktion und Versorgung zu schwächen. Über 600 Farmen wurden bislang zerstört. Dass die Angriffe auf Farmen Teil der Kriegsstrategie waren und sind, kann nicht bezweifelt werden. Denn lediglich 1% der Fläche im Jemen ist permanent kultiviert. Die Jeminit*innen leben zum großen Teil auf dem Land. Sie kaufen ihre Nahrung auf den Dorfmärkten. 218 dieser Märkte wurden bombardiert. Auch Fischereibetriebe sind immer wieder Ziel von Angriffen. [5]

Der größte Teil des Nahrungsmittelbedarfs im Jemen wird durch Importe gedeckt. Schon vor dem Krieg wurden 80% der Nahrungsmittelimporte über den Rotmeerhafen Hodeida abgewickelt. Eine Seeblockade der Koalition behinderte diese Lieferungen über Jahre. Auch andere überlebenswichtige Güter (wie z.B. medizinische Ausrüstung) waren von der Blockade betroffen und machten humanitäre Interventionen beinahe unmöglich. Etwa ein Fünftel des Nahrungsmittelbedarfs der jemenitischen Bevölkerung wird durch die nationale Produktion bedient. Infolge der Krieges ging diese um mindestens 30 Prozent zurück. [6]

Die Folge: Die Preise für Lebensmittel steigen stetig an. Zwar gibt es auf den Märkten mitunter noch ausreichend Nahrung zu kaufen, allerdings sind die Kosten so hoch, dass sich ein Großteil der Bevölkerung das einfach nicht mehr leisten kann. Seit 2015 hat sich die Wirtschaftskraft halbiert und mehr als 80 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. [7]

[5] Zu den Zahlen in diesem Absatz vgl. Yemen Database Project, https://yemendataproject.org/

[6] Vgl. zu diesem Absatz FAO Humanitarian Response Plan Yemen 2019.

[7] Vgl. Monitoring food security  in countries with conflict situations, FAO/WFP update for the United Nations Security Council 2019.

Gibt es Beweise dafür, dass deutsche Rüstungstechnologie im Jemenkrieg eingesetzt wird?

Laut Wirtschaftsministerium, hat Deutschland seit Anfang 2019 Rüstungsgüter im Wert von über einer Milliarde Euro an die von Saudi-Arabien geführte Kriegs-Allianz genehmigt. Trotz Transportbeschränkungen an die Allianz wurden Genehmigungen für Rüstungsgüter an die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Saudi-Arabien erteilt.

Ausnahmen und Schlupflöcher wie Tochterfirmen im Ausland, Ausfuhr über Bündnispartner oder europäische Gemeinschaftsprojekte und jede Menge Auslegungsspielraum durch schwammige Formulierungen machen das möglich. Zudem trug das  Recherchebündnis „#GermanArms“ (stern/ ARD-Magazin Report München/ Recherchebüro Lighthouse Reports/ Investigativ-Netzwerk Bellingcat/ Deutschen Welle) zahlreiche Belege für den Einsatz deutscher Waffensysteme im Jemen-Krieg zusammen. 15 Journalisten recherchierten und werteten Fotos, Videos und Satellitenbilder aus.

Das Ergebnis: Die von Saudi-Arabien geführte Koalition nutzt deutsche Waffentechnologie an Land, zu Wasser und in der Luft. Darunter unter anderem Raketenschnellboote vom Typ Muray Jib, die die Firma Lürssen in Bremen gebaut und an Saudi-Arabien verkauft hat. Außerdem setzt Saudi-Arabien im Jemen Kampfpanzer vom Typ Leclerc ein. Angetrieben werden diese von Motoren des Herstellers MTU aus Friedrichshafen. Seit 2017 tauchen zudem Bilder auf, auf denen Panzer dieses Typs mit seitlichen Zusatzpanzerungen ausgerüstet sind. Die sogenannten Clara-Systeme werden von DND aus Burbach hergestellt und exportiert. Darüber hinaus werden Kampfflugzeuge vom Typ „Tornado“ und „Eurofighter“ – ebenfalls unter deutscher Beteiligung entwickelt und gebaut – im Rahmen der von Saudi-Arabien durchgeführten Bombardements eingesetzt. [8]

[8] Zu den Rechercheergebnissen des #GermanArms-Bündnisses vgl. diverse Publikationen in Spiegel, Stern und der Deutschen Welle.

Petition gegen Waffenexporte und Nothilfe im Jemen

Was fordert Aktion gegen den Hunger von der Bundesregierung?

Das Leid im Jemen ist menschengemacht. Der erbarmungslose Krieg – befeuert durch Rüstungsexporte aus Deutschland – hat das Land in eine humanitäre Katastrophe katapultiert. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung:

  • Rüstungsexporte an alle Kriegsparteien im Jemen stoppen
  • Exportstopp für Waffensysteme an Saudi-Arabien auf unbestimmte Zeit verlängern und Schlupflöcher für Lieferungen schließen
  • Rüstungsstopp an Kriegsparteien auf europäischer Ebene durchsetzen, um Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht gemeinschaftlich sicherzustellen
Wie hilft meine Unterschrift?

Mit deiner Unterstützung erhöhen wir den Druck auf die Bundesregierung, die Waffenexporte zu stoppen. Denn sie sind die Hauptursache des Hungers im Jemen. Wir dürfen nicht weiter zulassen, dass deutsche Waffen im Jemen Menschen töten und den Hunger weiter befeuern! Erzähl auch deinen Freunden von der Petition und bitte sie zu unterzeichnen – denn je mehr Menschen die Petition unterzeichnen, desto mehr Gewicht haben unsere Forderungen an die Bundesregierung.

Ich möchte auch darüber hinaus helfen. Was kann ich tun?

Der Krieg hinterlässt Spuren. Selbst wenn die gewaltsamen Auseinandersetzungen bald ein Ende finden sollten, wird das Land noch über viele Jahre auf Hilfe von außen angewiesen sein.


Während wir in Deutschland mit Hilfe der Petition und der Öffentlichkeit Druck auf die Bundesregierung ausüben, leistet unser Team im Jemen die dringend erforderliche Nothilfe. Tag für Tag setzen sich unsere Teams dafür ein, Leid zu lindern und Leben zu retten: So wie das der sieben Monate alten Afina. Das Mädchen war akut mangelernährt und ihr Leben hing nur noch an einem seidenen Faden. Auf einer unserer Krankenstationen konnte Afina erfolgreich behandelt werden.


Um auch weiterhin vor Ort Hilfe leisten zu können, sind wir dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Hilf auch du uns, Kindern wie Afina zur Seite stehen zu können – mit deiner Online-Spende!

Wie hilft Aktion gegen den Hunger?

Trotz der Sicherheitsrisiken und Schwierigkeiten, die Notleidenden zu erreichen, leistet unser Team tagtäglich lebensrettende Nothilfe. Über 300 Mitarbeiter*innen von Aktion gegen den Hunger kämpfen im Jemen unermüdlich dafür, das Leid der Menschen zu lindern und Leben zu retten:

  • Wir verteilen Lebensmittel, diagnostizieren Mangelernährung und behandeln akut mangelernährte Kinder in Gesundheitsstationen und durch mobil einsetzbare Teams.
  • Wir sorgen für eine Versorgung der Menschen mit Trinkwasser, indem wir Wassertank-LKWs einsetzen, Wasserstellen und Brunnen reparieren und Hygiene-Sets und Keramikfilter verteilen. Darüber hinaus informieren und trainieren wir Eltern zu Hygienemaßnahmen.
  • Wir verteilen Essensgutscheine und organisieren Bargeld-Transfers, um den dringenden Nahrungsmittelbedarf der Menschen decken zu können.
  • Wir stellen die Lebensgrundlagen von Menschen im Rahmen unserer Nahrungsmittelsicherungsprogramme auf eine sichere Basis.
1. OKTOBER 2019
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